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Evangelikale haben aktiveres Gemeindeleben als Landeskirchen

Die Mitglieder evangelikal und pietistisch gesinnter Gemeinden gehen öfter in den Gottesdienst, engagieren sich häufiger ehrenamtlich und die Gemeindeleiter blicken zuversichtlicher in die Zukunft als die der Landeskirchen. Das zeigt eine Studie des sozialwissenschaftlichen Instituts der EKD.
Von Jonathan Steinert
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Menschen singen in einem Gottesdienst

Foto: Sarah Noltner, Unsplash

Gemeinschaft hat in evangelikalen Gemeinden einen höheren Stellenwert als in Gemeinden der Landeskirche

Gut 20,2 Millionen Menschen in Deutschland gehören einer evangelischen Landeskirche an. Die meisten von ihnen pflegen offenbar eine passive Mitgliedschaft. Anders sieht es bei evangelikal geprägten Gemeinden aus: Dort geht ein größerer Anteil der Mitglieder auch in den Gottesdienst oder engagiert sich ehrenamtlich. Zu diesem Ergebnis kommt das zweite Kirchengemeindebarometer, eine Studie des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland (SI). Erstmals werden hier auch verschiedene Freikirchen, landeskirchliche Gemeinschaften des Gnadauer Verbandes sowie neue Gemeindeformen der Fresh-X-Bewegung untersucht. Mitglieder der Leitungsgremien von Gemeinden haben dafür Fragebögen beantwortet.

Gemessen an der Zahl der Mitglieder engagieren sich in landeskirchlichen Gemeinschaften die meisten ehrenamtlich – 37 Prozent. Bei Fresh-X-Gemeinden liegt der Anteil bei 15, in Freikirchen bei 22 Prozent der Mitglieder – mit einer großen Spannbreite je nach Gemeindetyp. In Landeskirchen engagieren sich vier Prozent der Mitglieder ehrenamtlich. Ähnliche Unterscheide zeigen sich darin, wie viele Mitglieder Gottesdienste am Wochenende oder Angebote unter der Woche besuchen. Durchschnittlich drei Prozent der Landeskirchler gehen in den Gottesdienst, bei den Pietisten ist es mehr als jeder zweite. Von den Freikirchlern besuchen im Schnitt 40 Prozent den Gottesdienst, bei Fresh-X kommen 17 Prozent der Mitglieder. Und während bei der größten Veranstaltung des Jahres in Landeskirchen immerhin jedes fünfte Mitglied teilnimmt, sind es im Gnadauer Verband 39 Prozent mehr, als die Gemeinden Mitglieder haben.

In Landeskirche und Fresh-X leiten die meisten Frauen

Gefragt wurde auch danach, wie lang die Besucher vor oder nach dem Gottesdienst noch beisammen sind und welchen Stellenwert Gemeinschaft hat. 21 Minuten sind Landeskirchler über den Gottesdienst hinaus in der Kirche – Freikirchler und Pietisten im Schnitt fast doppelt so lang. Wobei es auch hier wieder eine Bandbreite gibt: Die Besucher von Gottesdiensten des pfingstkirchlichen Mülheimer Verbandes etwa bleiben fast eine Stunde beisammen, während es die Altreformierten ebenfalls nur auf 21 Minuten bringen. Gemeinschaft spielt bei den evangelikal geprägten Gemeinden zudem eine größere Rolle, auch schätzen deren Gemeindeleiter den sozialen Zusammenhalt höher ein als die von Gemeinden der Landeskirchen.

Frauen sind in den Gemeinden der Landeskirchen und von Fresh-X stärker in die Gemeindeleitung und ins Gemeindeleben eingebunden als bei Pietisten und Freikirchen. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die jünger als 35 Jahre sind, in Landeskirchen am geringsten – in der Leitung wie auch unter den Mitgliedern insgesamt. Der ist bei Fresh-X am höchsten. In Freikirchen und im Gnadauer Verband macht diese jüngere Generation rund 20 Prozent aus, über 60 Jahre sind bei ihnen knapp die Hälfte.

Politische Aktivitäten, etwa in der Flüchtlingshilfe, nahm bei Fresh-X-Gemeinden den größten Stellenwert ein: Mehr als ein Drittel von ihnen beteiligte sich in den zwölf Monaten vor der Umfrage an einem solchen Projekt. Von Gemeinden der Landeskirche traf das auf 17 Prozent zu, aus dem Gnadauer Verband engagierten sich sieben Prozent in einem politischen Projekt.

Mut zu neuen Formen

Die Forscher wollten außerdem wissen, wie die Gemeindeleiter auf die vergangenen und die nächsten fünf Jahre blicken. Hier zeigte sich, dass Pietisten am zuversichtlichsten sind: Die Hälfte von ihnen gab an, die Situation ihrer Gemeinde habe sich verbessert, 57 Prozent gehen davon aus, dass sie sich verbessern wird. Von den Landeskirchlern sagten das mit Blick auf die Vergangenheit weniger als jeder Dritte, mit Blick auf die Zukunft knapp ein Viertel. Dafür schätzt fast die Hälfte, dass es in den nächsten Jahren in ihren Gemeinden schwieriger wird. Ein Drittel der Freikirchen-Leiter blicken ebenfalls in eine sich verschlechternde Zukunft, während 40 Prozent von ihnen eine Verbesserung sehen.

Die Ergebnisse zeigten, „dass in den evangelikalen Gemeinden (Landeskirchliche Gemeinschaften, Freikirchen) im Schnitt ein deutlich aktiveres und lebendigeres Gemeindeleben vorliegt und diese insgesamt auch subjektiv größere Wachstumschancen aufweisen“ als die Gemeinden der Landeskirchen, heißt es in der Studie, die im Magazin SI kompakt vorgestellt wurde. Jedoch würden innerhalb der Freikirchen unterschiedliche Trends deutlich: Während der genannte Befund vor allem auf pfingstlerisch-charismatische Gemeinden zutreffe, entwickelten sich etwa die Herrnhuter Brüdergemeine, Mennoniten oder auch die Selbständige evanglisch-lutherische Kirche ähnlich wie der Trend in den Landeskirchen.

Vor allem die Fresh-X-Bewegung schaffe es, neue und jüngere Mitglieder zu gewinnen. Sie sei deutlich aktiver als örtliche Gemeinden der Landeskirchen. Neue Gemeindeformen seien eine „vielversprechende Alternative“ für etablierte Gemeinden, um sich der Moderne anzupassen und Angebote zielgenauer zu gestalten. „Vor allem die Offenheit für alternative Angebote, die auch für die jüngere Generation ansprechend sind“, etwa Gottesdienste in anderen Räumen als der Kirche, könnten landeskirchliche Gemeinden von der Fresh-X-Bewegung lernen, erklärte Studienleiterin Julia Steinkühler.

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2 Antworten

  1. Diese Umfrage zeigt leider eines nicht: es gibt evangelikal geprägte evangelische Kirchengemeinden mit stark an der Bibel orientierten Gottesdiensten und lebendiger Gemeinschaft. Diese fallen wahrscheinlich als Minderheit in der Umfrage nicht ins Gewicht. Aber es ist davon auszugehen, dass hier ähnliche Werte wie bei den Freikirchen herauskommen.

  2. Ein positives Beispiel für eine lebendige
    und sehr engagierte Gemeinde ist die
    Matthäus Gemeinde in Bremen Huchting.
    Vor Jahren nahm ich dort am Heiligabend Gottesdienst teil und ich war begeistert.

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