Meinung

Die Kirche kann von Bienen einiges lernen

Ulrich Beckwermert ist katholischer Priester – und fasziniert von Bienen. Von denen können Menschen viel lernen, zeigt er in einem Buch. Ihr gutes Miteinander könnte ein Vorbild für das Zusammenleben von Christen und Nicht-Christen sein.
Von Johannes Blöcher-Weil
Biene auf einer Blüte

Der katholische Priester Ulrich Beckwermert ist fasziniert von Bienen. Aus seiner Sicht leben sie in einer besonderen Gemeinschaft. In seinem neuen Buch vergleicht er die Welt der kleinen Tiere mit dem menschlichen Zusammenleben und kommt dabei zu interessanten Ergebnissen.

Das Buch ist aber nicht nur für die kirchennahe Klientel geeignet. Seine Gedanken lohnen sich auch für alle, die bisher wenig oder gar nichts mit dem christlichen Glauben am Hut haben. Eine erste Analogie ist für Beckwermert die Tatsache, dass eine Biene alleine nichts zu tun vermag: „Sie kann nur in einer Gemeinschaft mit anderen Artgenossen leben.“ Auch Christen seien auf die Gemeinschaft mit anderen angewiesen und könnten davon profitieren.

Ein Plädoyer für Nachhaltigkeit

Nicht jeder Vergleich des Autors ist ganz nachvollziehbar. Ob man jetzt eine Querverbindung des königlichen Luxus‘ der Biene zum Luxus der Kirche ziehen muss, ist fraglich. Aber trotzdem hat der Theologe einige weitere interessante Beispiele parat. So sichere die Biene anderen durch ihre Existenz das Überleben. Auch dies könne man auf das menschliche Zusammenleben übertragen und weiterdenken. Das Buch ist auch ein Plädoyer für Nachhaltigkeit und den richtigen Umgang mit der Schöpfung. Wenn dem Menschen und allen Geschöpfen in der Natur gutes Leben ermöglicht werde, „geht die ganze Schöpfung ihrer Vollendung entgegen“, schreibt der Theologe.

Wie das Summen der Bienen Foto: Bonifatius Verlag

Ulrich Beckwermert: „Wie das Summen der Bienen: Was die Kirche von Honigbienen lernen kann“, Bonifatius, 144 Seiten, 16,50 Euro, ISBN 9783897109162

Beckwermert nennt noch etliche weitere Beispiele. So reife der Honig etwa, wo es stockdunkel ist. Ähnliches beobachtet er auch im Bereich der Kirche. Dort werde viel Arbeit im Hintergrund geleistet, durch die eine Stadt oder ein Umfeld geprägt werden. Genau wie die einzelne Biene wisse, was sie zu tun habe, sei auch in der Kirche jeder einzelne Dienst von Bedeutung für das Umfeld.

Der Theologe bricht eine Lanze für das ehrenamtliche Engagement in der Kirche, ohne „das ihr ein wesentliches Zeugnis“ fehle. Analog zu den Bienen gebe der Fleiß und die Begeisterung der Ehrenamtlichen vielleicht auch anderen Menschen „neuen Geschmack am Zusammensein und der Gemeinschaft“ innerhalb der Kirche.

„Es braucht eine menschenfreundliche Kirche“

Viele prognostizierten der Kirche eine düstere Zukunft. Kirche müsse ein Ort der Annahme und des Miteinanders sein. Wo dies geschehe, hörten Feindschaft und Einsamkeit auf. Wer vor einer großen Kirche stehe, sehe oft keine Anzeichen, dass drin „gebetet, gearbeitet und gelebt wird“. Dies gelte es aber deutlich zu machen.

Kirche könne auch damit wuchern, dass der christliche Glauben eine Arznei gegen den Tod habe: „den Leib Christi“. Der Theologe wünscht sich eine Kirche, die für Verfolgte und Gefangene betet und staatliche Repressalien kritisiert. Auch den eigenen Konsum und den Umgang mit den Geschöpfen Gottes müssten Christen in den Blick nehmen: „Der Dienst der Kirche ist immer ein Akt der Menschenfreundlichkeit.“

Seine wichtigsten Erkenntnisse hat er am Ende des Buches noch einmal in „10 Stockgeboten“ zusammengefasst. Zwei Rezepte, was mit Honig möglich ist, runden das kleine Büchlein ab. Kurze Kapitel, interessantes Wissen über das Leben der Biene und eine Anwendung für die Praxis von Kirchengemeinden. Beckwermert ist es gelungen, ein eher unorthodoxes Thema in den christlichen Kontext zu stellen und kurzweilig aufzubereiten.

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Eine Antwort

  1. „Eine erste Analogie ist für Beckwermert die Tatsache, dass eine Biene alleine nichts zu tun vermag: „Sie kann nur in einer Gemeinschaft mit anderen Artgenossen leben.“

    Stimmt so nicht ganz, 95% der Wildbienen leben solitär, sind also Einzelgänger.

    „Der Theologe wünscht sich eine Kirche, die für Verfolgte und Gefangene betet und staatliche Repressalien kritisiert.“

    Das wünsche ich mir auch. Dabei sollten vor allem staatliche Repressalien im eigenen Land kritisiert werden, z.B. die Ächtung und den Ausschluß Ungeimpfter aus dem gesellschaftlichen Leben.

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