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EKD-Ratsvorsitzende Kurschus spricht sich für Impfpflicht aus

Deutschland befindet sich mitten in der vierten Welle der Corona-Pandemie. In der ARD-Sendung „Hart aber fair“ sprach sich die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anette Kurschus, deswegen für eine Impfpflicht aus. „Jetzt drängt die Zeit“, sagte die Theologin.
Von Johannes Blöcher-Weil
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Annette Kurschus, (Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).
Zu Gast bei Frank Plasberg: Annette Kurschus, (Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Die Debatte in der ARD-Sendung „Hart aber fair“ verdeutlichte, dass die vierte Welle der Corona-Pandemie für eine totale Erschöpfung des Personals auf den Intensivstationen sorgt. In der 75-minütigen Sendung gab es klare Positionierungen zur Impfpflicht und eine EKD-Ratsvorsitzende Annette Kurschus, die eingestand, dass sie ihre Meinung geändert habe.

Die Theologin bezeichnete eine Impfung als christliche Pflicht, wenn man wisse, dass man andere ohne eine Impfung gefährde. Sie habe hohen Respekt davor, mit welcher Fürsorge sich Pflegekräfte um die Patienten kümmerten. Trotzdem müsse es auch ihnen erlaubt sein, Wut und Ärger zu äußern. Auch als freier Mensch sei man in eine Gemeinschaft gestellt: „Alles, was ich tue und unterlasse, hat Konsequenzen für meinen Mitmenschen.“

Die neue EKD-Ratsvorsitzende Kurschus bekannte ehrlich, dass sie immer für Verständigung und Versöhnung der unterschiedlichen Meinungen geworben hat. Ihr sei in den letzten Wochen aber auch klar geworden, dass das ganze Werben und Aufklären keinen Sinn haben werde: „Die Zeit drängt und das Verhalten kostet immer mehr Menschenleben“, erklärte Kurschus.

„Den Menschen sehen und nicht den potentiellen Wähler“

Die Gesellschaft sei gerade zutiefst verunsichert. Die Menschen hätten kaum noch Sicherheiten. In dieser „brandgefährlichen Situation“ sei ihr der Schutz von Alten und Kindern wichtiger als das Zusammenführen unterschiedlicher Meinungen. Für den Fall einer Triage forderte die Theologin ethische Kriterien. Alle Menschen seien gleich viel wert, ob geimpft oder umgeimpft. Die Politik müsse bei ihren Entscheidungen den zu schützenden Menschen sehen und nicht den potentiellen Wähler.

Der Darmstädter Arzt Cihan Celik schilderte anschaulich die Lage auf den Intensivstationen. Patienten würden frühzeitig entlassen oder verlegt, damit die Krankenhäuser neue Covid-Patienten aufnehmen könnten. Es mangele nicht an Betten, sondern an Personal, das sich um die Patienten kümmere. Die aktuelle Situation sei „absolut vermeidbar“ und die Empfehlungen der Wissenschaft eindeutig gewesen. Vermutlich werde man nicht um eine Impfpflicht herumkommen, erklärte er.

Die Journalistin Kristina Dunz sprach von einem politischen Komplett-Versagen. Als klar gewesen sei, dass man mit dem Wunsch nach Eigenverantwortung Teile der Bevölkerung nicht erreiche, habe die Politik „keine klare Kante“ gezeigt. Auch das Auslaufen der epidemischen Notlage sei ein falsches Signal gewesen. CSU-Generalsekretär Markus Blume bezeichnete die Impfpflicht als Möglichkeit, um aus der Dauerschleife der Pandemie und den Wellenbewegungen herauszukommen. Er vermute, dass es bald einen breiten Konsens zur Impfpflicht geben werde.

Ja zur Impfpflicht – trotz massiven Grundrechtseingriffs

Nordrhein-Westfalens stellvertretender Ministerpräsident, Joachim Stamp (FDP), gestand ein, dass die Politik auf die rückläufige Impftendenz im Sommer nicht richtig reagiert habe. Er votierte für eine andere Wertschätzung der Pflegekräfte. Unter anderem schlug er eine hohe Netto-Rückkehrprämie vor. Auf mehrmaliges Nachfragen von Moderator Frank Plasberg antwortete Stamp, dass er sich eine allgemeine Impfpflicht persönlich vorstellen könne, auch wenn dies ein „massiver Grundrechtseingriff“ sei.

Bestandteil der Debatte war auch ein redaktioneller Beitrag der Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und Winfried Kretschmann (Grüne), die in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für eine Impflicht plädiert hatten. Grundtenor des Beitrags war: Die Gesellschaft droht daran zu zerbrechen, wenn der Staat die Dinge treiben lasse.

