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Miss-Germany-Teilnehmerin: „Wir müssen als Christen sichtbar werden in der Welt“

Die Influencerin und Christin Merle Schoon ist unter den Top 80 bei der Miss Germany-Wahl. Im PRO-Interview erklärt sie, warum sie jede Chance nutzen will, um die christliche Botschaft in die Welt zu tragen und welche Rolle ihr Obdachlosenhilfe-Verein EYE:LVL bei ihrer Teilnahme spielt.
Von Swanhild Brenneke

Foto: privat

Merle Schoon ist als Christin und Influencerin bei Miss Germany dabei

PRO: Wie kam es, dass Sie bei Miss Germany mitgemacht haben?

Merle Schoon: Ich habe das Konzept die letzten Jahre verfolgt, weil ich es spannend finde, wie sich TV-Formate gesellschaftlich verändern. Die Sendungen werden diverser und es geht nicht mehr nur um Optik und Aussehen. Die Bewerberinnen müssen für etwas stehen. Ich würde mich (immer) als jemanden bezeichnen, der zu 100 Prozent weiß, wofür er steht. Ich habe mich gefragt, wie verrückt es wäre, wenn ich als Christin, Pastorin und Theologiestudentin da mitmache? Schon letztes Jahr waren es 15.000 Bewerber. Aber selbst wenn nur die Veranstalter meine Botschaft lesen, hätte ich es cool gefunden. Ich habe mich beworben und relativ schnell die Nachricht bekommen, dass ich zu den 160 ausgewählten Bewerberinnen gehöre. Ich musste bei der Bewerbung ein Formular ausfüllen, in dem ich mich und mein Herzensprojekt vorstelle. Dies muss aus den Bereichen Selflove, Equality, Diversity und Ähnlichem sein.

Der Wettbewerb will ja seit einigen Jahren kein klassischer Schönheitswettbewerb mehr sein. Worum geht es den Veranstaltern neuerdings?

Es steht jetzt alles unter dem Motto „Schärpe trägt, wer bewegt“. Die neue Miss Germany soll jemand sein, der etwas in der Welt bewegt. Sie bekommt keinen Modelvertrag mehr oder wird auf Covern von Modemagazinen abgebildet. Stattdessen bekommt sie 25.000 Euro für ein Projekt ihrer Wahl und wird auf dem Titel des Wirtschaftsmagazins Forbes erscheinen. Es geht also gar nicht so sehr um mich als Person, sondern um meine Botschaft. Wer eine Runde weiterkommt, muss diese immer detaillierter vor Publikum vertreten und kommunizieren. Oft sind solche Wettbewerbe, die als Persönlichkeitswettbewerbe verkauft werden, mehr Schein als Sein. Diesen Eindruck habe ich bei den Teilnehmerinnen hier nicht. Es sind Frauen, mit denen ich mich identifizieren kann und die mitten im Leben stehen. Ich glaube, dass das neue Konzept echt ist und dass es wirklich um die Persönlichkeit geht und nicht nur um Selbst-Vermarktung. Das war mir ganz wichtig.

Du hast dich mit deinem Verein EYE:LVL beworben.

Ja, genau. Meine Botschaft ist, dass Frauen auf der Straße sichtbarer werden müssen. Dazu möchte ich einen Beitrag leisten. Wir wollen auch Hygiene-Produkte verteilen und Friseurbesuche ermöglichen. Während ich das derzeit genauer ausarbeite, merke ich, dass Miss Germany für mich eine ganz neue Plattform ist. Ich vermarkte das nicht in der christlichen, heiligen Welt oder mit christlichen Begriffen. Stattdessen muss ich mündig werden, diese Aufgabe vor weltlichem Publikum attraktiv zu machen. Ich muss meine Leidenschaft rüberbringen, ohne dass ich die Wörter aus dem christlichen Jargon benutze.

„Ich habe früher immer gedacht, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss. Das stimmt nicht.“

Was macht Ihr Verein EYE:LVL?

Wir sind ein gemeinnütziger Verein aus Hannover. Unsere Gelder fließen immer direkt in unsere Projekte. Wir haben EYE:LVL vor zwei Jahren gegründet. Tief im Herzen verstehen wir uns als Gemeinde. Wir machen genau das, was Kirche macht – nur nicht an einem festen Ort, sondern auf der Straße mit den Obdachlosen. Sonntags treffen wir diese Menschen auf der Straße. Wir musizieren zusammen, reden und essen. Ich predige nicht, sondern wir reden über Gott und die Welt. Es sind tatsächlich viele Christen, die auf der Straße leben und immer eine Bibel dabeihaben. Das fasziniert mich. Wir schauen mit Gemeinden und Organisationen, wie sie den diakonischen Weg praktischer gestalten können und Kirche auch diese Menschen mit dem Evangelium erreichen kann.

