Das christliche Medienmagazin

„Es schadet nie, sich mit Gott zu beschäftigen“

Alexander Krex ist Journalist und glaubt nicht an Gott. Er fragte in einem Artikel „Warum missioniert mich keiner?“ Dafür erhält er von der Christlichen Medieninitiative pro den Medienpreis „Goldener Kompass“. PRO hat mit ihm über die Hintergründe seiner Recherche gesprochen.
Von Martin Schlorke
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Alexander Krex

Foto: Sandra Stein

Alexander Krex ist Redakteur im Ressort „Entdecken“ bei Zeit-Online

PRO: Herr Krex, für die Wochenzeitung Die Zeit haben Sie einen Beitrag mit dem Titel „Warum missioniert mich keiner?“ geschrieben. Warum wollen Sie überhaupt missioniert werden?

Alexander Krex: Ich bin mir gar nicht so sicher, ob ich das tatsächlich möchte. Vielmehr hat mich die Frage aus zweierlei Gründen bewegt. Zum einen hatte ich als Ostberliner wenig mit Kirche zu tun. Es ist also ein persönliches Interesse herauszufinden, warum Kirche in meinem Leben keine Rolle spielt oder warum ich nie wirklich mit ihr in Kontakt gekommen bin. Zum anderen hat mich eine journalistische Neugier getrieben. Wir kommen in unserem Alltag permanent mit Werbung in Kontakt und hören, was wir zum Beispiel kaufen sollten. Aber von der Kirche bekomme ich nichts mit.

Wie müsste aus Ihrer Sicht die Kirche besser für ihre Inhalte werben?

Das ist gar nicht so leicht zu sagen, auf welche Missionsangebote ich positiv reagieren würde.

Welche Angebote würden Sie denn eher abschrecken?

Einer der Protagonisten in meinem Text, Bischof Christian Stäblein (Bischof der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, Anm. d. Red.), benutzte den schönen Begriff „geistliche Anrempelung“ – die sollte vermieden werden. Er sprach davon, das richtige Wort zur richtigen Zeit zu finden. Anrempelung kann etwas Plattes oder Übergriffiges meinen. Das würde an mir dann so vorbeigehen, wie eine dumpfe Werbung an mir vorbeigeht. Ich blocke so etwas ab, bevor ich es überhaupt genau betrachte.

Können Sie ein Beispiel geben?

Das sind für mich beispielsweise austauschbare Aussagen. Wenn ich auf der Straße von jemandem angesprochen werde und ich weiß, dass er die gleichen Sätze den nächsten 100 Passanten auch sagen wird. Das vermittelt das Gefühl, dass keine Mühe aufgebracht wird, mich zu gewinnen.

Also müsste gute Mission für Sie kreativ und authentisch sein?

Ich habe während meiner Recherche auch eine Freikirche besucht. Von außen wirkte sie zuerst wie ein Café. Vielleicht geht man da erst einmal rein, weil man denkt, dass es Kaffee und Kuchen gibt. Erst auf den zweiten Blick erkannte ich die Räume als Gottesdiensträume. Und natürlich war die Musik eine andere. Inhaltlich hätte die Predigt aber auch in der Landeskirche gehalten werden können, denke ich. Da habe ich keinen Unterschied gemerkt.

„Jeder Christ kann von seinem Glauben, also dem, was er liebt, erzählen.“

Sollten Kirchen mehr wie ein Café wirken oder zumindest Kaffee anbieten?

Ich glaube, dass eine Vielfalt gut ist. Ich persönlich finde dieses Konzept sehr spannend. Dennoch macht für mich Kirche auch das Imposante, das historisch Gewachsene und das Mystische aus. Für andere wirkt ein großes, kühles Kirchenschiff aber vielleicht beängstigend. Da ist ein Gotteshaus, das wie ein Café aussieht, wahrscheinlich niederschwelliger.

Sie selbst haben sich aufgemacht und mehrere Kirchenvertreter besucht. Ist Mission aus Ihrer Sicht eine Einbahnstraße oder müssten Interessierte auch auf die Kirche und deren Angebote zugehen?

Es wäre zu einfach, sich zurückzulehnen und auf die Kirche zu warten. Die Frage ist dann allerdings, ob es sich noch um Mission im eigentlichen Sinn handelt. Ich verstehe Mission als das Sendungsbewusstsein der Kirche, sie geht also von ihr aus. Dennoch sollte man bei Interesse auch eine gewisse Eigeninitiative zeigen. In Zeiten des Internets ist es ja auch nicht kompliziert, sich über kirchliche Angebote zu informieren.

Konnten die Kirchenvertreter erklären, warum Sie keiner missioniert?

Jeder meiner Gesprächspartner hat einen anderen Punkt hervorgehoben. So erklärt mir Pfarrerin Julika Wilcke beispielsweise, dass Mission aus ihrer Sicht von Gott ausgehen müsse. Die Kirche sei dazu beauftragt, ihn zu unterstützen. Bischof Christian Stäblein sagte mir, er versuche immer so zu predigen, dass es jeder versteht.

Sind die Antworten für Sie schlüssig?

Die Gespräche waren wirklich erhellend. Und ich habe Menschen getroffen, die nicht nur glauben, sondern auch sehr klug sind, die viel Wissen über die Bibel besitzen und dieses auch weitergeben können.

Lohnt es sich, sich mit der Bibel zu beschäftigen, auch wenn man nicht gläubig ist?

