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Meinung

Impfpflicht als letztes Mittel – aber wohl dosiert

Das Ziel einer Corona-Impfpflicht ist, dass Menschen nicht sterben müssen, die dafür nichts können. Deswegen brauchen wir keine allgemeine Impfpflicht, sondern eine begrenzte.
Von Nicolai Franz
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Impfung

Foto: whitesession, Pixabay

In Deutschland sind mehr als 70 Prozent der Bevölkerung geimpft. Doch unter Älteren gibt es noch zu große Impflücken.

Das Wort „Stille Triage“ macht die Runde. Es bedeutet, dass lebenswichtige Operationen und Diagnosen ausfallen, weil die Krankenhäuser sich zuerst um „Akutfälle“ kümmern müssen. Das geschieht wegen der vielen Coronapatienten jeden Tag, wie der Onkologe Michael Baumann im Spiegel-Interview sagt. Er geht davon aus, dass wir die Folgen „ab Ende 2022 oder Anfang 2023 in den Todesstatistiken“ sehen werden.

Corona-Impfungen sind risikoarm und schützen auch bei der Omikron-Variante sehr gut vor schweren Verläufen und Tod, wie wissenschaftliche Daten eindeutig zeigen. Wenn sich mehr Menschen impfen lassen würden, müssten die Krankenhäuser weniger Corona-Patienten aufnehmen.

Brauchen wir deswegen eine allgemeine Impfpflicht? Nein, keine allgemeine. Aber eine begrenzte. Warum?

Impfpflichten müssen sehr gut begründet sein. Sie sind ethisch durchaus vertretbar, wie der Theologe Ulrich Körtner im PRO-Interview sehr gut erklärt – wenn der Schutz der Gesamtbevölkerung das Recht auf körperliche Unversehrtheit überwiegt. Die körperliche Unversehrtheit ist ein hohes Schutzgut. In aller Regel müssen Menschen selber entscheiden können, ob sie sich impfen lassen oder nicht. Sie dürfen auch selbst entscheiden, ob sie sich einer potenziell tödlichen Gefahr aussetzen, solange nur sie selbst davon betroffen sind.

Krankenhausrisiko ist für Ältere höhere als für Junge

Bei einer Impfpflicht geht es aber nicht darum, ungeimpfte Menschen zu einer Immunisierung gegen SARS-Cov2 zu zwingen. Sondern darum, durch eine vergleichsweise risikoarme Impfung zu verhindern, dass andere Menschen sterben müssen, weil sie wegen Überlastung des Gesundheitssystems nicht rechtzeitig behandelt werden.

Das heißt aber nicht, dass Corona-Impfungen für alle Erwachsenen Pflicht sein müssen. Denn bekanntlich haben nicht alle Menschen dasselbe Corona-Risiko. Neben Vorerkrankungen spielt vor allem das Alter eine entscheidende Rolle. Die Wahrscheinlichkeit, ins Krankenhaus zu müssen, ist für alte Ungeimpfte viel höher als für junge.

Virologen von Christian Drosten bis Hendrik Streeck betonen daher, dass vor allem die Impflücken in der älteren Bevölkerung, also ab 50 oder 60, in Deutschland für die Belastung der Krankenhäuser verantwortlich sind. Das wird aller Voraussicht nach auch für die Omikron-Variante gelten. Sie sorgt zwar für mildere Verläufe, verbreitet sich aber viel schneller als die Delta-Variante. Das bedeutet, dass die Krankenhäuser auch in der Omikronwelle überlastet werden könnten, wenn es zu viele Infektionen auf einmal gibt.

Das italienische Kabinett hat am Donnerstag eine sinnvolle Konsequenz gezogen – und eine Impfpflicht für alle ab 50 Jahren beschlossen.

Ähnlich argumentierte im Dezember auch eine Minderheit des Ethikrats (der Rest will eine Impfpflicht ab 18). Diese Minderheit will eine Impfpflicht für bestimmte Alters- und Risikogruppen, weil es ein „ethisches Grundgebot“ sei, „das jeweils mildere effektive Mittel einzusetzen“, wenn man ein Ziel erreichen will.

Das Ziel einer Corona-Impfpflicht ist, dass Menschen nicht sterben müssen, die nichts dafür können. Dazu ist es aber nicht nötig, alle Erwachsenen zu impfen, sondern nur die, die mit deutlich größerer Wahrscheinlichkeit das Gesundheitssystem besonders belasten. Zum Beispiel durch die Versorgung auf der Intensivstation.

Es geht auch um die Kinder

Eine Impfpflicht für ältere Menschen würde dieses Ziel, eine stille oder auch eine harte Triage zu verhindern, wahrscheinlich erreichen. Außerdem darf man nicht die Kollateralschäden vergessen, die die Pandemiemaßnahmen mit sich bringen. Gerade die Kinder haben über zwei Jahre extreme Einschränkungen über sich ergehen lassen müssen, obwohl sie durch Corona am wenigsten gefährdet sind. Die Gesellschaft sollte alles tun, damit diese Einschränkungen endlich aufhören.

