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Gestiegene Abtreibungszahlen: trauriges Geheimnis

Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist zum ersten Mal seit Jahren gestiegen. Über die Gründe spekulieren nun einige. PRO hat recherchiert.
Von Anna Lutz
Die Teilnehmer des „Marsches für das Leben“ machten sich für mehr Schutz für das Leben an seinem Anfang und Ende stark

Foto: pro/Martin Schlorke

Lebensschützer bei einer Demonstration im Jahr 2021

Lebensschutz ist eines der großen Themen für ein christliches Magazin wie unseres. Dennoch haben wir selten so viel über Schwangerschaftsabbrüche, Werbung für Abtreibungen, Pro-Life-Bewegungen und deren Gegner berichtet wie in den vergangenen Monaten.

Im Juni kippte der US-Supreme Court ein Gesetz, das bisher eine eher liberale Abtreibungspolitik ermöglichte. Viele amerikanische Bundesstaaten verschärften ihre Regelungen. Landesweit protestierten Linke und Konservative für die jeweils eigene Überzeugung. Die Demokratische Partei um Präsident Joe Biden bemüht sich derweil um eine Wiederherstellung liberalerer Gesetze. Der Kampf geht also weiter.

Auch in Deutschland kippte im Juni ein wichtiger Teil der bisherigen Abtreibungsgesetzgebung. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages stimmten mehrheitlich für eine Abschaffung des Werbeverbots für Schwangerschaftsabbrüche. Vorangegangen war ein jahrelanger Streit, den vor allem die Allgemeinmedizinerin Kristina Hänel vor Gericht vorantrieb. Nun dürfen Mediziner, etwa auf ihren Websites, ausführlich über die Option einer Abtreibung informieren.

Abtreibungszahlen steigen um 11,5 Prozent

Anfang dieser Woche machte eine dritte Meldung die Runde: Seit diesem Jahr steigen die Abtreibungszahlen wieder (Lesen Sie die Meldung dazu hier). Einen Anstieg ermittelten die Statistiker zuletzt im Jahr 2017, seitdem – und auch in fünf Jahren zuvor – waren die Fallzahlen stetig gesunken. Doch im ersten und zweiten Quartal 2022 weist die Kurve nach oben, zuletzt mit knapp zwölf Prozent Zunahme sogar verhältnismäßig steil. 25.600 Frauen ließen in den Monaten April bis Juni einen Schwangerschaftsabbruch vornehmen.

Über die Gründe spekulierte nun der Bundesverband Lebensrecht. In einer Pressemitteilung vermutet die Organisation einen Zusammenhang mit der Abschaffung des Werbeverbots.

Tatsächlich ist das kaum haltbar, denn die Zahlen umfassen bisher lediglich den Zeitraum vor der Neuregelung, also bis Juni. Und dennoch könnte natürlich allein die Aufmerksamkeit, die der Medienrummel rund um das Thema verursacht hat, Folgen gehabt haben.

Was sind die Gründe?

Wir wollten dem nachgehen, daher hat PRO sich die Abtreibungszahlen noch einmal vom Bundesamt für Statistik aufschlüsseln lassen: Ohne nennenswertes Ergebnis. Alter und Familienstand derjenigen, die einen entsprechenden Eingriff haben vornehmen lassen, verraten nichts über die Motive. Und die Datenlage ist spärlich. Bildungsstand oder Einkommen werden nicht erfasst und auch sonst kaum soziologisch relevante Merkmale.

Es bleibt also beim Spekulieren. Könnte der Krieg in der Ukraine Unsicherheiten verursacht haben, die Menschen dazu bringen, eine Abtreibung eher in Betracht zu ziehen? Oder die wirtschaftlichen Ungewissheiten, die damit einhergehen? Die Rezession? Oder gar noch die Folgen der Coronapandemie?

Eines steht zweifellos fest: Die deutsche Gesellschaft neuerer Zeit war selten so verunsichert wie im Jahr 2022. Große Unternehmen schrauben ihre Gewinnerwartungen für das laufende Jahr bereits zurück, auch das ist ein Indikator. Unsicherheit hat Folgen. Und möglicherweise weitaus dramatischere, als nur die wirtschaftlichen.

