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Collien Ulmen-Fernandes fragt: Was bedeuten die Zehn Gebote heute noch?

Welche Bedeutung haben die Zehn Gebote heute noch? Collien Ulmen-Fernandes spricht in einer ZDF-Doku mit verschiedenen Menschen über die biblischen Gebote. Oder sind es aus heutiger Perspektive vielleicht eher nur „An-Gebote“?
Von Jörn Schumacher
Die 10 An-Gebote, Colline Ulmen-Fernandes, Dieter Hallervorden

Foto: ZDF, Alexander Hein, IFAGE

Mit dem Komiker und Schauspieler Dieter Hallervorden spricht Collien Ulmen-Fernandes über das Gebot der Feiertagsruhe

„Seit Jahrhunderten regeln sie unser Zusammenleben, religionsübergreifend und mit universaler Kraft: die Zehn Gebote“, so heißt es in der Sendungsankündigung des ZDF. „Die Zehn Gebote bringen seit mehr als 3.000 Jahren sehr handhabbar grundlegende Menschenrechte griffig auf den Punkt und bieten Orientierung für die wesentlichen Situationen im Leben.“ Am zweiten Weihnachtsfeiertag strahlt der Sender die Dokumentation „Die 10 An-Gebote“ aus. Die Moderatorin und Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes geht darin der Frage auf den Grund, was die Zehn Gebote heute noch bedeuten.

Eine vorab vom ZDF in Auftrag gegebene forsa-Umfrage zeigte: Mehr als die Hälfte der Deutschen kennt die Zehn Gebote. 56 Prozent der Befragten geben an, dass es sich um Verhaltensregeln oder einen Wertekodex mit religiösem Bezug handelt. Für 16 Prozent war nicht klar, dass der Wertekodex dabei einen religiösen Bezug hat. 17 Prozent wussten etwas zur Hintergrundgeschichte zu sagen, etwa dass Moses diese auf dem Berg Sinai von Gott erhalten hat. Ebenfalls 17 Prozent geben an, dass die Zehn Gebote aus der Bibel beziehungsweise dem Alten Testament stammen. Nur 14 Prozent fiel dazu gar nichts ein. Danach gefragt, welche der Gebote ihnen spontan einfielen, nannten die meisten das fünfte Gebot „Du sollst nicht töten“ (65 Prozent) gefolgt vom siebten Gebot „Du sollst nicht stehlen“ (50 Prozent). Das zweite Gebot „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen“ nannten nur sechs Prozent. Jeder dritte Befragte fand, dass die Zehn Gebote in unserer heutigen Gesellschaft noch eine sehr große Bedeutung haben. Dass sie überhaupt keine Bedeutung haben, sagten nur 14 Prozent der Befragten.

Lügen in Zeiten von YouTube

Ulmen-Fernandes spricht in der Dokumentation mit verschiedenen Menschen über einzelne Gebote und darüber, was sie heute bedeuten können. Im Gespräch mit der Kriminalpsychologin Lydia Benecke geht es etwa um die Frage, warum derzeit so viele Menschen fasziniert von „True Crime“-Formaten seien, von Gewalt und Tod. Benecke selbst ist derzeit mit einem solchen Format in der ZDFmediathek zu sehen, sie analysiert Gewaltverbrechen sowohl fürs Fernsehen als auch für die Justiz. Was genau meint das biblische Gebot „Du sollst nicht töten“ im Vergleich zum Strafgesetzbuch, lautet eine der Fragen, die die beiden Frauen diskutieren. Bei Gewaltverbrechen gehe es offenbar immer um die Störung von Ordnung, und der Nervenkitzel liege für viele in der Frage, ob und wie die Ordnung wiederhergestellt wird, lautet ein Fazit.

Ein andere Gesprächspartnerin ist Marit Klebb, eine 18-Jährige, die sich bei der Initiative JUUUPORT engagiert und dort Jugendlichen bei Cybermobbing, Datenklau oder Beleidigungen in Chats zur Seite steht. Sie erzählt von einem konkreten Fall, bei dem eine Jugendliche nach der Trennung von ihrem Freund feststellen musste, dass er Nacktbilder von ihr verschickte. Warum werden moralische Grenzen im Zeitalter des Smartphones so leichtfertig überschritten?, lautet eine der Fragen, die sie mit Ulmen-Fernandes bespricht. Wenn Jesus in seiner Bergpredigt sagt, dass auch Hass wie Töten sei, wie ist dann dieses Gebot angesichts des Hasses in den sozialen Medien zu bewerten?