Sie fragt keiner, ob sie eine Distanzunterrichtspflicht, eine Maskenpflicht oder eine Freunde-nicht-besuchen-Pflicht wollen.

Der Kolumnist Heribert Prantl forderte jüngst in der Süddeutschen Zeitung, ein solches Gesetz mit einem „Junktim“, also „mit der begründeten Aussicht auf das Ende dieser Freiheitsbeschränkungen“ zu verbinden. Denn darum muss es am Ende unbedingt gehen.

Dabei ist eine Impfpflicht nicht zu verwechseln mit einem Impfzwang, bei dem Menschen gegen ihren Willen körperlich dazu gezwungen werden. Demokratien können eine Impfpflicht mit sehr viel milderen Maßnahmen organisieren. Faktisch gilt sie ja durch die 2G-Regeln in einigen Bereichen des öffentlichen Lebens bereits. Wenn neue, auch für junge Menschen viel gefährlichere Varianten auftauchen, müsste auch eine Impfpflicht ausgeweitet werden. So ist es aber nicht.

Bis es so weit ist, sollte der Gesetzgeber daher das Instrument einer Impfpflicht, wenn sie denn kommt, möglichst dosiert einsetzen – und sich für eine eingeschränkte Impfpflicht für besonders gefährdete Altersstufen entscheiden.

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11 Antworten

  1. ,, Dass Menschen nicht sterben müssen, die dafür nichts können ,, Was sollen diese moralischen Vorwürfe ? Weil sich jemand nicht impfen lassen will, ist er schuld am Tod Anderer ? Geht´s ´ eigentlich noch, diese immer gleiche fromme Aussage, ist eine unglaubliche Anmaßung die richtige ,, christliche ,, Erkenntnis zu haben ! Schuldzuweisungen ist die,, neue,, biblische Theologie. Sei Adam und Eva hat sich nichts geändert . Oh, ihr Klugen Humanisten die ihr alles beurteilen könnt.

  2. Ich habe mir vor vielen Jahren die pro als Startseite gewählt. Jedoch seit “C” und “Pa…” haben viele Christen vergessen wer ihr HERR ist und laufen in die falsche Richtung. Sollte pro da nicht endlich die Kurve kriegen, wars das. Auch meine Spenden werden ich dann einstellen.

    1. Ich kann Sie gut verstehen. Aber solange unsere Kommentare noch veröffentlich werden besteht ja noch Meinungsvielfallt . Bleiben Sie bitte dabei und erheben sie Ihre Stimme . Eingedenk Jesaja 56. 10 Die Wächter meines Volkes sind blind, allesamt ohne Einsicht , alle sind sie stumme Hunde, die nicht bellen können ; folgende…

  3. Hallo,
    ich habe aber auch schon vermehrt von Top-Virologen gehört, dass das mehrfache Impfen die Immunabwehr schwächt. Der Kinderarzt hat in Bezug auf meinen Kindern immer darauf hingewiesen, dass sich die Kinder mit Viren auseinandersetzen müssen, sonst würden sie keine Immunabwehr entwickeln. Außerdem wurden für die Herstellung abgeriebene Embryos (Zelllinie) verwendet. Wie sehen Sie das, insbesondere in Bezug auf die Bibel, wo Abtreibung eine der größten Sünden ist.
    Viele Grüße
    L. Schmid

  4. Ich kann Sie gut verstehen. Aber solange unsere Kommentare noch veröffentlich werden besteht ja noch Meinungsvielfallt . Bleiben Sie bitte dabei und erheben sie Ihre Stimme . Eingedenk Jesaja 56. 10 Die Wächter meines Volkes sind blind, allesamt ohne Einsicht , alle sind sie stumme Hunde, die nicht bellen können ; folgende…

  5. Eines aber tut Not in dieser Krise.
    Man muss es immer wieder wiederholen:

    “Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.”

    “Seid eines Sinnes untereinander. Trachtet nicht nach hohen Dingen, sondern haltet euch zu den niedrigen. Haltet euch nicht selbst für klug.”

    “Seid niemandem etwas schuldig, außer dass ihr euch untereinander liebt; denn wer den andern liebt, der hat das Gesetz erfüllt.”

    “Darum lasst uns dem nachstreben, was zum Frieden dient und zur Erbauung untereinander.”

  6. Welch eine verquere Logik: weil der 65-jährige eben 65 ist, wird er “aus Liebe zu den Kleinen” in die Nadel getrieben, wogegen der 49-jährige das dann grade noch “aus freien Stücken” gerne macht? Und @m.h.m. wallenoeffer: Ihr Wunsch nach Meinungsfreiheit hier in des Zensors Ohr…

      1. Natürlich bin ich Querdenker, frame , was das Zeug hält, und treibe mich weitgehend auf konspirativen Telegram-Kanälen rum. Was dachten Sie denn? Tut auch gar nicht weh.

