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Gottesdienst mit 2G, 3G oder ganz ohne?

Auch Gemeinden stehen bei steigenden Infektionszahlen vor der Frage, wie sie den Gottesdienstbesuch organisieren. Die Kirchen gehen dabei sehr unterschiedliche Wege.
Von Anna Lutz
Kirchentür

Foto: MichaelGaida

Offene Kirchentüren können in der Corona-Pandemie an Bedingungen geknüpft sein

Die steigenden Infektionszahlen stellen auch Gemeinden vor Herausforderungen, wie sie damit umgehen und den Besuch ihrer Veranstaltungen – vor allem der Gottesdienste – regulieren. Die sächsische Landeskirche etwa schrieb Mitte November, als die Inzidenz in Sachsen auf über 800 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen stieg, auf ihrer Homepage: „3G/2G-Regelungen sind nach wie vor nicht geeignet für Gottesdienste. Der Gottesdienst muss für alle Menschen zugänglich bleiben.“ Doch mit der neuen Corona-Schutzverordnung des Landes und Inzidenzen über 1.000 verschärfte auch die Landeskirche ihre Vorgaben. Sie empfiehlt seit 22. November, die 3G-Regel für den Gottesdienstbesuch anzuwenden oder kostenlose Tests vor dem Gottesdienst für alle zur Verfügung zu stellen, damit weiterhin niemand grundsätzlich ausgeschlossen wird, sofern keine Coronainfektion nachgewiesen ist.

In der evangelischen Freikirche Saddleback in Berlin gilt für sonntägliche Gottesdienste bereits seit September: Zugelassen sind nur Besucher, die geimpft, genesen oder getestet kommen. Es gibt auch eine Testmöglichkeit vor Ort. Ohne die strengen Regeln wäre den Gottesdienstteilnehmern der gemeinsame Gesang laut Berliner Statuten untersagt. „Wir sehen darin aber auch die beste Möglichkeit, unsere Mitglieder und Gäste zu schützen“, sagt Pastor Tony Krönert im Gespräch mit PRO. Zwar habe er seitdem gelegentlich das Argument gehört, 3G schaffe eine Barriere, die Menschen davon abhalte, in Gottesdienste zu kommen. Gelten lassen will Krönert das aber nicht: „Die Barriere gibt es sowieso“, sagt er.

Ohne 3G seien eben Menschen am Besuch gehindert, die Angst vor einer Infektion hätten oder Risikopatienten seien. „Ich muss mich dann als Pastor fragen: Für wen trage ich mehr Verantwortung: Für die, die eventuell schwer erkranken könnten oder für die, die sich nicht testen lassen wollen?“ Saddleback hat sich für zweitere entschieden und bereut das bis heute nicht. Wer aufgrund der Testpflicht nicht live erscheinen möchte, kann die Gottesdienste online von zu Hause aus verfolgen. So sei niemand ausgeschlossen. Ein 2G-Modell, das nur Geimpften und Genesenen Zutritt gewährt, zieht Saddleback aber zunächst nicht in Betracht. Und das, obwohl 2G in anderen Bereichen in Berlin flächendeckend zur Pflicht wurde. Dennoch will die Gemeinde Konsequenzen aus den steigenden Coronazahlen ziehen. Die Kirche überlegt etwa, die Kaffeebar zeitweilig zu schließen.

Zu den Gottesdiensten der evangelischen Freikirche ICF Berlin haben seit Anfang November nur noch aktuell getestete Personen Zutritt – egal, ob sie zusätzlich geimpft oder genesen sind. Dabei setzt die Kirchenleitung einerseits auf Selbsttests zu Hause auf Vertrauensbasis, andererseits bietet sie auch kostenlose Tests vor Ort an. „Eine einhundertprozentige Sicherheit gibt es nicht, aber wir glauben, dass wir so möglichst viel Sicherheit schaffen können“, sagt Sprecher Thomas Schütze gegenüber PRO. Mit der Testpflicht will die ICF auch dafür sorgen, dass sich weder Geimpfte noch Ungeimpfte ungerecht behandelt fühlen: Für jeden gelten dieselben Voraussetzungen. Zwar habe es neben Lob auch Kritik an der Testpflicht in den Reihen der Gottesdienstbesucher gegeben. Die meisten Vorbehalte seien aber in persönlichen Gesprächen ausgeräumt worden.

Ob durch die sogenannte 1G-Regel nun weniger Menschen zu den Gottesdiensten kommen, sei noch nicht absehbar. Dass künftig nur noch Geimpfte und Genesene Zutritt zu den Gottesdiensten haben, also eine 2G-Regel eingeführt wird, schließt Schütze aus. „Wir wissen, dass auch Geimpfte Überträger sein können, daher ergibt das für uns keinen Sinn.“ Und: Niemandem solle der Zugang zum Gottesdienst aufgrund seiner persönlichen Entscheidung für oder gegen das Impfen verwehrt sein.

Von: Anna Lutz, Jonathan Steinert

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2 Antworten

  1. Wie überall um uns herum, verhärten sich auch in Kirchen und Freikirchen die Fronten zwischen Impfbefürwortern und Gegner. Zumindest dort wo noch ein gewisser Respekt vor dem Wort Gottes gelebt wird, kann eine bibeltreue Sichtweise den Konflikt entschärfen.
    “jedermann sei untertan der Obrigkeit…… Rö, 13
    Mir ist bewusst, diese Bibelstelle ist umstritten und nicht immer und überall anwendbar, aber in Bezug auf die Pandemie kann sie befreiend wirken ! Gehorsam gegenüber dem Wort Gottes ist immer gut und niemand belastet sein Gewissen wenn er entsprechend handelt.
    Unsere Regierung erhöht den Druck auf Ungeimpfte und hat ihren Anspruch an die Bürger klar kundgetan.
    Also lasst uns entsprechend handeln !
    Dann sei noch erwähnt, dass dem Volk Gottes eine Verheißung gegeben ist, wenn wir uns beugen und demütigen vor Gott, handelt er und “heilt das Land ” !

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  2. Lieber Stammtischbruder,
    die große Frage ist doch: Beuge ich mich mit der Impfung vor der Regierung UND vor Gott? Oder beuge ich mich mit der Impfung vor der Regierung ABER NICHT vor Gott? Diese Frage SOLL sich jeder selbst IN WEITESTGEHENDER FREIHEIT beantworten können

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