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10 Antworten

  1. Ich bin mir nicht sicher, ob Frau Kuhschuss hier das richtige Signal setzt.
    Das Thema gehört in die Hand der Politik und nicht in die Hand des Ratsvorsitzenden.
    Wenn das Thema Leben eine Priorität hat dann sollte sie sofort ganz laut schreien und die permanente Abtreibung von kleinen hilflosen ungeborenen Kindern anprangern. Wir sollten als Christen das Evangelium verkünden welches Menschen zur Umkehr und letztlich zu Jesus Christus bringt und nicht das Volk mit Politik belehren. Der Impfstatus entscheidet nicht über den Verbleib in der Ewigkeit.
    Ich finde die Impfung richtig aber es sollte nicht das Thema der EKD sein.

    1. Wir alle merken, dass die Politik sich von den Mächtigen dieser Erde, Talkshows und von Gefühlen her leiten läßt und nicht von fachlicher Kompetenz. Das ist absolut verwerflich.
      Die Kirche jedoch mit ihrem vor eilendem Gehorsam hat die Menschen im Stich gelassen und soll sich auf das Evangelium konzentrieren.

  2. Vielleicht sollte Frau Kurschus zur Kenntnis nehmen, daß Impfung ein Selbstschutz ist und kein Fremdschutz. Sie sollte zudem gegen die von Drosten erfundene “mittelalterliche” Irrlehre, es gäbe symptomlose Ansteckung, entgegentreten; denn dieser Propaganda-Coup hat die Gesellschaft bis in die Familien hinein gespalten, indem das Mißtrauen selbst gegen Gesunde Menschen gestreut wurde.

  3. Wer angesichts der gegenwärtigen Lage in Europa – Vergleiche zwischen den Ländern sind da durchaus aufschlussreich – hier einen solchen Nonsense von sich gibt, hat einfach die vielen Schüsse nicht gehört. Natürlich ist die Impfung nicht nur Selbstschutz: Zum einen schützt sie eben auch vor Infektionen und nicht nur vor derem schweren Verlauf und ist deshalb eine Pandemiebremse. Zum anderen bewahrt sie Menschen davor, die wegen anderer Krankheiten auf eine Intensivbetreuung angewiesen sind, in die missliche Lage zu kommen, eine solche Pflege nicht erhalten zu können, weil es an Intensivbetten fehlt. Gegen jede Evidenz hier den immer selben Unfug zu verbreiten, ist hochgradig unanständig. Dieser “Nicht-gerade-aus-denken-Können”-Mist ist unerträglich.
    Von vorauseilendem Gehorsam der Kirche, die dadurch die Menschen im Stich gelassen habe und ließe, kann keine Rede sein. Die vereinigte Denkverweigerungsliga der Corona-Skeptiker muss langsam einmal einsehen, dass sie eine ignorante Minderheit ist, die ihren Egoismus auf Kosten der breiten Mehrheit und gegen jede wissenschaftliche Evidenz durchfechten möchte….

    1. Keine Furcht, im Gegensatz zu Corona sorgt Frau Kurschus sicherlich nicht dafür, dass Ihnen dauerhaft die Luft wegbleiben könnte!
      MfG

    2. Der Atem könnte Ihnen ( Gast) erst recht „stocken“, wenn Sie wegen Ihrer Weigerung, sich impfen zu lassen,
      auf einer Intensiv—Station in einem Krankenhaus eingeliefert werden müssen.

  4. So kritisch ich gegenüber der EKD bin und auch gegenüber einem Impfzwang: der Beitrag von Frau Kurschus war sehr reflektiert und auch ihr Ringen für diese Aussage war zu merken. Sie hat es sich nicht leicht gemacht. Was mich übrigens mal interessieren würde: Welche Lösung gegen das Chaos in den Krankenhäusern was wir gerade haben bieten eigentlich die an, die das Impfen ablehnen? Die Impfgegner können doch aktuell nur Impfgegner sein weil so viele geimpft sind oder sehe ich das falsch? Nur dagegen sein hilft bei allen Mängeln, die der momentane Zustand doch nicht. Und wo ist die Verantwortung von Christen für die vielen medizinischen Fachkräfte, die wegen der aktuellen Situation Burn out haben oder sogar den Beruf verlassen müssen?

  5. Es gibt Menschen die einfach Angst haben vor der mRNA-Impfstofftechnologie. Von der Kirche erwarte ich eigentlich Verständnis für diese Ängste und Sorgen.

    1. Es ist zu erwarten, dass es einige Möglichkeiten zur Impfbefreiung gibt und der Todimpfstoff ist in den Startlöchern. Daher zeichnen sich auch hierzu zumindest teilweise Lösungen ab.

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