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Den Tod nicht verdrängen

Bevor der verstorbene Benedikt XVI. beigesetzt wurde, war sein Leichnam für einige Tage im Petersdom aufgebahrt. Eine wertvolle Tradition, denn die Lebenden sollten den Tod nicht verdrängen.
Von Nicolai Franz
Benedikt XVI, Petersdom, aufgebahrt, Tod

Foto: Vatican Media/epd

In den Tagen vor seiner Beisetzung war der Leichnam des früheren Papstes Benedikt XVI. im Petersdom aufgebahrt, sodass die Gläubigen von ihm Abschied nehmen konnten

Am Donnerstag ist der emeritierte Papst Benedikt XVI. beigesetzt worden. Tausende waren vor Ort, Millionen auf der Welt sahen zu. Die Trauerfeier folgte zwar auch einem strengen Protokoll wie bei der Beerdigung von Queen Elizabeth vor nur wenigen Monaten – allerdings mit deutlich weniger Prunk.

Ein einfacher, eckiger Holzkasten ist der Sarg des emeritierten Papstes, der wie kaum ein anderer die Theologie der katholischen Kirche beeinflusste.

Was in Vielen eher nachhallen dürfte: Die Bilder des toten, aufgebahrten Joseph Ratzinger, die der Vatikan schon vor Tagen veröffentlichte. Natürlich berichteten die Medien darüber und veröffentlichten die Fotos davon, wie der verstorbene Papst zwischen Altar und Christbaum aufgebahrt lag. Die Kommentarspalten unter den Artikeln schwankten zwischen Anteilnahme und völligem Unverständnis: Solche Fotos hätten in der Öffentlichkeit nichts verloren. Tote Menschen – die gehören nicht in eine (Online-)Zeitung oder einen Tagesschau-Beitrag.

Ich sehe das anders. Und muss etwas ausholen. Auf dem Moveo-Medienkongress, unter anderem veranstaltet von der Christlichen Medieninitiative pro, hielt ein prominenter Gesellschaftsforscher vom Rheingold Institut einen Vortrag: Stephan Grünewald.

In einer anschließenden Diskussionsrunde ging es auch darum, warum der Glaube in Deutschland verdunstet. Das ist eben die Säkularisierung, dachte ich reflexartig.

Doch was der katholische Psychologe dann sagte, ließ mich aufhorchen. Seiner Meinung nach hat die schwindende Kirchlichkeit stark mit der Tatsache zu tun, dass wir den Tod verdrängen. Ein Rentner habe es in einem Tiefeninterview mal auf den Punkt gebracht: „Alle müssen einmal sterben – vielleicht auch ich.“

Nein, nicht vielleicht – wir alle werden wirklich einmal sterben müssen. Und genau daran werden wir erinnert, wenn wir einen toten Menschen sehen. Das wollen wir nur allzu gerne verdrängen. Denn wenn wir über unser eigenes Ende nachdenken, dann müssten wir uns ja auch um unser Leben – und Sterben – kümmern, könnten uns nicht mehr ablenken lassen von den vielen Möglichkeiten, die das irdische Leben uns so bietet.

Am Ende werden wir vor unserem Schöpfer stehen. Gut, wenn wir uns jetzt schon darauf vorbereiten und uns auf Jesus Christus einlassen. Ob die Bilder des toten Papstes vielleicht manche wohlstandssatte Deutsche ins Nachdenken gebracht haben? Ich hoffe es.

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3 Antworten

  1. Nur weil unsere Zeit auf Erden begrenzt ist, ist sie so wertvoll.
    “Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden.” (Psalm 90)

    P.S. Ich habe gerade erneut Ratzingers Buch “Jesus von Nazareth” aufgeschlagen. Sehr erhellende und hilfreiche Erkenntnisse.

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  2. Ein einfacher, eckiger Holzkasten? Laut kath.ch liegt Benedikt XVI. in einem Zypressensarg, dieser wiederum in einem Zink- und Eichensarg, also in einem dreifachen Sarg. Nach meinem Verständnis alles andere als einfach.

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  3. Ich empfinde das als Unsitte, einfach unmoralisch, dass man einen toten Menschen offen und tagelang öffentlich zur Schau stellt, damit jede/r noch einmal den Toten begaffen kann. Wo doch jeder Christ weiß, dass dort tatsächlich nur noch die leibliche “Hülle” liegt, ein seelenloser Corpus. Ich finde das schlichtweg pietätlos.

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Kommentare sind geschlossen.

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