Mit dem Komiker und Regisseur Dieter Hallervorden spricht die Moderatorin unter anderem über das Gebot „Du sollst am Feiertag ruhen“ – das ZDF erklärt: „So würde man es heute übersetzen.“ Ulmen-Fernandes interessiert, wie Hallervorden es mit dem Rasten im eigenen Leben hält und wieso aus seiner Sicht die Zehn Gebote auch heute noch für das Leben bedeutend sind. In einem Theaterstück spielt Dieter Hallervorden Gott, der nach Erschaffung der Welt in Melancholie verfällt und deshalb auf Arbeitssuche ist.

Mit dem Journalisten und YouTuber Marvin Wildhage diskutiert die Schauspielerin über das Gebot „Du sollst nicht falsches Zeugnis geben.“ Heutzutage, so scheint es, wird mehr denn je gelogen, stellt sie fest. Gerade in den sozialen Medien. Wildhage erzählt unter anderem, wie er Influencer mit einem Fake-Produkt reingelegt hat. Er will mit derartigen Aktionen auf das Thema „Lügen in den sozialen Medien“ aufmerksam machen.

„So etwas wie die ersten Menschenrechte“

Pia Kabitzsch ist Psychologin, die im ARD-ZDF-Jugendangebot funk in ihrer Reihe „psychologeek“ Probleme, Alltagsfragen und Liebe spricht. „Du sollst nicht ehebrechen“ sei für junge Leute heute nicht mehr nachvollziehbar, ist sie überzeugt. Eine weitere Gesprächspartnerin ist Cordula Weimann, die die Bewegung „Omas for Future“ gründete. Für sie ist die Gefahr der Zerstörung der Erde und der Zukunft ihres Enkels Anlass zum Nachdenken über das Gebot „Du sollst nicht stehlen“. Carlos Benede wiederum war Polizist, und wuchs nach eigener Aussage bei katholischen Schwestern in einem Heim in Dillingen auf. Mit ihm tauscht sich die Moderatorin über das Ehren der Eltern aus. Benede habe im Kloster Geborgenheit erfahren, sagt er. Als Erwachsener lernte er den elfjährigen Alexander kennen, der miterleben musste, wie sein Vater seine Mutter tötete. Benede half dem Jungen und adoptierte ihn irgendwann. Schließlich hängte er seinen Beruf als Polizist an den Nagel und kümmert sich seither ausschließlich um Kinder und Jugendliche.

In Rüdesheim am Rhein trifft Ulmen-Fernandes die Benediktinerin Schwester Philippa Rath im Kloster St. Hildegard. Mit der Theologin spricht sie über das erste Gebot: „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben.“ Sie ist überzeugt, dass unsere Gesellschaft dazu neigt, alles zu vergöttern – Urlaub, Gesundheit, Geld oder Macht. Das Gebot könne helfen, den Blick für das Wesentliche wieder neu zu finden.

Gegenüber der Presse sagte Collien Ulmen-Fernandes, diese Dokumentation komme „genau zur richtigen Zeit“: „Wann, wenn nicht jetzt in diesen Krisenzeiten, macht es Sinn, einmal innezuhalten und sich zu fragen, was in solchen Lebensregeln für uns im Hier und Jetzt noch drinsteckt, inwiefern sie in uns und in der Gesellschaft heute noch fortwirken.“ Die Zehn Gebote klängen „so einfach wie nachvollziehbar, so allgemeingültig“. Auf die Frage, was sie persönlich mit den Zehn Geboten verbinde, antwortete Ulmen-Fernandes: „Die Zehn Gebote sind so etwas wie die ersten Menschenrechte. Und auch wenn es heute die Justiz und unsere politische Demokratie gibt, die unser menschliches Miteinander regeln, sind die Zehn Gebote als eine Art moralischer Minimalkompass ungeheuer hilfreich.“

