Ukrainische Religionswissenschaftlerin: „Russland greift gezielt Kirchen und Geistliche an“

Auf dem Katholikentag berichtet eine ukrainische Religionswissenschaftlerin von Angriffen auf Kirchen und Geistliche in der Ukraine. Der Inspekteur des Heeres sprach über die Bergpredigt – mit der viel anfangen könne.
Von Martin Schlorke
Iryna Fenno

Seit nunmehr vier Jahren führt Russland Krieg in der Ukraine. Dabei greift die russische Armee auch gezielt Geistliche und Kirchen an. Das berichtete die ukrainische Religionswissenschaftlerin Iryna Fenno am Freitag auf dem Katholikentag in Würzburg. Neben solchen gezielten Angriffen gebe es unzählig viele Angriffe als Kollateralschäden. Darüber hinaus würden Kirchen und zu ihnen gehörende Gebäude von der russischen Armee beispielsweise als Waffenlager zweckentfremdet.  Fenno arbeitet für die Organisation „Religion on fire“, die solche Angriffe dokumentiert.

Fenno berichtete zudem, dass seit dem Kriegsbeginn die Religiosität in der Ukraine gestiegen sei. Die Kirche als Institution sei für viele Ukrainer neben der Armee die vertrauenswürdigste Institution des Landes. Vor allem die karitativen Aufgaben der Kirchen hätten seit dem Krieg an Bedeutung gewonnen.  

Generalleutnant über Bergpredigt

Im Rahmen der Veranstaltung „Krieg und Frieden in der Ukraine“ verteidigte die Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Anne Gidion, die neue Friedensdenkschrift ihrer Kirche. Diese sei keine Absage an Pazifismus. Jedoch müsse in geopolitisch harten Zeiten der Faktor Schutz vor Gewalt im Vordergrund stehen. Solange Menschen nicht in Sicherheit leben, könne es keinen gerechten Frieden geben. Für Gidion ist die Denkschrift daher eine Form von Realismus, der nicht die Hoffnung auf Frieden verliert. Absoluter Pazifismus wird in der Denkschrift der EKD als politische Theorie bezeichnet.

Auch der Konflikt- und Friedensforscher Carlo Masala erteilte einem radikalen Pazifismus eine Absage. Dieser sei naiv, erklärte er. Wenn der Angreifer keinen Frieden woll, werde durch Dialog kein Frieden geschaffen. Zwar seien die Ziele des Pazifismus grundsätzlich richtig, allerdings müsse dieser auch das Selbstverteidigungsrecht der Völker anerkennen.

Der Inspektor des Heeres, Christian Freuding, sprach im Rahmen der Podiumsdiskussion über die Bergpredigt, mit der er nach eigener Aussage viel anfangen könne. Als Christen sei es „unser Auftrag“, in einer erlösungsbedürftigen Welt dem Frieden nachzujagen. Zudem wies Freuding darauf hin, dass in der Bergpredigt direkt nach den Friedensstiftern diejenigen erwähnt werden, die Gerechtigkeit nachjagen. Für ihn gehören deswegen beide Aspekte zusammen.

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