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Den Porno-Portalen an den Kragen

Schon Achtjährige kommen ungehindert an Pornografie. Doch damit könnte bald Schluss sein: Der Europarat forderte kürzlich eine ganze Reihe an Änderungen zum Schutz Minderjähriger vor pornografischen Inhalten. Einigen Portalen droht in Deutschland die Sperrung.
Von Swanhild Brenneke
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Foto: Charles Deluvio

Das Portal xHamster könnte bald in Deutschland wegen fehlenden Jugendschutzes gesperrt werden

„Pornografie zerstört Seelen. Nicht jede, aber viele.“ Der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Heinrich fordert strengere Kontrollen in der Porno-Industrie und ein höheres Bewusstsein dafür, was Porno-Konsum auslösen kann. Im November stellte er im Gleichstellungsaussschuss des Europarats einen Bericht und eine Resolution zum Thema vor mit einer Liste von Empfehlungen. Beides wurde mit nur zwei Gegenstimmen angenommen. Volle Zustimmung erfuhr das Papier ebenso kurze Zeit später im Hauptausschuss des Rates in Rom.

Heinrich thematisiert in seinem Bericht unter anderem das Frauenbild in der Pornografie und die Auswirkungen davon auf Jugendliche. Es werde vermittelt, dass sich Frauen in der Rolle des Sex-Objektes wohlfühlten. Eine Studie der britischen Einrichtung UK Safer Internet Center habe zum Beispiel herausgefunden, dass sich nur 21 Prozent junger Männer und 40 Prozent junger Frauen bewusst waren, dass Pornografie Sexualität unrealistisch darstellt. Besonders Jungen nutzten Porno-Portale häufig als Bildungswerkzeug, um mehr über Sex zu lernen. Das sei fatal, denn neben dem degradierenden Frauenbild vermittelten Pornos häufig auch, dass Gewalt in der Sexualität okay sei. „Da werden Gewaltphantasien nicht nur ausgelebt, sondern normalisiert“, sagt Heinrich im Gespräch mit PRO. 

„Es geht nicht darum, Erwachsene in ihren Rechten einzuschränken. Sondern darum, Kinder und Jugendliche zu schützen.“

Martin Leupold, Leiter Weißes Kreuz e. V.

Dass sich durch den Konsum pornografischer Inhalte sogar die Gehirnstruktur verändern kann, fand das Max-Planck-Institut heraus. Es zeigte sich: Je öfter jemand Pornografie konsumiere, desto mehr stumpfe das Gehirn diesbezüglich ab. Die Reize müssten immer extremer werden, um Befriedigung zu erleben. 

Bei der Anhörung des Berichts im Europarat habe ein Psychologe von der Berliner Charité Ähnliches erklärt, sagt Heinrich. Besonders gefährlich sei das für junge Menschen, deren Sexualität und Persönlichkeit sich gerade erst entwickele, erklärt Nikolaus Franke, Fachreferent des Beratungsstellennetzwerks Weißes Kreuz.

Er nennt eine Studie der Universität von Alabama und der Purdue Universität, die herausfand: Je früher der Erstkontakt mit Pornografie stattfindet, umso wahrscheinlicher ist es, dass später pädophile, also zum Beispiel Kinderpornografie konsumiert wird. Einfach, weil der Abstumpfungseffekt groß sei, sagt Franke, da sich die Sexualität erst im Werden befinde. Martin Leupold, Leiter des Weißen Kreuzes, nennt die Polizei­liche Kriminal­statistik (PKS) vom vergangenen Jahr. Die habe nicht nur festgestellt, dass die Herstellung und Verbreitung von Kinderpornografie zwischen 2018 und 2020 deutlich zugenommen habe.

„Besonders erschreckend fand ich: Der Anteil von Kindern und Jugendlichen, die solche Dinge verbreiten, ist sehr stark angestiegen. Es gibt viele Heranwachsende, die so etwas produzieren“, sagt Leupold. Laut PKS hat sich die Zahl von Kindern und Jugendlichen, die Missbrauchsabbildungen – insbesondere in den Sozialen Medien – weiterverbreiteten, erwarben, besaßen oder herstellten, seit 2018 mehr als verfünffacht: von 1.373 auf 7.643 angezeigte Fälle im Jahr 2020. 

Mehr Aufklärung in den Schulen

Die Corona-Pandemie hat auch den Porno-Konsum verändert. Das weltweit größte Portal PornHub ist eines der wenigen, das seine Zugriffszahlen veröffentlicht. Zu Beginn der Pandemie zwischen März und Juli 2020 verzeichnete es bis zu 26 Prozent mehr Klicks pro Tag als vor Corona – der Anbieter machte damals seinen Premium-Zugang vorübergehend kostenlos zugänglich.

Der Erstkontakt mit Pornografie liege laut Studien durchschnittlich bei zehn bis 14 Jahren, sagt Franke. „Da sind auch Achtjährige dabei.“ Sobald Kinder ein Smartphone in der Hand hätten, oft bereits in der Grundschule, hätten sie auch Zugang zu Pornografie, sagt Leupold. Oft gehe es darum, in der Gruppe auf dem Schulhof mitzureden. „Manchen gefällt gar nicht, was sie sehen oder verschicken.“ Aber sie hätten das Gefühl, sich beweisen zu müssen.

