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Frieden schaffen durch Religion

In einem kriegsgeschüttelten Europa will Religions for Peace Frieden schaffen. Mithelfen sollen vor allem Religiöse – auch wenn sie an unterschiedliche Götter glauben.
Von Anna Lutz
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Muslime, Christen, Buddhisten, Hindus, Sikh, Baha’i und andere – 900 Delegierte verschiedener Religionen aus 125 Ländern nahmen an der 10. Weltkonferenz von „Religions for Peace“ teil. Mit einer feierlichen Zeremonie wurde dabei in Lindau ein „Ring for Peace“ eingeweiht, der den Frieden zwischen den Religionen symbolisieren soll.

Foto: pro/Jonathan Steinert

Religions for Peace will Buddhisten, Muslime, Christen, Juden und andere Gläubige zusammenbringen, damit sie sich für den Frieden einsetzen

Peter Jörgensen hat neu angefangen: Er leitet das gerade eröffnete Europa-Büro von Religions for Peace (RfP) in Berlin. Auf allen Kontinenten mit Ausnahme Australiens ist die Organisation bereits aktiv, nun hat auch die deutsche Hauptstadt erstmals einen Ableger bekommen. Dass das so lange gedauert hat, überrascht, denn die Zusammenarbeit der Nichtregierungsorganisation (NGO) etwa mit dem Auswärtigen Amt läuft schon seit einigen Jahre erfolgreich. 2019 eröffnete Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier eine RfP-Weltkonferenz in Lindau mit rund 900 Gästen und Delegierten aus 125 Ländern.

Auch Jörgensen selbst ist kein Unbekannter, zumindest für die, die sich auf dem Berliner Parkett neben der Politik auch mit Religion beschäftigen. Er ist Pastor einer Baptistengemeinde im Berliner Wedding und war bis 2020 Beauftragter der Vereinigung Evangelischer Freikirchen am Sitz der Bundesregierung, also Lobbyist für religiöse Belange. PRO trifft ihn an einem sonnigen Tag unweit des Parlamentsgebäudes, wo Jörgensen sich auch in seiner neuen Funktion häufig aufhält. Wer ihn nun bei Religions for Peace sucht, findet ihn in der neuen Niederlassung am Pariser Platz, zwischen Botschaften, Brandenburger Tor und der Akademie der Künste. Auch die erstklassige Adresse ist ein Zeichen dafür, wie etabliert die NGO ist. Aber was genau tut sie eigentlich?

Diplomaten des Glaubens

„Wir sind eine Ergänzung im Werkzeugkasten der Diplomatie“, versucht sich Jörgensen an einer Erklärung. Soll heißen: Wo immer weltpolitisch Unfrieden herrscht, versucht RfP die religiösen Akteure an einen Tisch zu bringen. In dem Wissen, dass sie einerseits oft ein Interesse an Vergebung und Versöhnung haben, andererseits aber auch häufig große Gräben überwinden müssen.

Peter Jörgensen leitet das Europa-Büro von Religions for Peace

Tut RfP das auch gerade in der Ukraine? Diplomaten sprechen selten über das, was sie tun, und so ist es auch bei jenen, die sich im religiösen Feld bewegen. Jörgensen hält sich mit einer Antwort zurück. Aber er macht deutlich, dass RfP im Osten Europas arbeitet. Mit Ukrainern und Russen. „Gesprächskanäle wieder öffnen“, sei eines der Arbeitsziele, ist ihm zu entlocken. Und: Schon jetzt planen, welche Versöhnungsarbeit dort einmal nötig sein wird. RfP sieht sich als Vermittler, nicht als Lobbyist, aber eng an der Seite von Interessensorganisationen wie Amnesty International.

Mit Kyrill am Runden Tisch?

Dürfte einer wie der russisch-orthodoxe Patriarch Kyrill I. dann eigentlich mit an den Gesprächstisch? Obwohl er den russischen Angriff auf die Ukraine rechtfertigt? „Es gibt keine roten Linien bei unserer Friedensarbeit“, antwortet Jörgensen. Die Friedens- und Gesprächsbemühungen von RfP schließen jeden ein. „Weil die Hoffnung bleibt, dass sich dadurch etwas zum Guten wenden lässt“, sagt Jörgensen. Auch deshalb sandte RfP bereits im März ein Schreiben an den Patriarchen mit der Bitte, er möge sich für den Frieden einsetzen und dabei helfen, den Krieg zu beenden. Ob es eine Antwort darauf gab, ist nicht bekannt.