Es kann nie schaden, sich mit Gott zu beschäftigen – egal ob man an ihn glaubt oder nicht. Es ist einfach ein riesiges Thema, weil dahinter eine Jahrtausende alte Geschichte steht. Selbst wenn man diese eben nicht mit dem Herzen fühlt, sondern nur mit dem Kopf begreift. Man kann sich ja kaum für die Welt und die Menschen interessieren, ohne Gott einzubeziehen.

Ist Gott dann eine mögliche Tatsache oder eine Vorstellung der Menschen?

Beides trifft zu. Wer bin ich, zu sagen, dass es keinen Gott gibt? Das heißt nicht, dass ich glaube, aber ich muss diese Möglichkeit zulassen. So wenig wie ich ausschließen kann, dass es außerhalb der Erde Leben gibt, so wenig kann ich ausschließen, dass Gott existiert.

Wegen des Interesses ihres kleinen Sohnes hat die Spiegel-Journalistin Anna Clauß regelmäßig aus der Kinderbibel vorgelesen und so selbst ihren Glauben neu entdeckt. Wünschen Sie sich das für Ihre Tochter auch?

Ich wünsche meiner Tochter jede Stütze fürs Leben, die sie haben kann. Dennoch würde ich die Frage nicht mit einem klaren „Ja“ beantworten. Sollte sie zum Glauben finden, wäre das für mich eine Herausforderung, weil wir dann nicht mehr vom selben Standpunkt aus auf die Religion blicken würden. Wir müssten dann einen Weg finden, wie wir miteinander darüber reden. Aber wenn sie im Glauben etwas Positives sehen würde, wäre ich in keinem Fall traurig.

Medienpreis „Goldener Kompass“

Die Christliche Medieninitiative pro zeichnet mit dem „Goldenen Kompass“ Persönlichkeiten aus, die auf besondere Weise den christlichen Glauben in den Medien thematisiert haben. Alexander Krex und Anna Clauß sind zwei der diesjährigen Preisträger. Weitere Preise gehen an Moderator Markus Lanz, den Astrophysiker Heino Falcke, den NDR-Journalisten Daniel Kaiser, die YouTuber Johannes Mickenbecker und sienen verstorbenen Bruder Philipp sowie an die Journalistin Dora Schöls (Nachwuchspreis). Die Preisverleihung am 23. November können Sie im Livestream verfolgen.

Würden Sie Ihrer Tochter auch aus der Bibel vorlesen?

Wenn sie sich das wünscht, würde ich das tun. Wir haben aber auch so bereits über Gott gesprochen. In einem Abendlied, das wir singen, kommt Gott beispielsweise auch vor. Wir besitzen zwar keine Kinderbibel, aber ich finde die biblischen Geschichten interessant und lehrreich. Die darin vermittelte Moral stört mich nicht, die gibt es ja auch im Märchen.

Kann Bekehrung auch ohne Kirche funktionieren?

Ich denke, dafür braucht es erst einmal keine Kirche. Wenn aber der Funke des Glaubens entfacht ist, muss es ja irgendwie weitergehen. Dabei helfen kirchliche Strukturen sicherlich sehr. Eine Definition von Mission, die ich in den Gesprächen gelernt habe, ist, dass Gläubige zeigen, was sie lieben. Natürlich ist der Glaube etwas Persönliches, dennoch kann jeder Christ von seinem Glauben, also dem, was er liebt, erzählen. Menschen, die vorher nie mit dem Christentum in Kontakt gekommen sind, würden dann auch erkennen, wie unterschiedlich Christen sein können. Das würde auf jeden Fall feste und vielleicht negative Bilder sprengen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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3 Antworten

  1. Interessanter Artikel!
    Liebe PRO Redaktion Sie berichten über Menschen die nicht glauben und die Frage stellen: Warum missioniert mich keiner. Berichten Sie doch mal über Menschen, denen NICHTS wichtiger ist, als ihr Glaube!
    Lese gerade das Buch von Richard Wurmbrand, der viele Jahre für seinen Glauben im Gefängnis war.
    L.G. Martin

  2. Wie oft sprecht Ihr vom Wetter, über Fernsehfilme, Fußball usw. Sind diese Themen aber
    wichtiger als Jesus Christus? Nur Mut! Denn Gott hat uns nicht einen Geist der Verzagtheit
    gegeben, sondern den Geist der Kraft…(2.Tim 1,7.8).

    Wenn sich Euch eine Gelegenheit bietet, euren Glauben zu bezeugen, dann macht davon
    Gebrauch (Kolosser 4,5).

    Und jeder kann ein Traktat, d.h. eine christliche Verteilschrift weitergeben. Diese sind bei
    Christlichen Schriftenmissionen kostenlos erhältlich. Damit könnt ihr ein Gespräch einleiten.
    Jesus Christus will, dass alle Menschen zur Erkennnis der Wahrheit gelangen (1. Tim. 2,4)
    und wer sich vor den Menschen nicht zu Jesus bekennt, zu dem wird ER sich auch vor
    Seinem Vater im Himmel nicht bekennen (Matthäus 10,32.33).
    “Geht” steht im Evangelium und nicht etwa, sitzt bequem und gleichgültig zu Hause auf
    der Couch und wartet, bis Euch jemand auf Jesus anspricht (Markus 16,15).

    “Den meisten Menschen sollte man in ihr Wappen schreiben: Wann eigentlich, wenn nicht
    jetzt?” Kurt Tucholsky

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