Aber wir leisten auch klassische Aufklärungsarbeit. Ich habe früher immer gedacht, dass in Deutschland niemand auf der Straße leben muss. Das stimmt nicht. Mein Verlobter und ich möchten aktiv sein und diesen Menschen helfen. Den Verein haben wir gegründet, weil uns viele Menschen unterstützen wollten. Mittlerweile gehen mehrere Gruppen zu den Obdachlosen. Sie begegnen diesen auf Augenhöhe und bauen Berührungsängste ab. Als Verein dürfen wir Spenden für die Obdachlosen sammeln, mit denen wir ihnen Essen, Friseurbesuche oder neue Schuhe ermöglichen.

„Wir brauchen mutige Christen. Wir haben ja eine Botschaft, für die wir stehen und von der jeder erfahren darf.“

Was möchten Sie durch Ihre Teilnahme bei Miss Germany rüberbringen?

Je weiter ich komme, desto sichtbarer wird die christliche Botschaft. Das ist es wert. Ich werde immer wieder gefragt, warum ich als Christin an einem solchen Wettbewerb teilnehme. Ich glaube, dass wir im Jahr 2022 als Christen rausgehen müssen in diese Welt und sichtbar werden, statt in unseren eigenen Kreisen zu bleiben. Ich nutze jede sich bietende Chance, auf weltlichen Bühnen zu stehen. Ganz grob gesagt: Wenn ich jeden Sonntag in einer Gemeinde auf der Bühne stehe, rettet das nicht die Menschen, die es retten soll. Außerhalb unserer Gemeinden gibt es so viele Menschen, die unsere Botschaft hören müssen. Auch unser Verein steht für die Begegnung auf Augenhöhe und für die Botschaft: „Gott sieht dich auf Augenhöhe. Du bist geliebt und angenommen und hast einen Wert.“ Wir brauchen hier mutige Christen. Wir haben ja eine Botschaft, für die wir stehen und von der jeder erfahren darf. Statt immer auf die Menschen zu warten, sollten wir zu ihnen rausgehen.

Haben Sie die anderen Kandidatinnen von Miss Germany schon kennengelernt?

Wir haben uns schon digital vernetzt, zum Beispiel über Instagram. Es gibt eine eigene App, über die wir untereinander kommunizieren können. Es ist wirklich toll, wie wir uns da gegenseitig ermutigen. Ich freue mich immer, wenn ich sehe, wie andere in ihren Projekten aufgehen. Die Projekte sind ganz unterschiedlich. Es geht von Frauen in der Gaming-Szene, die mehr Sichtbarkeit für ihresgleichen erreichen möchten, über Ärztinnen, Frauen aus der Politik, Ehrenamtliche. Wir tauschen uns auch nicht über Modetrends, Äußerlichkeiten oder unsere Kleidung aus, sondern darüber, wofür wir stehen. Das finde ich super krass. Ganz viele Frauen haben diese Botschaft: In dieser Welt geht es nicht um Trends. Du bist genug, ohne dass du ein spezielles Aussehen oder eine bestimmte Kleidergröße hast.

Kommen Sie mit ihnen über Ihren Glauben ins Gespräch?

Noch nicht, aber es steht ja überall in meinem Profil. Als nächstes kommen Kurzvideos online, in denen das auch vorkommt. Ich habe mich damit beworben, das ist auch mein Markenzeichen. Es sind tatsächlich auch ein paar andere Christinnen dabei. Sie haben mich angeschrieben, weil sie es cool finden, dass ich als Pastorin dabei bin. Sie fragen mich, was ich da so mache. Schon allein deswegen hat sich die Teilnahme gelohnt.

Wie geht es jetzt für dich weiter?

In drei Wochen geht es um den Einzug in die Top 40. Da lernen wir uns alle für vier Tage in Hamburg im „real life“ kennen. Jeder stellt den Juroren sich und sein Projekt vor und präsentiert seine Botschaft. Daraus wird auch ein Video für die digitalen Medien produziert. Die Jury entscheidet dann, wer sich für die nächste Runde qualifiziert. Es geht auch darum, wie wir uns in den vergangenen Monaten entwickelt haben. Die 20 besten Teilnehmerinnen überlegen sich in einem Camp, was sie konkret mit den 25.000 Euro machen wollen. Sie suchen Kooperationspartner und Vereine, die ihnen eine Bühne geben und sie unterstützen. Das sind ganz viele Möglichkeiten für meine Botschaft. Die Top 10 werden dann im Europa-Park um den Titel „Miss Germany“ kämpfen. Das ist dann eine klassische Sendung, in der man die Miss Germany wählt und zwei Vize-Miss-Germanys.

Vielen Dank für das Gespräch!

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2 Antworten

  1. Sehr coole Aktion von dir, Merle Schoon! Ich wünsche dir auf jeden Fall alles Gute auf dem weiteren Weg zur Miss Germany, das wäre ja soooo gut, wenn dadurch das Thema obdachlose Frauen mehr Raum bekommt! Aber so oder so wird Gott deine Bewerbung sicher auch nutzen, dass Leute von ihm hören und mitbekommen, wie Kirche auch aussieht. Gottes Segen dir!

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  2. Bin von Merle Schoon im Blick auf das, was ich in diesem Bericht, zu ihrem biographischen Weg und dem Beitrag bei ERF Jess Talkwerk gelesen und gehört habe beeindruckt und schließe sie in meine Gebete ein : )

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