Doch nicht alles, was RfP beschäftigt, hat gleich mit aktuellem Kriegsgeschehen zu tun. Erst vor einigen Wochen ist Jörgensen von einer Reise nach Sarajevo zurückgekehrt. Das Ziel: Religions for Peace bringt gerade Akteure aus unterschiedlichen europäischen Metropolen zusammen. Sie sollen voneinander lernen, wie religiöse Partnerschaftlichkeit zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen und auch Nichtgläubigen funktionieren kann.

Miteinander, aber nicht interreligiös

Neben Sarajevo sind auch Berlin, Beirut und – so es die Lage zulässt – Kiew beim sogenannten Metropolregionenprojekt dabei. Muslime, Christen, Juden und andere religiöse Akteure sollen sich vernetzen und austauschen darüber, wie etwa in Berlin ein interreligiöser Kindergarten entstehen konnte. Oder wie in Sarajevo nach Jahren des Krieges ein friedliches Zusammenleben unterschiedlicher Gläubiger möglich wurde. Oder einfach darüber, wie interreligöse Nachbarschaftshilfe funktioniert.

Foto: Religions for Peace
Religions for Peace brachte jüngst Vertreter unterschiedlicher Religionen in Sarajevo zusammen

„Dabei geht es uns aber nicht darum, dass Interreligiosität an sich gefördert wird“, betont Jörgensen. Man müsse sich das im Gegenteil so vorstellen: Ein Mann im Rollstuhl stehe an einer Treppe und wolle hoch zur S-Bahn, aber es gebe keinen Aufzug. Dann kämen zwei weitere Männer vorbei, einer Muslim und einer Christ. „Wir verstehen uns so, dass jeder an einer Seite anpackt und wir den Mann gemeinsam die Stufen hinauftragen“, sagt Jörgensen.

Mit gemeinsamem Gebet habe das wenig zu tun, dafür aber mit gelebter religiöser Praxis, mit praktizierter Nächstenliebe – für das Wohl der Gesellschaft.

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10 Antworten

  1. Ein deprimierender Artikel und eine ernüchternde Überschrift.
    Religiöse Menschen die an unterschiedliche Götter glauben, wollen Frieden erwirken im kriegsgeschüttelnden Europa.
    Gottes Wort sagt, dass Jahwe ein eifersüchtiger Gott ist. Mit anderen Göttern sollen wir nichts gemein haben.
    Gott hat die Menschen versöhnt und eins gemacht in Christus! “Denn er ist unser Friede, …” (Eph. 2,14.
    “Und durch ihn alles versöhnt würde zu ihm hin – indem er Frieden machte durch das Blut an seinem Kreuz-, durch ihn, es sei, was auf Erden oder was im Himmel ist” (Kol. 1,20).
    Ein Artikel, der den Glaubensabfall der Kirchen in Europa dokumentiert. Sehr nachdenklich und traurig.
    Lieber Gruß Martin Dobat

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    1. Sehr deprimierend, tatsächlich: “Religiöse Menschen die an unterschiedliche Götter glauben, wollen Frieden erwirken im kriegsgeschüttelnden Europa.”
      Einfach so Frieden erwirken. Tsstsstss!

      Martin, wenn Sie vor lauter Depressionen und Ernüchterung den Artikel zu Ende gelesen hätten, hätten Sie gelesen, dass sich die Organisatoren ausdrücklich nicht zur Interreligosität bekennen. Sondern, dass sich Menschen verschiedenen Glaubens über das hinwegsetzen, was sie theologisch trennt und sich “für das Wohl der Gesellschaft” einsetzen.

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    1. Lieber Eden ist OK 😉
      Welche Lüge? Ist es Ihre Meinung, dass wir mit Nicht- oder Andersgläubigen keinen Umgang und schon gar keine Zusammenarbeit pflegen?
      Noch ein Zitat aus dem Artikel: “Wo immer weltpolitisch Unfrieden herrscht, versucht RfP die religiösen Akteure an einen Tisch zu bringen. In dem Wissen, dass sie einerseits oft ein Interesse an Vergebung und Versöhnung haben, andererseits aber auch häufig große Gräben überwinden müssen.”
      Hier steht nichts von gemeinsamen Gebet oder gegenseitiger Anerkennung des Glaubens. Ich denke, dass dort der Glaube des anderen respektiert wird. Es geht nicht um Synkretismus.
      Was hat das also mit der Wahrheit zu tun, an die wir als Christen nun mal glauben, bzw. wo wird diese Wahrheit in Frage gestellt? Wo genau ist die Lüge?