„Die 10 An-Gebote“, Dokumentation mit Collien Ulmen-Fernandes: Sonntag, 26. Dezember 2021, 18.10 Uhr, im ZDF und für fünf Jahre in der ZDFmediathek

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5 Antworten

  1. Zu diesem Thema passt sehr gut das neue Buch von Horst Stricker LEITPLANKEN. Es gibt aktuelle Antworten auf aktuelle Fragen. Erschienen im Lichtzeichenverlag, Lage. Kann auch über Aamazon bezogen werden

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  2. Die 10 Gebote sind Geschenke Gottes an uns Christen. So wie Jesus bei den Kranken die Hände aufgelegt hatte und sprach: “Du sollst gesund werden …” so spricht er auch jedes Gebot über uns aus: “Du sollst … oder Du sollst nicht ….”
    Lieben Gruß! Bruder Georg

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  3. Die Frage nach der Bedeutung der ZEHN Gebote für die heutige Zeit ist sehr mutig , wichtig und bedeutsam . Aber lieber Georg, eigentlich verkündigte Gott die 10 Gebote nicht den Christen sondern zuerst dem jüdischen Volk und danach auch allen anderen Erdenbürgern den Heiden und erst vor 2000 Jahren auch uns Christen . Gerade vor dem Wissen, daß in vielen Schulen , Gerichtssälen schon oft Kreuze wegen der angeblichen Staats -Neutralität entfernt wurden., So handelt es sich bei den Gesetzestafeln um jedoch Gebote die schon im AT beschrieben wurden und somit eigentlich sogar auch für die Muslime gültig sind .
    Daher muß unbedingt darauf hingewiesen werden , daß in Rheinland Pfalz wahrscheinlich daß einzige Gerichtsgebäude Deutschland steht, über dessen Eingangsportal ein sechsteiliges Relief bei der Erbauung eingemauert wurde. Die sechs Reliefs erzählen die Herkunft , Bedeutung und Ziel unserer Rechtsprechung mit der Justizia ,mit Waage und Schwert und gleich daneben an vorderster Stelle, der Finger Gottes, der aus einer Wolke herab kommt und die 10 Gebote auf zwei steinerne Tafel schreibt, Hiermit soll die Festigkeit dieses mosaischen „ Grundgesetzes „zementiert werden. Die anderen Relief´s beschreiben weiterhin welche Bedeutung Dornen, Gerechtigkeit und Wachstum für die Bürger bewirken können.
    Ich fände es jetzt spannend in Deutschland , Europa oder auch weltweit weitere Gerichtsgebäude zu finden, wo die ZEHN Gebote als TEIL des Gebäudes konzipiert oder auch nur als Bild aufgehängt sind ?

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  4. Das erste Gebot beschäftigt mich in letzter Zeit sehr: „Ich bin JHWH, dein Gott, … Du sollst neben mir keine anderen Götter haben.“ Wenn Jahwe von Christus unterschieden wird, wie Jesus selbst bestätigt (Ps 110:1; Mt 22:41..) dann ist Jesus, der ja als wahrer Gott bezeichnet wird, ein Gott neben Jahwe, richtig? Meine Diagnose: An der Lehre der Dreieinigkeit ist gewaltig etwas faul. Siehe auch Joh 20:17; 1.Tim 2:5

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  5. Hallo Daniel , vor über 3000 Jahren zur Zt. des 1. GEBOTES haben die Juden noch jedes Jahr 1 Sündenbock in die Wüste gejagt, wozu sich Jesus Christus vor knapp 2000 Jahren aufgeopfert hat. Und Jesus lehrte uns auch ” das Vater Unser (Mt. 6,9-13) und sagte auch sinngemäß ” Ich und der Vater sind eins ” oder ” denn wer an mich glaubt , der kommt zum Vater”. Aber in den Evangelien bei Mt. 24, Mk . 13 und Lk.21 ist auch nachzulesen, daß am Ende der Zeiten Leugner und Zweifler auftreten werden
    Darum , bevor du selbst zweifelst oder nun auch Zweifel sähst , lese vielleicht vorher noch mal ( Lk. 24, 44-49) und eine andere Bibelübersetzung. Und nun frisch ans Werk, wie Luther schon vor 500 Jahren betete : ” Das walte Gott Vater, Sohn und heiliger Geist , Amen”.

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