Der Europarat fordert in seiner Resolution deshalb, Jugendliche und auch Eltern besser aufzuklären über den Einfluss von Pornografie. CDU-Mann Heinrich meint, das müsse so wie der Sexualkundeunterricht auf den Lehrplänen stehen. Auch Pornografie­filter, zum Beispiel auf Bibliothekscomputern oder am Arbeitsplatz, empfiehlt der Europarat.

Heinrich findet sogenannte Opt-In- und Opt-Out-Verfahren auf privaten Geräten ebenfalls gut, um den Zugriff von vornherein zu beschränken. Die Verfahren beschreiben die ausdrückliche vorherige Zustimmung zur Speicherung und Verarbeitung der eigenen Daten beziehungswiese die Untersagung der Datenverarbeitung, sodass bestimmte Dienste nicht genutzt werden können. Das Weiße Kreuz findet die Vorschläge gut. „Es geht nicht darum, Erwachsene in ihren Rechten einzuschränken. Sondern darum, Kinder und Jugendliche zu schützen“, sagt Leupold.

Der Europarat fordert zudem, dass man sich registrieren muss, um Porno-Videos auf Portalen hochzuladen, und dass die Anbieter diese Daten speichern, um Missbrauch einfacher verfolgen zu können. Auch Nachweise, die das Einverständnis der Darsteller sichern, seien wichtig. Die Erfahrung aus seinem Engagement für Menschenrechte habe ihn gelehrt, dass Pornografie ein Einstieg in die Prostitution sein könne und sich Darstellerinnen am Ende nicht selten in „Knebelverträgen“ wiederfänden, sagt Heinrich. Er wünscht sich Ausstiegsklauseln in den Porno-Verträgen.

Komplettes Porno-Verbot hilft nicht

Unabhängig vom Europarat entschied das Verwaltungsgericht Düsseldorf im Dezember, dass deutsche Jugendschutzbehörden drei große ausländische Porno-Portale bei deutschen Internet­anbietern sperren lassen können, wenn diese weiterhin gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag verstoßen. Denn laut Strafgesetzbuch dürfen unter 18-Jährigen keine pornografischen Inhalte zugänglich gemacht werden. YouPorn, Pornhub und Mydirtyhobby müssen nun die Nutzer verpflichten, nachzuweisen, dass sie volljährig sind. Geschieht dies nicht, droht die Sperrung in Deutschland. Weil dadurch persönliche Daten erhoben werden, ist das bei den Anbietern unbeliebt.

Das Portal xHamster ist schon länger einer geforderten Altersverifikation nicht nachgekommen. Nach Angaben der Landesanstalt für Medien (LfM) Nordrhein-Westfalen weigerte sich der Anbieter, mit den Behörden zu kommunizieren. Die LfM beantragte im Dezember unter anderem bei Telekom und Vodafone eine Netzsperre. Die Anträge werden derzeit geprüft.

Heinrich betont, es gehe nicht darum, Pornografie komplett zu verbannen. „Das führt zu Schwarz-Weiß-Denken. Und das hilft gegen die Gefahren, die dahinterstehen, gar nicht.“ Es brauche eine differenzierte Aufklärung in der Gesellschaft. Die Gesetzgebung dürfe sich auch nicht nur auf Jugendliche beschränken. „Sonst gibt es nur bis zum Alter von 18 Jahren scharfe Bedingungen. Dann ist der Reiz, das zu umgehen, noch größer.“

Franke ergänzt, auch viele Erwachsene wollten sich vor unfreiwilligem Konsum schützen, zum Beispiel ehemalige Porno-Süchtige. Leupold sagt: „Viele denken, Kritik an Pornografie hätte nur christlich-moralische Gründe. Die kann man haben. Aber das ist nicht, warum wir das Thema für die Politik so wichtig finden: Nämlich wegen der Folgen für Heranwachsende.“

Wie die Forderungen des Europarats, der keine direkte rechtliche Handhabe über die einzelnen Mitgliedsländer wie die EU hat, umgesetzt werden, hängt nun an einzelnen Politikern und Institutionen. „Es kommt darauf an, wer den Faden aufnimmt“, sagt Heinrich. Wichtig seien Nichtregierungsorganisationen, Meinungsvertreter und Stellen wie das Weiße Kreuz, die die Umsetzung der Empfehlungen einfordern. Das Weiße Kreuz will vor allem durch Aufklärung und Erfahrungsberichte daran mitwirken. Besonders wichtig sei die „Medienmündigkeit“ von Heranwachsenden, sagt Leupold. „Alle Verbote werden immer wieder unterlaufen werden, wenn nicht gleichzeitig die Kinder und Jugendlichen selbst ein Bewusstsein dafür entwickeln, was ihnen nicht gut tut.“ Es brauche eine positive Vision und ein gutes Bild von Liebe und Sexualität, um den Gefahren von Porno-Konsum in jungen Jahren entgegenzuwirken.

Dieser Text erschien zuerst in der gedruckten Ausgabe von PRO – das christliche Medienmagazin. Mehr Infos zum Magazin gibt es hier.

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2 Antworten

  1. Genau so wie die kriminellen Pornoinhalte gewisser Medienanbieter unbedingt verboten oder eingeschränkt werden müssen , so muß auch immer wieder an die Eltern und Erzieher appelliert werden, daß diese genauso ihre Kinder ” sehmäßig ” auch nicht gänzlich unbeaufsichtigt lassen sondern auch manchmal genauer und überraschender genauer hinschauen wo die “Kleinen”, so surfen ? Auf jeden Fall nicht immer mit dem Segelboot !

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