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      1. Lieber Eden, das hier zu diskutieren führt denke ich zuweit. Vergebung kann doch nur durch das Blut Jesus übernatürlich wirken. Wirklicher Frieden ist nur durch das Liebesangebot Gottes möglich, nicht durch “Religionen für Frieden” – das ist Humanismus.
        Wer den Herrn Jesus liebhat, sein Wort liebt und hält, seine Gebote und Weisungen, der weiß, das zum Beispiel ein interreligiöser Kiga, Gott nicht gefallen kann – es ist IHM ein Gräuel.
        Religionen können sich vermischen, der Glaube an den lebendigen Gott und die biblische Wahrheit dürfen wir nicht vermischen.
        Lieber Gruß zu Ihnen

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  2. Ich stimme Ihnen da teilweise durchaus zu. Aber wir reden hier über zweierlei. Sie sprechen vom himmlischen Shalom, RfP (und ich) vom rein irdischen Frieden, im Sinne von konfliktfreiem Zusammenleben der Menschen. Sich für diesen Frieden einzusetzen ist m.E. ein Auftrag von Jesus. Schon allein bedingt durch sein Gebot der Nächstenliebe. Und das hat, wenn ich dafür mit Menschen ohne oder anderem Glauben zusammenarbeite, nichts an sich, das etwas mit “Glauben vermischen” zu tun hat. Selbst wenn alle Religionen zu dem Schluss kämen, dass der irdische Frieden ein hohes und erstrebenswertes Ziel ist, dann hätten sie damit nur eine Gemeinsamkeit. Aber keinen gemeinsamen Glauben.
    Einen lieben Gruß zurück!

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  3. Hmmmm. Lieber Martin Dobat, darf ich dann mit Fug und Recht davon ausgehen, dass Sie der muslimischen Frau, der ihre Einkaufstasche heruntergefallen ist, NICHT beim Aufsammeln ihrer Äpfel helfen würden, und zwar “um Gott zu gefallen”? Oder, besseres Beispiel: der Mann, der im Rollstuhl an besagtem S-Bahn-Haltepunkt steht, dem sie gerne dabei helfen würden, seinen Zug noch zu erreichen . . . nun ist aber, offen an seiner Kleidung erkennbar, der einzige, der mithelfen könnte, dieses Ziel zu erreichen, ein Hare Krishna-Anhänger – lassen wir das gute Werk dann sausen, um nicht durch “Religionsvernichtung” unseren Glauben zu kompromittieren? ICH für meinen Teil muss da stark an die Story mit dem Samariter denken. Da gab es auch die, die seeeerrhr um die “Reinheit ihres Glaubens” besorgt waren. Jedenfalls mehr, als um das Wohlergehen dessen, der beraubt und schwer verletzt worden war. Interessant, dass Jesus da nicht sagte “Handelt ebenso – aber NUR dann, wenn ihr damit NICHT in die Gefahr kommt, mit Ungläubigen zusammenwirken zu müssen!”
    Nein, ich denke, es gibt hier ein klares Kontext-Problem. Sie nehmen, warum auch immer, wahr, der Kontext sei “Synkretismus”, ich nehme wahr (weil es in dem Artikel klar so benannt wird!), dass der Kontext “Nothilfe”, “Krisenmanagement”, “Gutes Tun”, “diakoneia” ist. Und, wer weiß, vielleicht kann ja gerade dieses gemeinsame Wirken für eine Gott gefälliges Ziel Türen öffnen für das Mit-Teilen des eigenen Glaubens? DAS wird allerdings nur die oder der erfahren, dem die AusÜBUNG des Glaubens mindestens genauso wichtig ist wie dessen”Reinheit”! 😉

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  4. “Religionsvernichtung” sollte natürlich “ReligionsverMISCHung” heißen – dankeschön, liebe Autokorrektur! – und seeeerrhr stattdessen seeeeeehr – dankeschön, liebe Grobmotorik! – . . .

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