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„Das Corona-Virus hat auch die Pressefreiheit infiziert“

Journalisten werden auf offener Straße bedroht oder umgebracht. Grund dafür waren häufig kritische Berichte über die Corona-Politik des jeweiligen Landes. Wie es gelingen kann, die Pressefreiheit und das Vertrauen in die Medien zu sichern, haben Experten bei den Münchener Medientagen diskutiert.
Von Johannes Blöcher-Weil
Christian Mihr

Foto: Medientage München

Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, warnte vor den Gefahren für Medienschaffende, die von Querdenken-Demonstrationen ausgehen würden

Christian Mihr, Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, hat bei den Münchener Medientagen berichtet, dass 2020 29 Journalisten und vier Medienmitarbeiter getötet wurden und zusätzlich 339 im Gefängnis saßen. Dabei stellte Mihr fest, dass das Corona-Virus auch die Pressefreiheit infiziert habe: „Länder mit mehr Pressefreiheit waren erfolgreicher bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie.“

In 27 Prozent der Länder weltweit sei die Pressefreiheit gut oder zufriedenstellend. Für jedes Land, in dem dies nicht der Fall sei, gebe es individuelle Erklärungsmuster. Deutschland gehöre in der Rangliste 2020 nicht mehr zur Spitzengruppe. Dies habe auch mit der Gewalt gegen Journalisten, etwa auf Querdenker- oder Corona-Demonstrationen, zu tun. Obwohl die Gewalt gegen Journalisten zunehme, würden die Menschen den Medien vertrauen. Die schrumpfende Pressevielfalt sei dabei fast ein „Luxusproblem“.

Oft würden Staaten das Recht in Gerichtsverfahren gegen unabhängige Journalisten missbrauchen. Mihr ergänzte, dass sich die Pressefreiheit im Netz in einem transnationalen Raum konstituiere. In Diktaturen und autoritären Ländern würden die sozialen Kanäle zum einen kontrolliert und zensiert, zum anderen schafften sie auch Öffentlichkeit: „Es ist die große Regulierungsaufgabe für die Pressefreiheit im digitalen Raum, dieses Freiheitsversprechen einzulösen und gleichzeitig Hass und Hetze zu minimieren.“

Eigene Investigativ-Recherche wurde mundtot gemacht

Der Digital-Chefredakteur von Ippen.Media, Markus Knall, berichtete darüber, wie die Investigativ-Recherche seines Teams über Bild-Chefredakteur Julian Reichelt mundtot gemacht wurde. Sein Verleger habe Bedenken grundsätzlicher Art zur Recherche geäußert. Im Rahmen der Debatte habe eine inhaltliche Neu-Bewertung stattgefunden. Durch die veränderte Nachrichtenlage habe man die Recherche-Ergebnisse dann nicht mehr veröffentlichen können.

„Wir haben uns bei den Opfern entschuldigt. Aus meiner Sicht hätten wir die Geschichte veröffentlichen müssen“, machte Knall aus seiner Enttäuschung keinen Hehl. Die Aufarbeitung des Themas gehe nicht spurlos am Verlag vorbei. Positiv sei, dass aktuell soviel über Journalismus diskutiert werde, wie nie zuvor: „Es ging ja um den Chefredakteur eines sehr wichtigen Mediums. Ich muss mit meinem Verleger nicht immer alle Einschätzungen teilen, aber wir müssen wissen, wie wir in solchen Situationen agieren.“

Der ARD-Investigativjournalist Olaf Sundermeyer, angestellt beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb), sah eine innere Bedrohung darin, zu glauben, dass die Mehrheit der Menschen „uns als Medien nicht mehr wollen“. Die Angriffe gegen Medien gingen von einer Minderheit aus: „Dabei handelt es sich fast immer um dieselben Menschen. Diejenigen, die unsere Arbeit kritisieren, haben oft alle Hemmungen verloren: Lasst uns weiter unsere Arbeit machen“, forderte Sundermeyer.

„Medien sind wichtig für eine funktionierende Demokratie“

Die Chefredakteurin von ntv und ntv.de, Sonja Schwetje, wies auf die relativ komfortable Situation der Presse in Deutschland hin. Trotzdem beobachte sie, wie Menschen sich ihre Meinung nicht mehr aufgrund von Fakten, sondern durch Emotionen bildeten. Ziel der Medien müsse es sein, mit richtigen Fakten bei Menschen anzukommen, die vorher etwas anderes geglaubt haben: „Das ist extrem schwierig.“ Journalismus müsse transparent sein und eigene Fehler eingestehen: „Viele machen sich keine Gedanken, warum Medien wichtig sind für eine funktionierende Demokratie.“