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12 Antworten

  1. Ja, ein trauriges Geheimnis! Die Menschen wissen nicht mehr, bzw. glauben nicht mehr, dass der lebendige Gott der Schöpfer allen Lebens ist. Jeremia 1,5 sagt uns, dass Gott uns kannte, bevor er uns im Mutterleib entstehen ließ. Psalm 139,13- 16 sprechen von der aktiven Rolle Gottes bei unserer Erschaffung und Gestaltung im Mutterleib. Die Menschen setzen sich über den Schöpfer hinweg – auch ein Ausdruck einer sündigen und gottlosen Welt. So reizen die Menschen und leider auch viele Christen den lebendigen Gott!
    L.G. Martin Dobat

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  2. Abtreiben wegen Ukraine-Krieg, wirtschaftlicher Unsicherheit …. und dies und das. Ja, geht`s denn noch?
    Wenn die schwangeren Frauen ne psychische Krise haben, sollen sie zum Arzt gehen, oder zum Psychologen.
    Was kann das kleine, ungeborene Kind denn dafür? Warum muss das Kind, dieses arme Geschöpf Gottes, denn dafür sterben? Geht`s noch??? Warum werden werdende Mütter wegen psychischer Flaute und Angstzuständen zu Mörderinnen?? ……denn sie wissen nicht, was sie tun???

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  3. Danke, Frau Lutz. Das ist gut recherchiert und erhellend. Dann wollen wir uns mal nicht zu irgendwelchen Spekulationen hinreißen lassen. Wir nehmen das erst mal zur Kenntnis, inklusive der möglichen Gründe. Es lohnt sich, dem weiter nachzugehen.

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  4. Die Wirtschaft klagt über Fachkräftemangel. Was wir säen werden wir ernten. Flüchtlinge und Asylbewerber und deren Kinder in Ausbildung bzw. Arbeit zu bringen ist und bleibt eine Mammutaufgabe und erfordert viel ehrenamtliches Engagement.

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  5. Zunächst: Ich bin auch gegen die Abtreibung. Aber als es mein Leben in der Jugend die Hölle war, hielt ich es für ein Verbrechen, Kinder in die Welt zu setzen. Besonders, wenn man glaubt, dass die Mehrheit der Menschen nach dem Tod in die “ewige Verdammnis” komme. Es sind falsche religiöse Lehren und das naturwissenschaftliche Weltbild (das nicht von den Anhängern der Religionen relativiert werden konnte), die eine solche Praxis begünstigen. Kurz es fehlt an überzeugenden Argumenten, die man aber haben könnte, wenn man “im Geiste wandeln” würde, wie es der Apostel beschreibt.

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  6. Die wahre Erkenntnis zu dem, was man da tut mit den Abtreibungen, sie geht einher mit dem wahren Bibelverständnis ab Seite 1 der Bibel. Sie entscheidet sich daran, ob ich an einen Schöpfergott glaube oder nicht. Glaube ich an den Schöpfer – oder glaube ich an “Zufalls-Dreck” bei der Entstehung menschlichen Lebens, wie es die Evolutionisten tun. Deshalb ist der “Evolutionisten-Pullover” von Anfang an ganz falsch gestrickt. Die Evolutionslehre ist das verheerendste Desaster seit dem Sündenfall im Garten Eden.

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    1. Sie leugen also die wissenschaftlichen Erkenntnisse von hunderten von Jahren und glauben lieber an das Weltbild von vor 2000 Jahren? Damals wussten es die Menschen nicht besser – heute schon.

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      1. Ich glaube an Gott, den Vater, Gott den Sohn und Gott, den Heiligen Geist. Und ich glaube in allen Aussagen dem Wort Gottes, der Bibel. Die Bibel ist zeitlos gültig für den Menschen, weil der Mensch Geschöpf Gottes ist – und wer könnte über sein Geschöpf besser Bescheid wissen als der Schöpfer?
        NIEMAND! Vergleichbar ausgedrückt: Wer weiß über den BMW besser Bescheid als der Konstrukteur des BMW`s? Setzen Sie für den Konstrukteur ruhig den jeweiligen Konstrukteur jedes beliebigen BMW-Modells ein.

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  7. Mal ne ganz blöde (???) Frage: Geht denn “Spaß am Sex haben” (den hab ich auch, reichlich..) nur mit anschließend schwanger werden? Wer nach dem Sex kein Kind möchte, gibt es da keine Wege, das zu verhindern? Ist es nicht schlicht und einfach Faulheit von Mann und Frau, dann eben zu verhüten? Anstatt nachher zu töten??? Ist es mir und meiner Frau nicht zuzumuten, zu verhüten, wenn wir kein Kind wollen?? Gibt es eigentlich noch Verantwortung für eigenes Tun in diesem Land??? Verflixt nochmal !!! Werdet doch endlich wach !!!

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  8. Damit mögen sich vor Allem die “One-night-stand-Königinnen und -Könige” angesprochen fühlen, wenn es denn solche unter den ForistInnen gibt…

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