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Bremst die Leitungsebene die Digitalisierung?

Corona hat die Digitalisierung in den Kirchen sehr plötzlich vorangetrieben – ganzheitliche Strategien fehlen aber. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft Curacon.
Von Johannes Blöcher-Weil
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Smartphone-Nutzer
Inwiefern die Kirche digitale Angebote auch für die externe Kommunikation und die interne Gremienarbeit nutzen kann, war Bestandteil einer Curacon-Studie

Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie schnell Digitalisierung gehen kann. Für die weitere Entwicklung der Kirchen hat sie eine hohe bis sehr hohe Bedeutung. Das hat eine Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Curacon herausgefunden. Demzufolge waren digitale Formate für Gottesdienste und Messen in der Pandemie besonders weit verbreitet und akzeptiert. Mindestens 80 Prozent der Befragten beider Kirchen erwarten den Fortbestand der digitalen Angebote.

Angebote für digitale Seelsorge- und Bildungsangebote sind hingegen deutlich seltener bekannt. Hier gaben 33 Prozent der evangelischen und 46 Prozent der katholischen Befragten an, solche Angebote überhaupt zu kennen. Wieder nur gut die Hälfte (57 Prozent) der evangelischen und 50 Prozent der katholischen Gruppe hat solche Angebote auch schon einmal genutzt.

Entgegen dem digitalen Aufschwung sehen 77 Prozent der Befragten derzeit keine ganzheitlich verfolgten Digitalisierungsstrategien, die digitalen Lösungen zielführend einzuführen. Immerhin zwölf Prozent sehen in ihren Gemeinden eine klare Strategie, wie durch Digitalisierung die Prozesse und Arbeitsweisen weiterentwickelt werden können.

Digitale Inhalte: einfach und intuitiv

Die Befragten messen der Digitalisierung eine sehr hohe (44 Prozent) beziehungsweise hohe Bedeutung (47 Prozent) für die zukünftige Entwicklung der Kirchen bei. Nur jeder Zehnte sieht eine eher untergeordnete Bedeutung der Digitalisierung für die kirchliche Zukunft. Angebotene digitale Inhalte sollten für die Mehrheit der Befragten (86 Prozent) einfach und intuitiv bedienbar sein.

Ein wichtiger Aspekt für die Nutzung ist auch die Vereinbarkeit des digitalen Angebots mit dem eigenen technischen Wissen. 53 Prozent der Befragten geben an, dass sie digitale Lösungen nur nutzen wollen, wenn sie diese auch verstehen und ohne größere Anstrengungen nutzen können. Negative Bewertungen beziehen sich vor allem auf fehlende Budgets zur Realisierung oder den Erwerb der erforderlichen Technik.

Im Bereich der Gremienarbeit hat sich die digitale Form immer mehr etabliert, auch nachdem die Gültigkeit von Online-Abstimmungsverfahren geklärt war. 90 Prozent der Befragten kennen digitale Presbyteriums-Sitzungen und 87 Prozent digitale Synoden. Neun von zehn Befragten bewerten die Durchführung dieser Formen mit eher gut oder sehr gut. Wesentliche Mängel liegen im technischen Bereich und dem damit verbundenen Know-how. Im Bereich der katholischen Befragten sind diese Werte etwas niedriger.

Externe digitale Kommunikation noch ausbaufähig

Die Kommunikation mit den Kirchenmitgliedern ist laut Umfrage ausbaufähig. Nur 50 Prozent der Protestanten und 61 Prozent der befragten Katholiken gaben an, eine aktive digitale Mitgliederkommunikation etwa über den Gemeindebrief zu kennen. Oft seien Einzelpersonen Initiatoren und Antreiber, um solche digitale Lösungen voranzutreiben. Hin und wieder gebe es Digitalisierungsbeauftragte, um themenbezogene Projekte auch über Gemeindegrenzen hinweg gemeinsam zu organisieren.