Nachrichtenchefin und Mitglied der Chefredaktion Zeit Online, Monika Pilath, forderte dazu auf, weiter seriös das eigene Handwerk zu betreiben. „Wir müssen auf die Bedrohung reagieren, dass wir an Glaubwürdigkeit und Relevanz verlieren und professionelle Medien nur noch ein Angebot unter vielen sind.“ Bastian Obermayer, Leiter Investigative Recherche Süddeutsche Zeitung, wies darauf hin, dass viele die Bedrohung für Leib und Leben bis 2017 verdrängt hätten. Erst als eine Journalistin im Zuge ihrer Recherchen für die Panama-Papers umgebracht wurde, sei vielen klar geworden, dass der Investigativ-Bereich nicht mehr sicher sei. Viele Staaten sähen in seinen Berufskollegen Volksfeinde, die zum Verstummen gebracht werden müssten. Durch die Wortwahl gegenüber recherchierenden Journalisten finde eine Entmenschlichung statt: „Wenn die falsche Seite etwas sagt, gilt es als falsch. Selbst in Österreich läuft es nicht viel anders. Das zeigt die Debatte über den Umgang der ÖVP mit den Medien beim Rücktritt von Sebastian Kurz.“

Moderiert wurde die Podiumsdiskussion vom Journalisten Richard Gutjahr.

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5 Antworten

  1. Welcher Journalist dieser Welt ist wirklich frei? Wo ist der Unterschied zwischen direkter politischer Unterdrückung oder auf der anderen Seite: wording, framing, Einfluss durch Atlantikbrücke. Warum wurden denn z.B. Diskussionen mit Virologen unterschiedlicher Meinung abgesagt? 75 % der Journalisten sind links und der Einfluss der SPD auf viele Pressehäuser ist beträchtlich. Woher weiss man, dass die Kriterien, die Pressefreiheit bestimmen wirklich alle eine Rolle spielen oder ob da bestimmte Verbände besonderen Einfluß haben. Für mich ist da viel zu viel Schönrederei und kratzen an der Oberfläche dabei.

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  2. Wo der Unterschied ist zwischen direkter politischer Unterdrückung und den aufgezählten Einflussnahmen?
    Das Frage man doch einfach einmal kritische Journalisten in Belarus, Russland, Polen, Ungarn, Brasilien, der Türkei usw. usf.
    Was Matze hier macht, ist das Lancieren von politisch tendenziösem Unfug. Eine freie und offene Gesellschaft – mit all ihren Fehlern – soll letztlich auf eine Ebene mit antiliberalen Verächtern der Demokratie gestellt werden.

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  3. Es ist deshalb kein großer Unterschied weil das Resultat nämlich das gleiche ist: auf der einen Seite wird brutal Meinungsbildung durch Journalisten unterdrückt, auf der anderen Seite gilt was der Volksmund sagt: wes Brot ich ess, dess Lied ich sing. Wer meint, dass es keine Einflussnahme von großen Konzernen und westlichen Staaten auf die Meinungsbildung bei uns gibt ( genauso wie durch RT oder mittlerweile durch China) glaubt auch sicher dem Märchen dass es beim Sport in westlichen Ländern kein Doping gibt. Die Kampagnen gegen Coronakritiker wie Kimmich oder der Umgang mit Skambraks beim SWR brauchen sicher keine weitere Erklärung.

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  4. …. weil das Resultat nämlich das gleiche ist…. was ein zynischer Unfug… man schaue sich einfach das Ranking der Reporter ohne Grenzen an! Aber Matze gefällt es immer wieder mit derselben dürftigen Masche unser freiheitliches System in Frage zu stellen!

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  5. Wo habe ich unserer freiheitliches System in Frage gestellt, nirgends!! Es stört mich aber maßlos, dass von vielen immer so getan wird, dass die Journalisten ihre Meinung bei uns sich alle unabhängig bilden, es keine Beeinflussung unserer Medien gibt. Durch Wolfgang Leonhardt ist der Satz Erich Honeckers überliefert:
    ” Es muß demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben”. Das hat in umgekehrter Weise im Westen auch die Medien bei ihrer Gründung nur anders herum gegeben, da die ersten Zeitungen
    von den Militärkommandanten der Westmächte zugelassen wurden. Dass dies sich dann auf die Verpflichtung zur freiheitlich-demokratische Grundordnung übertrug zeigt sich nicht nur da, sondern übrigens auch bei den KdöRs und damit auch bei den Freikirchen
    Um es ganz klar zu sagen: Ich bin froh in unserer Gesellschaft zu leben aber durch Medien und Kirchen muß auch grundsätzliche Kritik möglich sein. Welche Kampagnen da laufen hat man z.B. anhand den medialen Reaktionen zu Wagenknechts Auftritt bei Anne Will am Sonntag zum impfen gesehen oder bei anderen Leuten die eine differenzierte Meinung zu diesem Thema haben. Es war ja auch von Wagenknecht nicht alles richtig, aber deswegen medial gleich so einzusteigen kann doch nicht ohne Beeinflussung kommen. Schaut man 2 Nachrichtensendungen von 2 Sendern im Moment nacheinander ist doch die Themenauswahl bis hin zur der Akzentuierung der Wortwahl oft fast gleich. Ich habe kein Problem, wenn das andere Leute toll finden und damit klar kommen. Mir und vielen anderen passt eben das gerade nicht.

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