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Meinung

Einer muss zurückziehen

Eine gesichtswahrende Lösung im Tauziehen um die Kanzlerkandidatur zwischen Markus Söder und Armin Laschet wird mit jedem Tag schwieriger. Deswegen müssen die beiden sich einigen – und zwar schnell.
Von Nicolai Franz
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Markus Söder und Armin Laschet wollen Kanzlerkandidaten werden Foto: pro/Jörn Schumacher; Initiative 27. Januar/Screenshot Israelnetz
Beide wollen: Markus Söder und Armin Laschet sind uneins in der K-Frage

Es gehört zu den großen Irrtümern mancher Führungspersonen, es sei ein Zeichen von Schwäche, wenn man auf Macht verzichtet. Der Streit um die Kanzlerkandidatur zwischen Markus Söder (CSU) und Armin Laschet (CDU) ist dafür wieder ein eindrückliches Beispiel.

In puncto Erfolgschancen ist die Sache klar – auf den ersten Blick: Wenn die Union das Kanzleramt behalten will, sollte sie auf Söder setzen. Nach 16 Jahren Merkel braucht die CDU einen Neustart. Ein CSU-Kanzler – und entsprechend viele CDU-Minister – in Koalition mit den Grünen wäre ein solcher Neuanfang. Mit Laschet als Spitzenmann droht der CDU auch ein Neuanfang. Nämlich in der Opposition, fürchten manche.

Freilich: Das Image eines Politikers kann sich schnell wandeln. Niemand weiß das besser als Markus Söder, der nicht wegen seiner Beliebtheit, sondern wegen seiner Wadenbeißer-Mentalität einst Horst Seehofer ausstechen konnte und Ministerpräsident wurde.

Seit der Pandemie gilt er zwar als weitsichtiger Landesvater und Krisenmanager, doch noch vor zwei Jahren galt er in der Öffentlichkeit als eher unbeliebter Karrieremensch. Viele Journalisten werden sich schon bald daran erinnern, dass sie Söder eigentlich gar nicht mögen. Auch seine Zustimmungswerte werden wieder bröckeln.

Laschet performt in Umfragen allerdings so schlecht, dass der Rückstand bis zur Wahl im September kaum aufholbar erscheint. In einer Forsa-Umfrage diese Woche hielten die Befragten CSU-Chef Söder zu 57 Prozent für „führungsstark“ und zu 36 Prozent für „dynamisch“. Bei Laschet lagen beide Werte bei 4 Prozent. In Worten: Vier.

In der Pandemie spielt Söder, anders als Laschet, sämtliche seiner Stärken aus: Intelligenz, Beharrlichkeit, Zähigkeit – und die Deutungshoheit über die Nachrichtenlage. Dabei ist der Wählerschaft wohl egal, dass die bayerische Corona-Bilanz nicht besser aussieht als die in Laschet-NRW.

Laschet hätte schon viel früher zurückziehen können, wenn er Söders Ambitionen nicht unterschätzt hätte. Der „starke Rückhalt“ in den CDU-Gremien ist eher eine gewonnene Vertrauensfrage als ein Stimmungsbild darüber, wen die CDU-Führung wirklich lieber als Kanzlerkandidaten hätte. Denn hätte die Parteiführung Laschet die Unterstützung verweigert, wäre er schwer beschädigt gewesen, hätte vielleicht gar zurücktreten müssen. 

Natürlich wusste der CDU-Chef das, aber er schickte lieber die Parteioberen vor, statt die Kandidatur mit Söder persönlich auszufechten. Klarer war das Votum der Unions-Bundestagsfraktion, wo sich deutlich mehr Abgeordnete für Söder aussprachen, viele wohl aus Angst, mit Laschet an der Spitze ihr Mandat zu verlieren.

Sicher, Söder ist gerissen vorgegangen. Als er ankündigte, sich nur mit der Unterstützung „der CDU“ zu bewerben, sagte er nicht, wen er damit meint: Parteiführung? Fraktion? Basis? Dass Laschet öffentlich so schlecht dasteht, ist auch das Ergebnis mancher Sticheleien des CSU-Chefs. Das Ergebnis ist eine Situation, in der eine gesichtswahrende Lösung in weiter Ferne scheint. Wahre Größe kann auch bedeuten, einem anderen den Vortritt zu überlassen. Diesen Schritt muss einer von beiden jetzt gehen. Und zwar schnell.

