Christenverfolgung? Selenskyj widerspricht

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Vorwürfen, in der Ukraine würden Christen verfolgt, widersprochen. Vielmehr töte Russland ukrainische Geistliche.
Von Martin Schlorke
Wolodymyr Selenskyj

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat im amerikanischen Fernsehen betont, dass es in seinem Land keine Christenverfolgung gebe. Im Gespräch mit dem US-Moderator Tony Perkins sagte er, religiöse Gruppen in der Ukraine seien frei.

Hintergrund sind anhaltende Vorwürfe, etwa des früheren „Fox News“-Moderators Carlson Tucker. Dieser hat in den vergangenen Jahren mehrfach behauptet, die Ukraine verfolge christliche Gemeinden, insbesondere die ukrainisch-orthodoxe Kirche.

Selenskyi betonte, dass seine Regierung sich regelmäßig mit dem Gesamtukrainischen Rat der Kirchen und Religionsgemeinschaften austausche. Der Rat ist ein interkonfessionelles Gremium und repräsentiert nach eigenen Angaben mehr als 90 Prozent der religiösen Gemeinschaften im Land. Der Rat hat sich auch für ein Verbot der ukrainisch-orthodoxen Kirche eingesetzt. Diese ist eng mit dem Moskauer Patriarchat verbunden. Im August 2024 hatte das Parlament für ein entsprechendes Verbot gestimmt.

In der Sendung „This Week on Capitol Hill“ bestätigte Moderator Perkins Selenskyjs Aussagen. Im August habe er selbst die Ukraine besucht. Damals hätte er sich auch mit religiösen Führern getroffen, die ihm erklärten, keinerlei Einschränkungen durch die ukrainischen Behörden zu erfahren. Stattdessen beschuldigten sie ebenfalls Russland, in den besetzten Gebieten Pastoren zu verhaften und zu foltern sowie Kirchen zu beschlagnahmen.

Selenskyj zufolge seien seit Kriegsbeginn 120 Vertreter religiöser Institutionen von Russland getötet worden. Dabei habe es sich um gezielte Tötungen gehandelt. Die ukrainische Religionswissenschaftlerin Iryna Fenno sprach auf dem Katholikentag im Frühjahr ebenfalls über gezielte Angriffe der russischen Armee auf Geistliche. Darüber hinaus würden Kirchen und zu ihnen gehörende Gebäude von der russischen Armee beispielsweise als Waffenlager zweckentfremdet. Fenno arbeitet für die Organisation „Religion on fire“, die solche Angriffe dokumentiert.

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