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DBK-Generalsekretärin Gilles: „Sind nicht mehr der Mega-Player“

Nach Ansicht von DBK-Generalsekretärin Beate Gilles hat die Katholische Kirche ihre Vormachtstellung eingebüßt. Die Theologin fordert von ihrer Kirche einen Haltungswechsel.
Von Johannes Blöcher-Weil
Die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz Beate Gilles
Die Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz Beate Gilles wünscht sich von ihrer Kirche einen Haltungswechsel

Die Katholische Kirche hat nach Ansicht der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Beate Gilles, ihre Vorrangstellung verloren. „Wir sind nicht mehr der Mega-Player“, sagte die katholische Theologin der Kölner Kirchenzeitung, „sondern der kleinere Teil in der Gesellschaft“. Gilles fordert neue Perspektiven, andere Strukturen, und dass die Kirche in der Realität ankommt. Aus ihrer Sicht gehe es darum, auf die Zukunftsfähigkeit der Kirche zu schauen. „Es muss ein Haltungswechsel stattfinden“, erklärte Gilles in dem Interview.

Die Corona-Pandemie habe die sinkenden Zahlen von Gottesdienstbesuchern zusätzlich verschärft. Gleichzeitig gebe es in der Katholischen Kirche in vielen Fragen eine „große Ohnmacht, weil es eben nicht eine einfache Lösung gibt“. Gilles betont, dass die Bischöfe den Bedeutungsverlust erkannt hätten und überlegten, was dies etwa für die künftige Seelsorge bedeute.

Sie selbst müsse als Generalsekretärin die Arbeit der Bischofskonferenz organisieren und die Gremien begleiten. Oft gehe es um eine gemeinsame Basis der Bistümer und die Frage, wie man mit Spannungen umgehe: „An der Stelle muss ich auch aushalten können.“ Sie sehe ihre Aufgabe darin, sich Vertrauen zu erarbeiten, damit die Bischofskonferenz ihre Arbeit tun kann. In erster Linie gehe es darum, etwas zu ermöglichen und zuzuarbeiten.

Mit Gottvertrauen und Gelassenheit

Gilles zeigte sich erfreut darüber, dass die Kirche in der Sicht auf die Familie und in Fragen von Beziehungsformen in Bewegung komme. Mit den entsprechenden Kommissionen gelte es, solche Prozesse zu fördern. In den Bistümern öffneten sich im Moment „Fenster“. Aber auch der öffentliche Druck sorge dafür, dass hier etwas geschehe.

Kirchenintern gehe es darum, den beschlossen Synodalen Rat auf den Weg zu bringen, um veränderte Konzeptionen zu schaffen und mehr Beteiligung zu ermöglichen. Sie gehe diese Aufgabe mit einer „großen Portion Gottvertrauen und einer gewissen Gelassenheit“ an. Es gelte, guten Ideen aus dieser Bewegung aufzugreifen und ihnen Raum zu geben.

Gilles ist seit dem 1. Juli 2021 Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz. Sie ist die erste Frau in diesem Amt. Die passionierte Marathon-Läuferin ist 52 Jahre alt. Zuvor war sie 10 Jahre im Bistum Limburg beschäftigt

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2 Antworten

  1. “dass die Kirche in der Sicht auf die Familie und in Fragen von Beziehungsformen in Bewegung komme”
    Was soll nun dieser Satz bedeuten?

    Damit die Kirche ihren Auftrag erfüllen kann, Bote von Gottes Liebe zu sein, ist allein die Orientierung an Christus maßgebend:
    “Und Pharisäer traten hinzu und fragten ihn, ob es einem Mann erlaubt sei, sich von seiner Frau zu scheiden, und versuchten ihn damit.
    Er antwortete aber und sprach zu ihnen: Was hat euch Mose geboten?
    Sie sprachen: Mose hat zugelassen, einen Scheidebrief zu schreiben und sich zu scheiden.
    Jesus aber sprach zu ihnen: Um eures Herzens Härte willen hat er euch dieses Gebot geschrieben;
    aber von Anfang der Schöpfung an hat Gott sie geschaffen als Mann und Frau. 

    Was nun Gott zusammengefügt hat, soll der Mensch nicht scheiden.
    Und im Haus fragten ihn die Jünger abermals danach. Und er sprach zu ihnen: Wer sich scheidet von seiner Frau und heiratet eine andere, der bricht ihr gegenüber die Ehe;
    und wenn die Frau sich scheidet von ihrem Mann und heiratet einen andern, bricht sie die Ehe.”

    Wieviel tiefe Verletzungen könnten vermieden werden, wieviele lebenslange Traumata von Scheidungswaisen, wenn Eheleute miteinander liebevoll umgingen.
    Das beginnt schon damit, dass man in Beziehungen nicht “hineinschlittert”, bevor die lebenslange gemeinsame Perspektive geklärt wurde, dass man vor der Ehe nicht vorwegnimmt, was nur in der Ehe den geborgenen Rahmen finden kann.

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  2. Das größte Problem sehe ich darin, dass es schwierig ist, einen guten passenden Partner überhaupt zu finden. Dann, dass man nicht in der Lebensspanne offen ist für Ehe und Familie, wo es natürlicherweise geboten ist. Unsere Vorfahren meinten, dass man mit 30 unter der Haube sein sollte. Heute weiss man, da fängt der Hormonhaushalt langsam an, runter zu fahren. Und generell ist unsere Gesellchaft in der öffentlichen Meinung eher dagegen mit Ausnahme der Queervögel, lustigerweise. Vor 20 Jahren hielt diese Community das noch für altmodisch und überholt. Kirchen sollten die göttliche Orientierung hoch halten und nicht der Weltmeinung hinterher hecheln. Die Natur lässt sich auf Dauer sowieso nicht überlisten.

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