  7. Mir gefällt am Kommentar von Nicolai Franz, dass er das Erkrankungsrisiko in einen Zusammenhang bringt. Ich fragte mich auch immer, warum die Regierung(en der Welt) alle Menschen zwanghaft spritzen wollen, wenn doch nur einige Gesellschaftsgruppen gefährdet sind. Es ist viel verhältnismäßiger, ihnen eine Impfung ANZUBIETEN als allen die Impfung AUFZUNÖTIGEN. Vor allem, wenn so viele (inklusive mir) größte Zweifel am Impfstoff haben. Ob der nun so wirksam und sicher ist, sei dahingestellt. Ich halte es nicht damit getan, ein, zwei oder drei Studien anzuführen, wenn andere ein, zwei, drei andere Studien was anderes sagen. Und die immer als “Fake News” oder “Verschwörung” oder “Schwurbler” abzukanzeln macht nur noch misstrauischer. Soweit ich weiß, sind sowieso die meisten Älteren und wohl auch Vorerkrankten geimpft, womit nach meinem Urteil die Impfkampagne eigentlich beendet ist (bzw. weitere Nachimpfungen nötig sein könnten). Eine Impfpflicht halte ich aber auch für die Älteren für falsch, weil auch sie selbst entscheiden sollen, ob sie sich dem Risiko aussetzen wollen oder nicht. Es ist nicht die Aufgabe des Staates, die Bürge “zwangszuschützen”. Verhältnismäßiger und auch langfristig sinnvoller ist, das Gesundheitssystem aufzupeppeln statt alle drei Monate MILLIARDEN Steuergelder für Impfungen an die Pharmafirmen zu zahlen. Impfungen, deren Schutz schnell nachlässt, wie jetzt bekannt ist. Und wie wirkt es auf den Körper, wenn er zwei oder drei mal im Jahr mit genetischen Impfstoffen ausgesetzt wird? Ist das dann noch sicher? Das ist für mich alles völlig offen. Die Impfpflicht bedeutet ja auch offenbar, dass sich alle Bürger mit Bußgeldandrohung (oder gar Beugehaft!) mehrmals im Jahr Gentech spritzen lassen sollen. Mal ehrlich, wer will das? Das der Staat so etwas anordnet, wäre vor zwei Jahren noch unvorstellbar gewesen. Ich weiß, dann sagen alle immer “Pandemie”, aber wie Herr Franz auch sagt, ist es nicht eine “Pandemie der Ungeimpften” sondern eher eine “Pandemie der ungeimpften Alten und Schwächeren”. So wie ich es sehe, ist die Pandemie quasi zu Ende, wenn sie geschützt sind. Warum die Politik das jetzt immer weiter treibt und sogar auf unsere Kinder ausdehnen will, ist mir unbegreiflich. Auch ist mir unbegreiflich, warum diese Themen so oft öffentlich angegriffen werden und man sich kaum traut, das zu sagen (soziale Ächtung, nicht ganz, aber ähnlich so als ruft man mitten in Kabul laut “JESUS IST GOTT!”)

  8. @Christian et al.
    Es ist wirklich anstrengend, immer und immer wieder demselben Unfug widersprechen zu müssen, auch wenn er sich ein pseudo-konzialantes Mäntelchen umlegt!
    (1) Es sind nicht zwei, drei Studien hier und zwei, drei da… das ist die Servus-TV-Strategie, die so tut, als gäbe es einen wissenschaftlichen Dissens größter Reichweite. Es gibt selbstverständlich kontroverse wissenschaftliche Positionen – sonst wäre es keine Wissenschaft -, aber der Sinn und die Notwendigkeit von Impfungen ist weitestgehend anerkannt. Und die Gallionsfiguren Prof. Bhakdi, Dr. Wordarg, Dr. Schiffmann und ähnliche Kaliber vertreten wissenschaftlich nicht haltbare Positionen!
    (2) Kein seriöser Virologe geht davon aus, dass sich ganze Bevölkerungen auf Dauer mehrmals jährlich impfen lassen müssen. Wenn eine Grundimmunität besteht und das Virus in die endemische Phase gegangen ist, werden schwere Krankheitsverläufe sehr selten und nur noch vulnerable Gruppen sollten sich impfen lassen, wie bereits heute bei der Grippeimpfung.
    (3) Das “Geschwurbel” – und das ist es – vom “Gentechnik-spritzen-Lassen” zeugt von einer völligen Unkenntnis der Materie. Hier wurde vermutlich schlecht aufgeklärt oder man(n) will es nicht wissen. (Vgl. Prof. Scherer hier im Format: https://www.pro-medienmagazin.de/ich-bin-versucht-zu-sagen-mrna-impfstoffe-sind-ein-geschenk-gottes/
    (4) Solange die endemische Phase nicht erreicht ist, dient eine möglichst weitreichende Impfbreite einem Schutz der vulnerablen Gruppen, auch derer, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können. Es ist notwendig das Infektionsgeschehen möglichst lange möglichst niedrig zu halten, so dass eine Infektion oder Neuinfektion dieser Betroffenen sehr unwahrscheinlich wird. Und dafür zu sorgen, ist die Aufgabe des Staates.
    Warum kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, hier geht es immer und immer wieder um Egoismus und Ignoranz gerechtfertigt im Namen des Herrn.

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