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Meinung

Durch die enge Pforte zum ökumenischen Gottesdienst

Was macht die Pandemie mit der Ökumene? Wenn der Weg dorthin so hürdenreich ist wie der Besuch des Gottesdienstes, haben wir noch einiges vor uns. Aber auch das Potenzial ist nicht zu übersehen. Eine kleine Satire von Jürgen Mette
Von Jürgen Mette
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Jürgen Mette Foto: PRO/Jürgen Mette
Jürgen Mette hatte es nicht so leicht, in den ökumenischen Gottesdienst zu kommen

Am Eingang der lutherischen Pfarrkirche St. Marien in Marburg stand eine herzensgute und charmante Dame und atmete artig durch die FFP-2-Atemschutzmaske. Der Arbeitskreis Christlicher Kirchen (ACK), hatte – wie jedes Jahr am zweiten Pfingsttag – zum ökumenischen Gottesdienst eingeladen. Begrüßungsdienst muss eine Herzensangelegenheit sein, das spürte man bei dieser ehrenamtlichen Mitarbeiterin. Sie begrüßte uns so freundlich, dass erst die alles entscheidende Frage „Haben Sie sich online angemeldet?“ uns auf den Boden der staatlich verordneten Pandemieregeln zurückholte. Das ist Bürgerpflicht, aber ich erlaube mir ein paar ungehobelte Anmerkungen zum Prozedere der Registrierung. Ich wurde an einen Spruch meines Lieblingskabarettisten Gerhard Polt erinnert: „Das Paradies ist, wo einer aufpasst, dass keiner rein kommt!“

Nein, wir hatten uns nicht angemeldet. So landeten wir auf der Warteliste, die uns von der netten Begrüßerin einleuchtend erklärt wurde. Früher bin ich doch immer hier rein gekommen, dachte ich bei mir. Aber eben nicht während einer Pandemie.

In der Reformationszeit wurde die Pfarrkirche zur Hessischen Kathedralkirche, zur Universitätskirche und – als Hofkirche – Grablege von Landgraf Philipp, der mit Martin Luther die Reformation in Hessen eingeführt hat.
Die Auseinandersetzungen um die Einführung des reformierten Bekenntnisses führten im August 1605 zur Zerstörung der mittelalterlichen Ausstattung. Da wurde im Namen des Herrn der Kirche eifrig Kleinholz gemacht: Auf Weisung von Klerus und Obrigkeiten, die die reformatorische Lehre angenommen hatten, wurden Gemälde, Skulpturen, Kirchenfenster und andere Bildwerke mit Darstellungen Christi und der Heiligen sowie weiterer Kirchenschmuck – teilweise auch Kirchenorgeln – aus den Kirchen entfernt, teils verkauft oder beschlagnahmt, zerstört oder beschädigt. Das Wort Gottes sollte klar und rein verkündigt und jede Ablenkung durch „das Bild“ vermieden werden. Da sind wir doch heute mit der Ökumene schon ein Stück weiter.

Nacktscanner an der Himmelstür

Inzwischen waren wir nicht angemeldeten Schnarchnasen auf sehr nette Weise vom Mainstream abgekoppelt und in die Ecke gestellt worden. Der zweite Mitarbeiter im Begrüßungsteam, einer der hauptamtlichen Pastoren im ACK-Team, der die Eintrittslisten an der Himmelstür abhakte, hatte mich erkannt und beruhigte mich, dass ich auf der Warteliste ganz oben stehe. Seine charmante Kollegin musste jeden Online-Gemeldeten fragen, ob er oder sie sich über die katholische oder die evangelische Hotline angemeldet habe. Der Weg zur Ökumene Christi scheint doch weiter, als gedacht.

Da war es wieder, dieses Image, das dem Wesen der Kirche völlig fremd ist. Die Türen sollen weit offen stehen für Gläubige und Nichtgläubige, für Kunstbanausen und Kunstversteher, für liberale und konservative Christen, für Kritische und Gutgläubige. Aber man soll sich beizeiten registrieren, sonst heißt es irgendwann: Stopp! Kirche ist überfüllt! Was für ein schönes Problem. Ich witzele mit dem Kollegen, der die Listen an der engen Pforte verwaltet, ob man den Andrang derer, die rein wollen, nicht durch einen Ganzkörperscanner bewältigen könnte. Ich höre schon den Piepser, der auf allen Flughäfen der Welt gleich klingt.

Und dann fällt mein Blick am Eingang zum inneren Kirchenschiff auf den Desinfektionsmittelspender, der eifrig benutzt wird und mich an den katholischen Weihwasserbehälter erinnert. Eine amüsante Vorstellung wäre eine ökumenische Befeuchtungsschranke mit einer heilsamen Mixtur aus Weihwasser aus dem Jordan und einem Desinfektionsmittel aus heimischer Ökoproduktion. Seltsam, dass Jürgen Fliege noch nicht auf diese Marketingidee gekommen ist.

Ach, ja, die Jazzband war erstklassig und die Predigt hatte Tiefgang. Aber seitens der Akustik ist in der 1288 im gotischen Stil erbauten Kirche, bestehend aus Chor und dreischiffigem Hallenlanghaus, noch viel Luft nach oben.

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3 Antworten

  1. Jesus sagt: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken. Allerdings ohne genesen, geimpft oder getestet geht nichts. Aber in einer Pandemie kann man ohnehin nicht alle retten. Wer Hilfe bei Gott sucht sollte schon soviel Verständnis mitbringen sich ordentlich anzumelden, sein Gesicht verhüllen und auf keinen Fall einem anderen die Hand reichen. Zu Jesus kann ich kommen wie ich bin, das sind Formulierungen aus einer anderen Zeit. Früher haben wir noch gelehrt, ohne Jesus gehst du verloren. Wer glaubt denn heute noch sowas. Immerhin kann sich jeder auf eine Warteliste setzen lassen–Danke liebe Kirche das es bei dir keine Notfälle gibt.

  2. Hat mir sehr gut gefallen! Man hofft, dass man irgendwann ganz normal in den Gottesdienst Raum gehen kann. Ohne Singen ist für mich der Gottesdienst sehr traurig. Herzliche Grüße

  3. Ökumenische Gottesdienste sind gegen die Lehre der Bibel, weil in ihnen Wahrheit und Irrlehre vermischt wird, weil eine Gemeinschaft vorgetäuscht wird, die es gar nicht gibt. Gottes Wille und Ordnung ist, sich von denen geistlich getrennt zu halten, die nicht gemäß der Bibel lehren, Röm. 16,17; 2. Kor. 6,14-18. Übrigens ist viel Inneres in den Kirchen in Hessen nicht zerstört worden, weil die Obrigkeit und der Klerus “reformatorisch” wurden, denn das geschah schon unter Landgraf Philipp, sondern weil Landgraf Moritz reformiert oder calvinistisch geworden war und diese gesetzliche Richtung solches nicht dulden wollte.

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