Die Befragten sehen vor allem die höheren Kirchenebenen als diejenigen an, die am wenigsten Treibkraft für die Digitalisierung aufgewendet hätten. 32 Prozent der evangelischen Befragten sehen die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) als Treiber der Digitalisierung, laut 19 Prozent der katholischen Befragten nimmt die Deutsche Bischofskonferenz diese Rolle ein.

Hans Ulrich Anke, Präsident des Kirchenamtes der EKD, betonte, dass es auch im digitalen Bereich das übergeordnete Ziel der Kirche sein müsse, Menschen mit dem Evangelium zu erreichen. Die Evangelische Kirche sei beim digitalen Wandel lange nicht so weit gewesen, wie man hätte sein können. Trotzdem habe man in der Pandemie Angebote für die Menschen machen können. Aber die Pandemie habe auch klare Lücken aufgezeigt.

Mit digitalen Formaten gegen den Mitgliederschwund

Er hoffe, dass die Corona-Krise nachhaltige Werkzeuge geschaffen habe und die Digitalisierung ein ganz selbstverständlicher Teil der Weiterentwicklung der Kirche bleibe. In Zeiten sinkender Mitgliedszahlen könne dies auch eine Option sein, schwindende finanzielle Ressourcen durch veränderte, digitale Angebotsformen kostengünstig und trotzdem mitgliedernah zu kompensieren. Eine mögliche Abkehr vom „Ortsprinzip“ führe auch zu erheblichen Herausforderungen im Selbstverständnis und in der Binnenorganisation der Kirchen.

An der nicht-repräsentativen Umfrage haben zu Beginn des Jahres 234 Führungskräfte und Gremienmitglieder kirchlicher Leitungsebenen sowie Haupt- und Ehrenamtliche in den Bereichen Theologie, Pädagogik/ Sozialarbeit und Verwaltung teilgenommen. 79 Prozent der Evangelischen und 20 Prozent der Katholischen Kirche an. 72 Prozent waren Hauptamtliche und 24 Prozent ehrenamtlich auf verschiedenen Kirchenebenen tätig. Die Befragten waren mehrheitlich männlich (63 Prozent) und zwischen 30 und 60 Jahre alt (72 Prozent).

Autoren der Studie sind der Pfarrer und Diplom-Ökonom Matthias Dargel, der Wirtschaftsprüfer Sascha Knauf, zuständig für das Ressort Öffentlicher Sektor und Kirche, sowie der kirchliche Berater Hans Menken. Curacon ist eine bundesweit tätige Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft mit Spezialisierung im Non-Profit-Bereich.

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Eine Antwort

  1. Meine Meinung:
    * Gottesdienste/ Streams über das Internet, z.B., via Youtube&Co. (also via Diensteanbieter ausserhalb des Rechtsrahmens der DSGVO): Nein, danke.
    * Gottesdienste/ Streams, die selbst oder innerhalb Deutschlands, z.B. auf kirchliche Server abgerufen werden können: Kein Problem. Ich höre, z.B. regelmäßig ERF oder auch Heuckelbach im direkten Stream (ohne die jeweilige Webseite).
    * “Digitale” Seelsorge: Ausserhalb des Rechtsrahmens der DSGVO: Nein.
    Innerhalb der DSGVO: Nur bis ein anderer, sicherer, Kontaktweg (=z.B. persönlich durch klassischem Hausbesuch) hergestellt ist.

    Begründungen gibt es viele, hier nur eine, die erst gestern hier veröffentlicht wurde:
    Z.B.: “Zu wenig Wissen über Google und Facebook
    Google und Facebook betreiben demokratiegefährdende Intransparenz. Das hat Constanze Kurz, die Sprecherin des Chaos Computer Clubs, den Unternehmen vorgeworfen. Das Wissen über die Firmen sei zudem noch gering.”
    https://www.pro-medienmagazin.de/zu-wenig-wissen-ueber-google-und-facebook/

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