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„Gottesdienste müssen für alle zugänglich bleiben“

Gottesdienste nur für Geimpfte oder Genesene – dafür aber ohne Einschränkungen und mit Gemeindegesang? In Hamburg haben Gemeinden seit Ende August diese Möglichkeit durch die 2G-Regel. Landeskirchen und freikirchliche Verbände in Deutschland reagieren weiter vorsichtig.
Von Martin Schlorke
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Gemeinde mit Maske
Bei Anwendung der 2G-Regel fallen sämtliche Corona-Beschränkungen weg

Hamburg ist das erste Bundesland, in dem das sogenannte 2G-Optionsmodell Anwendung findet. Seit dem 28. August haben Publikumseinrichtungen wie Restaurants oder Theater die Möglichkeit, ihre Angebote ausschließlich für Geimpfte oder Genesene anzubieten. Im Gegenzug entfallen sämtliche Beschränkungen wie Maskenpflicht oder Abstandsvorgaben. Diese Option gilt ebenfalls für religiöse Veranstaltungen.

Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Norddeutschland will die 2G-Regel aber keiner ihrer Hamburger Gemeinden vorschreiben. Auf Nachfrage von PRO erklärte die Nordkirche, dass sie aber damit rechne, dass ein Teil der Kirchengemeinden von der 2G-Regel Gebrauch machen werden. Dies könnte beispielsweise bei Konzerten der Fall sein. Feste gemeindliche Gruppen wie Chöre oder Seniorenkreise könnten von der Regelung ebenfalls „profitieren“. Mit der 2G-Regel würden zudem sämtliche Gesangsverbote wegfallen. Wichtig sei der Nordkirche allerdings, dass „immer auch“ Gottesdienste angeboten werden, die für Menschen unabhängig ihres Impfstatus zugänglich sind.

Gemeinden entscheiden über Regelung

Möglicherweise wird das 2G-Modell aus Hamburg zukünftig auch in anderen Bundesländern angeboten. Nach Informationen des RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) stehen Politiker verschiedener Bundestagsfraktionen der 2G-Regelung offen gegenüber. Setzt sich das 2G-Modell bundesweit durch, böte sich für alle christlichen Gemeinden die Option, Angebote ausschließlich für Geimpfte oder Genesene anzubieten, bei denen sämtliche Beschränkungen wie Maskenpflicht oder Abstandsvorgaben wegfielen.

PRO hat deswegen die Landeskirchen und freikirchliche Verbände gefragt, wie sie zu dem 2G-Modell stehen. Als Ergebnis lassen sich drei Grundrichtungen festhalten.

  1. Gottesdienste sollen weiterhin für alle, also für Geimpfte und Ungeimpfte, angeboten werden. Keiner solle wegen seines Impfstatus ausgeschlossen werden, erklärte beispielsweise die Evangelische Kirche Kurhesssen-Waldeck. Die Landeskirche Württemberg betonte, dass Gottesdienste weiterhin „voraussetzungslos“ sein müssen.
  2. Die Gemeinden vor Ort sollen entscheiden. Die Landeskirchen und Verbände wollen maximal Empfehlungen geben. So hat die Evangelische Kirche von Westfalen ihren Gemeinden empfohlen, die 3G-Regel einzuführen. Die Mehrheit der Befragten wollte allerdings keine solche Empfehlung abgeben.
  3. Auch bei gemeindlichen Veranstaltungen wie Chorproben oder Seniorenkreisen sollen die Gemeinden selbstständig zwischen der 2G- oder 3G-Regel wählen können.

Warnung vor leichtfertigem Umgang mit Regeln

Die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck will ihre Mitglieder zum Impfen ermutigen. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) sieht eine hohe Impfquote als „erstrebenswert und zielführend“ an.

Der Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG) empfiehlt seinen Gemeinden weder die 2G-, noch die 3G-Regel. Wenn Gemeinden diese Regelung umsetzten würden, werde der Eindruck erweckt, dass Gottesdienste keine Ausnahmeregelungen mehr erforderten und wie normale Veranstaltungen behandelt werden könnten, hieß es auf PRO-Nachfrage.

