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Evangelische Kirche und Diakonie fordern Gesetz zur Suizidprävention

Aktuell ringt der Bundestag um eine Neuregelung der Sterbehilfe. Zuvor müsse der Gesetzgeber jedoch an andere Stelle aktiv werden, fordern Kirche und Diakonie.
Von Johannes Schwarz
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Hand mit Tabletten: Sterbehilfe
Jährlich sterben 9.000 bis 10.000 Menschen durch den Freitod.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und die Diakonie Deutschland fordern vor einer gesetzlichen Neuregelung des assistierten Suizids die Verabschiedung eines Suizidprävention-Gesetzes.

Vor dem Hintergrund einer Orientierungsdebatte zur Sterbehilfe am Mittwoch im Deutschen Bundestag, veröffentlichte die EKD und die Diakonie eine gemeinsame Pressemitteilung. In dieser kritisieren sie den Gesetzgeber, der zunächst die Sterbehilfe neu regeln will. Statt der Sterbehilfe müsse die Prävention vor Suiziden im Mittelpunkt stehen.

Umfängliche Beratung sei hilfreich

Die EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus fordert: „Suizid-Prävention muss allem anderen vorgehen.“ Menschen dürften in schwierigen Situationen nicht alleine gelassen werden. „Wir müssen schon viel früher ansetzen, wenn Menschen in einer für sie unerträglichen Lebenslage oder bei einer schweren Erkrankung einen Suizidwunsch äußern. Dies müssen wir schärfer wahrnehmen und Menschen in suizidalen Krisen frühzeitig helfen und sie professionell unterstützen.“

Die Evangelische Kirche sowie die Diakonie wollen bestehende Angebote ausbauen. Besonders ältere Menschen sollen weiter soziale Teilhabe leben können.

„Suizid-Prävention setzt bereits weit vor einem assistierten Suizid an“, sagt Diakonie-Präsident Ulrich Lilie. Es brauche einen Aktionsplan, damit Fachkräfte und die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisiert werden. Notwendig sei daher „ein breites Netz von leistungsfähigen Präventions- und Krisendiensten“. Lilie wünscht sich psychotherapeutische und psychosoziale Angebote für alle Generationen.

Auch Caritas für mehr Prävention

EKD und Diakonie erhoffen sich neben dem bestehenden parlamentarischen Verfahren eine begleitende zivilgesellschaftliche Debatte. Derzeit sehen Kurschus und Lilie noch Lücken in der politischen Debatte beim Thema Sterbehilfe. Kirchen und kirchliche Organisationen wollen sich daher bei der Ausarbeitung von konkreten Gesetzen einbringen.

Der katholische Wohlfahrtsverband Caritas fordert ebenso in einer Pressemitteilung eine bessere Suizidprävention. Besonders ältere Menschen seien auf mehr Möglichkeiten der Beratung angewiesen. „Wir brauchen Regelungen, die verlässlich verhindern, dass Angebote der Suizidassistenz Menschen unter Rechtfertigungsdruck setzten. Weiter leben zu wollen bedarf keiner Begründung – ganz unabhängig davon, wie alt oder krank man ist.“

Hintergrund der Debatte ist die anstehende Neuregelung der Beihilfe zum Suizid. Das Bundesverfassungsgericht hatte 2020 das Verbot organisierter, sogenannter geschäftsmäßiger Hilfe, beim Suizid kassiert. Das Parlament ist daher aufgefordert gesetzlich zu regeln, inwiefern etwa Ärzte Sterbewilligen tödlich wirkende Medikamente überlassen dürfen.

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