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13 Antworten

  1. “Der Klügere gibt nach”, – aber brauchen wir den Klügeren nicht gerade im Kanzleramt?

    Allein das jemand “die Macht will” wäre doch schon ein Argument gegen ihn.
    Selbstlose Führer fremdeln eher mit der “Macht” (man erinnere sich an die Gänse-Anekdote mit Martin von Tours)

    Bibelleser werden sich erinnern:
    “Ihr wisst, die als Herrscher gelten, halten ihre Völker nieder,
    und ihre Mächtigen tun ihnen Gewalt an.
    Aber so ist es unter euch nicht;
    sondern wer groß sein will unter euch, der soll euer Diener sein;
    und wer unter euch der Erste sein will, der soll aller Knecht sein.
    Denn auch der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse,
    sondern dass er diene
    und sein Leben gebe als Lösegeld für viele.”

  2. Ich bin sprachlos, dass ein derart sophistischer Beitrag, in dem die üblen Machtspiele einfach als gegeben hingenommen werden, in einem Portal erscheinen, das mal als Organ “evangelikaler Publizistik” angefangen hat.
    Im Grunde ist es eine klare Parteinahme für den populistischen Herrn Söder; die mit dürftigen Argumenten hantiert, bezeichnenderweise aber Umfragen als wesentlich erachtet, nicht etwa Fragen der Ethik oder des politischen Anstandes – oder sind solche Vorstellungen mittlerweile obsolet geworden?
    Inhaltlich wenig erhellend, sieht Herr Franz zwar, dass der als “weitsichtiger… Krisenmanager” geltende bayerische MP keine besseren Corona-Werte als NRW aufweist, aber er findet kein Wort der Kritik zu einem Verhalten und politischen Vorgehen, das zynisch und egoistisch heute das Gegenteil von dem abbildet, was gestern versprochen wurde. Können Christen ein derartiges Agieren, wo immer sie politisch auch verortet sind, unterstützen? Ich meine: Nein!
    Im FOCUS oder der WeLT wären bzw. sind solche Kommentare nicht verwunderlich, aber bei PRO hätte ich eigentlich doch mit anderem gerechnet.

    1. Wunderbar …genau so ist es!
      Ich gebe Ihnen 200 % recht.
      Und noch etwas: Diejenigen, die beide Personen gut kennen, ziehen Laschet vor, diejenigen, die die beiden nur von Statements aus dem Fernsehen kennen, finden Söder besser.
      Ich halte Laschet für absolut integer und fähig, die BR zu führen.
      Führen wird Söder auch können, aber ob so vermittelnd und einbeziehend wie Laschet, wag ich zu bezweifeln.!

    2. Natürlich enttäuschen uns Politiker oft.
      Andererseits sind wir nichtsdestoweniger aufgerufen, gerade für sie zu beten.
      “Das Erste und Wichtigste, wozu ich ´die Gemeinde` auffordere, ist das Gebet. Es ist unsere Aufgabe, mit Bitten, Flehen und Danken für alle Menschen einzutreten,´insbesondere` für die Regierenden und alle, die eine hohe Stellung einnehmen, damit wir ungestört und in Frieden ein Leben führen können, durch das Gott in jeder Hinsicht geehrt wird und das in allen Belangen glaubwürdig ist.” (1. Tim.)

      Vielleicht lassen Sie sich vor einem schnellen Urteil noch diese Gedanken von Bonhoeffer durch den Kopf gehen?
      “Es ist zwar nicht wahr, daß der Erfolg auch die böse Tat und die verwerflichen Mittel rechtfertigt, aber ebenso wenig ist es möglich, den Erfolg als etwas ethisch völlig Neutrales zu betrachten.

      Solange das Gute Erfolg hat, können wir uns den Luxus leisten, den Erfolg für ethisch irrelevant zu halten. Wenn aber einmal böse Mittel zum Erfolg führen, dann entsteht das Problem.
      Angesichts solcher Lage erfahren wir, daß weder theoretisch zuschauendes Kritisieren und Rechthabenwollen, also die Weigerung, sich auf den Boden der Tatsachen zu stellen, noch Opportunismus, also die Selbstpreisgabe und Kapitulation angesichts des Erfolges, unserer Aufgabe gerecht werden.

