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Zu wenig Wissen über Google und Facebook

Google und Facebook betreiben demokratiegefährdende Intransparenz. Das hat Constanze Kurz, die Sprecherin des Chaos Computer Clubs, den Unternehmen vorgeworfen. Das Wissen über die Firmen sei zudem noch gering.
Von Norbert Schäfer
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Constanze Kurz

Foto: Heike Huslage-Koch | CC BY-SA 4.0 International

Die Informatikerin Constanze Kurz (Archivbild) ist Sprecherin des Chaos Computer Clubs

Die Informatikerin und Sprecherin des Chaos Computer Clubs, Constanze Kurz, bewertet die Intransparenz von Google und Facebook als demokratiegefährdend. „Wir wissen immer noch zu wenig, wie diese Konzerne eigentlich funktionieren“, sagte Kurz am Dienstag beim 6. Evangelischen Medienkongress in Mainz. Über die großen „Werbenetzwerke“ vollziehe sich jedoch der größte Teil der Kommunikation im Internet. Das sei bedenklich.

Ihren Angaben zufolge gibt es „kaum noch trackingfreie Zonen im Internet“. Das Internet sei von Programmen, die das Nutzer- und Klickverhalten von Internetnutzern auswerten „völlig überflutet“. Außer Wikipedia nutzten ihren Angaben zufolge sämtliche Internetangebote unter den „Top 10“ der meistaufgerufenen Webseiten Trackingtechnologie. Die Technik werde eingesetzt, um gezielt Inhalte an die User auszuspielen. Die Nutzer hätten sich an die Manipulation gewöhnt oder hätten sich der Beeinflussung ohnmächtig ergeben. Kurz fordert, dass den Werbenetzwerken und deren Geschäftsmodellen von der Politik Einhalt geboten wird und sie zu mehr Transparenz verpflichtet werden.

Weniger als ein Prozent nutzt Anti-Tracking-Software

„Wenn man ernsthaft offen legen würde, was mit den Daten geschieht, würden viele erschrecken“, erklärte Kurz. Für die Sprecherin des Chaos Computer Clubs stellen die Daten Minderjähriger eine „rote Linie“ dar. Nach Angaben von Kurz bemängeln Menschenrechtsorganisationen die Bedrohung elementarer Menschenrechte durch die Netzwerke. Beispielsweise Amnesty International weise auf die enorme Lobbymacht der Plattformanbieter hin. In den USA werde daher bereits über die Zerschlagung der Konzerne diskutiert.

„Platzhirsch“ bei den Anbietern von Tracking-Software sei Google. Sechs der meistgenutzten Trackingprogramme wurden demnach von dem Internetkonzern entwickelt. Algorithmen und Software sind nach Aussage von Kurz aber „kein Wetterphänomen“ und „passieren nicht einfach“. Hinter den Programmen stünden Entwickler und Auftraggeber. „Jemand hat es so gestaltet, oder nicht verhindert, dass es so gestaltet ist“, sagte Kurz.

Jeder Internetnutzer habe aber die Möglichkeit, sich gegen die Macht der Werbenetzwerke zu wehren. Etwa durch Verwendung von Anti-Tracking-Software auf den digitalen Endgeräten. Allerdings setzen nach Angaben der Computerexpertin weniger als 1 Prozent der Internetnutzer Anti-Tracking-Software auf ihren digitalen Geräten ein. Die Nutzer sollten sich zudem besser informieren und bewusste Entscheidungen bei der Nutzung der Angebote treffen.

Der zweitägige Evangelische Medienkongress widmet sich dem Thema „Kitt oder Keil? – Zur gesellschaftlichen Rolle der Medien“. Wegen der Corona-Pandemie findet die Veranstaltung in diesem Jahr digital statt.

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2 Antworten

  1. Die Frau ist spitze!

    Nach meinen Beobachtungen bauen jedoch viele Kirchengemeinden auch die Tracker bzw. Plugins selbst auf ihre Webseiten ein.

    Auch die aktiven Plugins von facebook, Youtube usw. sind, m.E., ein Problem.

    Das muss alles nicht sein.

  2. Könnten nicht gerade Gemeinden zum Vorreiter in Sachen Datenschutz werden?

    Vorschläge:
    “In unserer Gemeinde kommunizieren wir zukünftig nur noch über Threema oder Signal oder…, nicht mehr jedoch über WhatsApp oder…”
    “Als datensichere Suchmaschine empfehlen wir Swisscows (oder wenigstens Startpage).”

    Zu swisscows gibt es übrigens einen aufschlussreichen Bericht bei faktor c (= Christen in der Wirtschaft):
    https://www.faktor-c.org/magazin/online-magazin/datensammler-halten-uns-an-wie-hunde-an-ihrer-leine/

    Hier einmal das persönliche Beharrungsvermögen zu überwinden, wäre lohnenswert! Es gibt noch Luft nach oben… Dass “doch alle WhatsApp haben”, ist als Ausrede kein wirkliches Argument!
    Packen wirs doch an!

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