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Neuer Professor Hirschhausen: Warum Worte Medizin sind

Der Arzt Eckart von Hirschhausen wird Honorarprofessor am Fachbereich Medizin der Universität Marburg. In seiner Antrittsvorlesung machte er deutlich, wie wertvoll die richtigen Worte im Umgang der Menschen untereinander sind.
Von Johannes Blöcher-Weil
Der Arzt Eckart von Hirschhausen

Foto: Universität Marburg/Screenshot pro

Der Arzt Eckart von Hirschhausen bei seiner Antrittsvorlesung in Marburg

Der Moderator und Arzt Eckart von Hirschhausen wird künftig als Honorarprofessor an der Ausbildung von Medizin-Studenten an der Philipps-Universität Marburg mitwirken. In seiner Antrittsvorlesung machte er deutlich, warum Worte Medizin sind und wie zwischenmenschliche Kommunikation im Zeitalter der Digitalisierung gelingen kann.

Hirschhausen verdeutlichte, wie sehr ihn einige seiner Professoren durch ihre Haltung geprägt hätten. Noch immer wisse er nicht, warum sich die Menschheit ihre eigene Lebensgrundlage zerstöre. Von den Studenten der heutigen Generation wünschte er sich, dass sie sich ihren Blick für das Absurde erhalten: „Daraus entstehen manchmal Nobelpreise.“

Oft würden Ärzte in der täglichen Arbeit auch vergessen, dass sie dem Patienten nutzen und nicht schaden sollten. Mittlerweile habe sich daraus eine „absurde Über-Medizin“ entwickelt. Auf der anderen Seite gebe es eine Mangel- und Fehlversorgung. Im Mittelalter sei der Gedanke von Nachhaltigkeit und Bescheidenheit Common Sense gewesen. Von Hirschhausen wünschte sich, dass dieses Denken in den Gesundheitsberufen wieder Einzug halte und so die Gesellschaft verändere.

Einzelne Fragen und Worte entscheiden über das Leben

Einzelne Worte könnten Enormes bewirken. Ärzte würden in ihrem Berufsleben 200.000 Gespräche mit Patienten führen. Die Digitalisierung der Medizin führe aber dazu, dass der erste Blick auf den Bildschirm ist und nicht in die Augen des Patienten falle. Von Hirschhausen riet dazu, den Mund erst aufzumachen, wenn man über die Augenfarbe des Gegenübers Bescheid wisse.

Ein Medizinstudent habe jeden Abend am Bett eines schwer verunglückten Bekannten von ihm gesessen und mit dieser Zuneigung dessen Lebenswillen erhalten. Ein Freund von ihm sei an Darmkrebs gestorben, weil er ihn mit der Darmspiegelung um 20 Jahre vertröstet habe, anstatt ihn nach seinen Beschwerden zu befragen. Die Flutkatastrophe habe gezeigt, dass es in Krisen in einem hoch entwickelten Land wie Deutschland an den banalsten Dingen wie Masken und Sirenen fehle.

Ein wichtiger Faktor in der Behandlung sei auch der Humor: „Die Pflegekräfte sind die Stimmungskanonen in der Pflege.“ Ein konstruktives Miteinander mit dem Pflegepersonal sei deswegen eines der Zehn Gebote der Pflege. Zugleich müsse angehenden Medizinern auch klar sein, dass der Tod Bestandteil ihrer Arbeit sei: „Wir müssen akzeptieren, dass Zeit und Ressourcen endlich sind, wenn wir dem Patienten begegnen.“ Erstaunlicherweise wünschten sich die Menschen, am Ende ihres Lebens ihren Humor nicht zu verlieren.

Der Mediziner warf aber auch seinem Berufsstand Versäumnisse vor, was die Corona-Pandemie betraf: „Wir haben nicht vermittelt, dass jede Impfung nur dann zugelassen wird, wenn sie besser ist als die Erkrankung ohne Impfung.“ Von Hirschhausen fügte flapsig hinzu: „Wer glaubt, Impfstoffe könnten sein Erbgut verändern, sollte das als Chance betrachten.“

Brücke von der Wissenschaft in die Gesellschaft bauen

Die Pandemie verdeutliche, dass Menschen nicht nur Opfer seien, sondern auch zum Problem beigetragen hätten. Eine gewisse Demut der Natur gegenüber sei wichtig. Die jetzige Generation sei die erste, die es schlechter habe als ihre Vorgänger. Trotzdem gebe es immer noch die Hoffnung, dass Menschen etwas ändern könnten. Er schloss die Vorlesung mit seinem Appell für eine herzliche und humane Humanmedizin. Schnelle Urteile über Menschen seien falsch. Aber Schritte hin zu den menschlichen Stärken könnten diese Welt ein kleines bisschen besser machen.

Hirschhausen hatte in der Vergangenheit bereits Vorträge in Marburg gehalten und die medizinische Lehre mit gestaltet. Der 54-Jährige ist als Bühnenkünstler bekannt. Seine Stiftung „Humor Hilft Heilen“ setzt sich für mehr Menschlichkeit in der Medizin ein. Hirschhausen ist Mitgründer von „Scientists for Future“ und engagiert sich seit 2020 mit der Stiftung „Gesunde Erde – gesunde Menschen“ für Klimaschutz und Gesundheit.

Die Dekanin des Fachbereichs Medizin der Philipps-Universität, Denise Hilfiker-Kleiner, betonte in ihrer Begrüßung, dass Hirschhausen die Wissenschaftslandschaft extrem bereichere. Der Arzt, Journalist und Moderator könne es schaffen, eine Brücke von der Wissenschaft in die Bevölkerung zu schlagen. Dies könne wissenschaftliche Ergebnisse verständlich machen.

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Eine Antwort

  1. “Warum Worte Medizin sind”, dazu die Aussage in Sprüche 12,18:
    Die Zunge der Weisen bringt Heilung.

    In jeder Arztpraxis sollte solch Plakat hängen “Jesus Christus spricht: Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr für mich getan. Matthäus 25,40
    Behandelt die Menschen so, wie ihr selbst von Ihnen behandelt werden wollt… Matthäus 7,12”

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