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„Das Christkind ist eine Erfindung der Reformation“

Statt der christlichen Botschaft dominieren Geschenke das Weihnachtsfest. Doch warum schenken wir uns etwas an Heiligabend? Und was hat es mit Nikolaus, Weihnachtsmann und Christkind auf sich? Der Theologe Wolfgang Reinbold gibt Antworten.
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Der christliche Bezug des Schenkens ist in den Hintergrund getreten

Ein Weihnachtsfest ohne Geschenke ist für die meisten Menschen ein No-Go. Zu keiner Zeit des Jahres wird derart viel Geld ausgegeben, um anderen eine Freude zu machen. Doch woher stammt der weihnachtliche Brauch des Schenkens? Auf jeden Fall nicht vom Weihnachtsmann, erläutert der evangelische Theologe Wolfgang Reinbold, Professor für Neues Testament an der Georg-August-Universität Göttingen, im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd).

epd: Weihnachten gilt vielen Menschen heute vor allem als Fest des Schenkens. Woher kommt der Brauch?

Wolfgang Reinbold: Es gibt nur wenige Fragen, die so kompliziert sind wie die nach der Entwicklung des Weihnachtsfests. Es gibt so viele Weihnachtsbräuche und so viele historische Entwicklungen, dass man schnell nicht mehr durchblickt. Dass wir uns zum Weihnachtsfest Geschenke machen, kommt vom heiligen Nikolaus, dem berühmten Bischof von Myra, der im Übergang vom 3. zum 4. Jahrhundert in der Nähe von Antalya in der heutigen Türkei lebte. Sein Namenstag ist der 6. Dezember. Um Nikolaus ranken sich viele Legenden. So soll er immer wieder Kinder beschenkt haben – das machen wir an Weihnachten bis heute.

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Häufiger als vom Nikolaus ist heute die Rede vom Christkind, das die Geschenke bringt. Wie kommt das?

Das Christkind ist eine Erfindung der Reformation. Das begann im 16. Jahrhundert. Nikolaus wurde als „Heiliger“ verehrt. Das geht nach evangelischem Verständnis natürlich nicht. Danach sind vielmehr alle Christinnen und Christen „Heilige“, so wie es schon in den Briefen des Paulus zu lesen ist.

Was tat man also? Den Brauch einfach abzuschaffen und den Menschen das Schenken zu verbieten, das ging natürlich nicht. Also wanderte der Brauch des Geschenkemachens allmählich auf den Heiligen Abend beziehungsweise auf das Weihnachtsfest. So wurde das Schenken mit der Geburt des Christus verbunden – oder volkstümlich gesprochen: mit Jesus, dem „Christkind“.

Noch erfolgreicher hat sich als Geschenkebringer allerdings der Weihnachtsmann behauptet. Hat der irgendeinen Bezug zum christlichen Weihnachtsfest?

Nein, überhaupt nicht. Der rauschebärtige Mann mit dem Rentierschlitten und dem Geschenkesack ist eine vom religiösen Bezug losgelöste, verhältnismäßig junge Figur. Entstanden ist sie wohl im 19. Jahrhundert. Mit den Coca-Cola-Kampagnen seit den 1930er Jahren wurde er immer beliebter. Und dabei rückte immer mehr der Konsum in den Vordergrund – so sehr, dass der ursprüngliche christliche Bezug der Weihnachtsgeschenke heute manchmal kaum noch zu erkennen ist.


epd
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2 Antworten

  1. Manche Christen behaupten, dass wer Weihnachten am 25. Dezember feiert, heidnischen Götzendienst betreibt und somit eine schwere Sünde begeht. Begründet wird das damit, dass früher einmal am 25. Dezember ein römischer Sonnengott angebetet wurde. Man könnte es aber auch einfach so betrachten, dass die heidnischen Feste durch christliche Feste ersetzt wurden. Zudem kommt es doch nicht auf das Datum es an, sondern auf die Intention, und das ist heute eben nicht mehr die Verehrung einer heidnischen Gottheit, sondern die Feier der Geburt unseres Herrn und Retters Jesus Christus. Allenfalls der Gottheit namens “Konsum” wird an Weihnachten gehuldigt, aber daran braucht man sich ja nicht zu beteiligen. Weihnachten ist eine super Gelegenheit, die Menschen mit der Frohen Botschaft bekanntzumachen. Ich halte die vermeintlich frommen Bedenken dieser Christen für eine Verführung durch den Feind, auch noch die letzten verbliebenen Reste christlicher Traditionen aus der Gesellschaft zu entfernen.

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  2. Guter Artikel. 2 Anmerkungen:
    Den Weihnachtsmann gibt’s schon länger als Coca Cola . Schon seit ca 1860 wurde von ihm geschrieben. Coca cola hat ihn nur verkitscht und kommerzialisiert.
    Es gibt noch eine 2. Geschichte vom Nikolaus, in ähnlicher Form des türkischen…

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