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ICF und EKD im Gespräch: „Lebendige Kirche hat immer Zukunft“

EKD-Präses Anna-Nicole Heinrich und ICF-Pastor Tobias Teichen diskutierten über die Zukunft von Kirche. Sie waren sich einig: Es braucht lebendigen Glauben.
Von Swanhild Brenneke

Foto: Claudia Börner/Willow Creek; Peter Bongard

Tobias Teichen und Anna-Nicole Heinrich waren beim digitalen ERF-Themenabend zu Gast (Archivbild)

Kirche – egal ob Freikirche oder Landeskirche – muss für gelebtes Christsein stehen. Darüber waren sich die Synoden-Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anna-Nicole Heinrich, und der Leiter der Freikirche ICF München, Tobias Teichen, bei einem digitalen Gesprächsabend des christlichen Senders ERF zum Thema Kirche und Zukunft einig. „Wenn wir zeigen, was wir lieben, können das auch andere lieben“, sagte Heinrich. Teichen sagte: „Wenn ich von einem lebendigen Glauben begeistert bin, habe ich auch den Wunsch, das mit anderen zu teilen.“

Mission zeige sich für sie ganz praktisch in ihrem christlichen Lebensstil, sagte Heinrich weiter. „Ich glaube und bezeuge das und hoffe, dass ich andere mitreiße.“ Wichtig sei, dass immer Raum für Geistliches bliebe. „Kirchenstrukturen schränken das Denken manchmal ein“, berichtete Heinrich von ihren Erfahrungen. Sie erlebe jedoch, dass in der EKD-Synode immer mehr junge Menschen vertreten seien, die forderten, dass mehr Raum für Spiritualität geschaffen werde.

Teichen sagte kritisierte, dass Christen sich oft als „Moralapostel“ verstünden und mit erhobenem Zeigefinger Mitmenschen ermahnten. Die Bibel spreche jedoch davon, dass christliche Werte zu leben, der Kernauftrag sei. Christen müssten vielmehr dafür wahrgenommen werden, wofür der christliche Glaube stehe und nicht wogegen.

Kirche muss auf Veränderungen reagieren

Heinrich sagte, die EKD könne von Freikirchen lernen „nicht so viel Gießkanne und mehr Durchlauferhitzer“ zu sein. Freikirchen konzentrierten sich stärker auf ihre Kern-Kompetenzen. In der EKD setze man oft auf „Quantität statt Qualität“ und versuche, in der Breite viel zu ermöglichen. Sie wünsche sich manchmal mehr Risikobereitschaft, dass „die ewigen Reflektionsschleifen“ abgestellt würden und man „viel schneller zum Tun“ komme. Teichen sagte, Freikirchen könnten zum Beispiel viel aus den Liturgien der Landeskirchen lernen. Darin stecke viel Tiefe, es sei „Essenz in kurzen Sätzen“. Er wünsche sich außerdem, dass viel mehr Christen in der Bibel läsen, anstatt über die Bibel zu reden. Gerade junge Menschen fänden oft keinen Zugang zur Bibel. Man müsse „wieder mehr in Luthers Spuren zu laufen“ und das Wort Gottes häufiger selbst entdecken.

Die Gesellschaft stecke insgesamt in einem Transformationsprozess und dem dürfe sich Kirche nicht entziehen, sagte Heinrich. Das Verhältnis zu Institutionen, die Art der Kommunikation ändere sich. Auf veränderte Lebensrealitäten müsse Kirche reagieren. Teichen betonte ebenfalls einen „mündigen Glauben“. Die Angebote, sich zu informieren und Dinge zu hinterfragen, seien heute breiter als je zuvor. Nicht mehr der Pfarrer in der Kirche gebe die Denkmuster vor. Die Frage sei: „Was sind zeitlose Prinzipien? Wie entscheide ich, was gut ist?“ Kirche müsse da Orientierung geben. Und: „Lebendige Kirche hat immer Zukunft“, sagte er. Traditionen seien gut, müssten aber auch hinterfragt werden.

Zu all dem gehöre auch, sich über Gemeinde- und Kirchengrenzen hinweg kennenzulernen und Vorurteile abzubauen. „Klar, dass nicht jeder das gleiche Gottesbild hat. Man muss mit unterschiedlichen Meinungen umgehen“, sagte Teichen. Verschiedene theologische Meinungen, zum Beispiel zu Umweltschutz oder Lebensformen, dürften nicht zur Spaltung führen. „Wir denken oft, wir müssten uns erst theologisch einig sein, bevor wir zusammen beten können“, sagte der Pastor. Dabei gehe es beim Beten um die Herzensebene, die erst einmal nichts mit theologischen Ansichten zu tun habe. „Ökumene der Herzen“, nannte Teichen dies. Er sehe Kirche als „weltweiten Leib Christi mit unterschiedlichen Facetten. Ich lerne von meinen katholischen, evangelischen und freikirchlichen Geschwistern“. Heinrich erklärte ebenfalls: „Wir müssen auf der Identitätsebene zusammenrücken.“

#Outinchurch: Menschen nicht ausschließen

In diesem Zusammenhang bezogen beide auch Stellung zu der Initiative #Outinchurch. Ende Januar hatten sich 125 Mitarbeitende der katholischen Kirche als queer geoutet und forderten damit eine Änderung des kirchlichen Arbeitsrechts in der Katholischen Kirche. Heinrich sagte, einerseits sei es traurig, dass so eine Aktion nötig sei. Andererseits seien dies 125 Glaubensbekenntnisse. Die Initiative zeige, dass diesen Menschen ihre Kirche so wichtig sei, dass sie für Veränderung kämpften. „Christliche Gemeinschaft sollte einen geschützten Raum geben, zu sich zu stehen, weil wir alle von Gott geliebt sind“, sagte Heinrich. Ihr gebe diese Aktion Hoffnung für die Zukunft.

Teichen sagte, es müssten dringend Dinge aufgearbeitet werden. Die Bibel spreche davon, dass Menschen bedingungslos von Gott angenommen werden – egal, wie einzelne Lebensbereiche gestaltet würden. „Ohne Authentizität kein Glauben“, sagte er. Gemeinden dürften sich nicht bestimmten Menschen verschließen. Eine Freikirche müsse zum Beispiel biblisch nicht alles genauso verstehen wie eine Landeskirche. Aber man müsse trotzdem „Nächstenliebe üben und den Weg des Glaubens miteinander gehen“.

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4 Antworten

  1. Ist Tobias Teichen mit salomonischer Weisheit gesegnet, macht er aus seinem Herzen eine Mördergrube, oder meint er was er sagt ? Anyway, not my Guru !

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    1. Richtig, da habe ich auch meine Anfragen z.B. Gott liebt bedingungslos aber er nimmt nicht wie Teichen meint, bedingungslos an.

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    1. Einigkeit um jeden Preis, auch auf Kosten der Wahrheit und Anbiederung der Freikirchen an eine Kirche auf Zeitgeistkurs?

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