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12 Antworten

  1. Warum denn nicht, zumindest in größeren Gemeinden, zwei Gottesdienste anbieten? Erst einen mit 2G, wo denn auch gesungen werden darf und kein Abstand eingehalten werden muß, dann einen ohne diese Regelung, damit die, die sich nicht impfen lassen können, dafür kann es viele Gründe geben, und auch für Querdenker in den Gottesdienst kommen können, mit vollzeitiger FFP2-Maskenpflicht. Vielleicht überzeugt das denn doch noch den einen oder anderen, sich doch impfen zu lassen. Ein Zwang ist es dann nicht, ein alternatives Angebot besteht – eben mit Maskenzwang. Es kann nämlich auch nicht angehen, daß vielleicht 80% der Besucher genesen oder geimpft sind und dennoch wegen der wenigen noch monatelang den Lappen vorm Gesicht beim Singen haben müssen und die Gottesdiensträume nicht voll genutzt werden können. Man könnte die Nichtgeimpften auch auf eine Nachbargemeinde ohne 2G verweisen oder einen Livestream oder Fernsehgottesdienst. Ich will nicht auf ewig diese Maskenpflicht haben.

  2. Erst wenn die Bibel verboten ist, weil sie voller Verschwörungstheorien ist ( die allerschlimmste ist die, dass es ein Leben nach dem Tod geben soll – was von Faktencheckern längst widerlegt ist und im Ergebnis zur Relativierung/Verharmlosung der pandemischen Lage führt und daher erheblicher Schaden für die Volksgesundheit verursacht wird ), wird wohl auch der letzte System-konforme, der sich mit Römer 13 entschuldigt merken, dass er selbst dem Teufel die Tür zur Gemeinde weit aufgehalten hat.
    Dann ist es aber leider zu spät. Aber zum Glück gibt es Buße und Vergebung!
    Wohl dem der sich dann noch traut trotz Verbot auch weiterhin in der Bibel zu lesen.

    1. @(Q)ano nym: Nein, die Bibel ist nicht voller Verschwörungstheorien, sondern Verschwörungsschwurbler dichten sich solche aus der Bibel zurecht. Und der Umgang mit der Pandemie ist nicht die Einfallstür des Teufels… und dann noch ein sachter Verfolgunsgrusel vor der endzeitlichen Bedrückung… was ein Nonsense!
      Die Pandemie fordert schlicht einen rationalen und solidarischen Umgang und ein entsprechendes Verhalten auch der Kirchen, denn das Virus unterscheidet in der Tat nicht zwischen Gottesdiensten und normalen Veranstaltungen (das sollte auch für die Offiziellen der FeG verständlich sein)!

  3. Wenn die Kirchen uns Nichtgeimpfte ausschließen, puscht uns das erst recht, Gottesdienst in den Häusern zu feiern und Gottes Reich überall zu bauen, wo wir sind 🙂

    1. Wenn man Verantwortungslosigkeit zu Ideal erhebt, hat das nichts mit dem Reich Gottes zu tun, sondern zeugt eher davon, dass man mental falsch abgebogen ist!

      1. Herzlichen Dank an Carvalho ! Mir tut es gut, wie Sie hier die oft „verschwurbelten“ Beiträge mit Geist und Verstand ( ! ) zurecht rücken ! Gruß ! JoMüllerberg

      2. Am Ende macht die Wahrheit frei – die Frage ist, ob man dazu bereit ist die Wahrheit zu suchen und sich gegen den Strom zu stellen (“Sei ein lebend’ger Fisch…”.
        Jesus hat keinen ausgegrenzt wegen irgendwelcher Merkmale – schon gar nicht die Gesunden oder Kranken…

    2. Aus Solidarität sollten aber auch in Gottesdiensten die 3G gelten! Kein Zutritt für ungeimpften die sich nicht vorher testen liesen. Vor einem Jahr war das noch nicht möglich -jetzt schon!

      1. Am Ende macht die Wahrheit frei – die Frage ist, ob man dazu bereit ist die Wahrheit zu suchen und sich gegen den Strom zu stellen (“Sei ein lebend’ger Fisch…”.
        Jesus hat keinen ausgegrenzt wegen irgendwelcher Merkmale – schon gar nicht die Gesunden oder Kranken…

  4. ….. dann bleibe ich als Geimpfer zuhause. Gilt das Impfangebot doch für alle. Uns beiden hat es nicht geschadet und wir werden auch eine Auffrischung annehmen, wenn es nötig wird.
    Wozu eigentlich die Sonderbehandlung für ungeimpfte ?

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