      Wer sich durch nichts, was geschieht, die Mitverantwortung für den Gang der Geschichte abnehmen läßt, weil er sie sich von Gott auferlegt weiß, der wird jenseits von unfruchtbarer Kritik und von ebenso unfruchtbarem Opportunismus ein fruchtbares Verhältnis zu den geschichtlichen Ereignissen finden. Die Rede vom heroischem Untergang angesichts einer unausweichlichen Niederlage ist im Grunde sehr unheroisch, weil sie nämlich den Blick in die Zukunft nicht wagt.
      Die letzte verantwortliche Frage ist nicht, wie ich mich heroisch aus der Affäre ziehe, sondern
      wie eine kommende Generation weiter leben soll. Nur aus dieser geschichtlich verantwortlichen Frage können fruchtbare – wenn auch vorübergehend sehr demütigende – Lösungen entstehen.
      Es ist sehr viel leichter, eine Sache prinzipiell als in konkreter Verantwortung durchzuhalten.”
      (Bonhoeffer)

      P.S.: Einen guten Einstieg zu Bonhoeffer liefert die Biographie von Eric Metaxas: https://www.scm-shop.de/bonhoeffer-70902.html

    3. Sehe ich auch so – pro hat für mich schon lange seine Klarheit verloren – leider. Für mich ist das ganze ein Spielchen, um die Grünen an die Macht zu bringen – Pro und das Volk spielt mit.

  3. Nachdem ich mich heute erstmals mit diesem Thema beschäftigt habe, meine ich, dass ein Kanzler, der rücksichtslos alles niederbügelt, was ihm im weg steht, nicht unbedingt der richtige ist. Im übrigen sind Umfrageergebnisse kein Qualitätsmerkmal, sondern mehr ein Haschen nach dem Wind. Mir, als Gläubigem, wäre ein Mann lieber, der klare Werte vertritt und nicht populistische Parolen von sich gibt. So oder so, es wird spannend!

  4. …also ich denke, dass wir den Kanzler bekommen den wir in unserem Land und Zustand verdienen!
    Denn der Herr setzt Könige ein und ab und er führt seine Pläne aus! Und ob wir in seinen ( Gottes ) Plänen wandeln, können wir nur im Gebet ( also im Dialog mit Gott ) herausfinden. Und diesen Dialog wünsche ich den beiden Herren Laschet und Söder von Herzen sehr!
    Nur dann wird der richtige Kandidat zum Segen für unser Volk und Land werden…

  5. Meinem Eindruck nach wird der “Machtkampf” in den Medien wesentlich schärfer dargestellt als er den Taten und Worten der Beteiligten nach ist. Die Intention ist nicht schwer zu erraten.

    1. Ihr Eindruck ist sicher nicht falsch. Leben viele Medien doch vom Aufbauschen, Skandalisieren, Problematisieren.
      Oder sogar vom freien Erfinden von emotionalen Geschichten. Dass Relotius gerade beim Spiegel reüssierte, und darüber hinaus noch Journalistenpreise reichlich erntete, ist entlarvend genug.

      Auch andere ehemalige Qualitätsmedien haben sich ins boulevardeske verabschiedet. So gibt es heute diese Überschrift bei der “Zeit” (bitte nicht anklicken, und damit auch noch belohnen):
      “Der beißende Geruch von Menschenfleisch” (über den Tod von Jamal Kashoggi). – Geradezu ekelerregend reißerisch.
      Die “Zeit” hat sich anscheinend von seriösem Journalismus endgültig verabschiedet.

  6. Volker Pispers sagte einmal der Zug fährt eh immer in die Gleiche Richtung. Es wird nur der Lockführer ausgetauscht.
    „Frauofrau“
    Ich lach mich glatt kringelig. So jemand will Kanzler werden.
    Kobold statt Kobalt
    Stromnetz als Speicher
    Und Deutschland als größte Volkswirtschaft der Welt.

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