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Beim Klimaschutz sind alle Weltreligionen gefordert

Der Einsatz der Religionsgemeinschaften für das Klima ist ausbaufähig. Das bilanziert der Klima-Experte Mojib Latif. Im Gespräch mit dem Deutschlandfunk erklärt er, warum er sich eine deutlich stärkere Rolle der Kirchen wünscht.
Von Johannes Blöcher-Weil
Der Wissenschaftler Mojib Latif
Der Wissenschaftler Mojib Latif wünscht sich von den Kirchen und Weltreligionen ein deutlicheres Zeichen zum Klimaschutz

Umwelt- und Klimaschutz sind in aller Munde. Auch die Religionen haben die „Bewahrung der Schöpfung“ auf ihrer Agenda. Für den Meteorologen Mojib Latif sind sie allerdings nicht laut und nachhaltig genug, was ihren Einsatz für den Klimaschutz betrifft.

Der Hochschullehrer und Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome bemängelt im Gespräch mit dem Deutschlandfunk, dass Kirchen oft wegen anderer Themen im Fokus stünden. Es gebe zwar Ansatzpunkte bei denen Religionsgemeinschaften, etwa im Bereich Solar, Klimafonds oder Aufrufen zur Vermeidung von Müll, aktiv sind, aber bei der „vielleicht größten Herausforderung der Menschheit“ reichten ein paar kleine Veranstaltungen nicht aus.

„Es braucht eine Massenbewegung“, fordert Latif. Die Gesellschaft müsse aufstehen und Klimaschutz einfordern. Die Werte-Debatte, wie wir leben wollen und was Wohlstand bedeute, müsse aber zu allererst von den Kirchen und Weltreligionen angestoßen werden. Im aktuellen Modus könne man den Planet nicht retten.

„Kirchen müssen an der Spitze der Bewegung stehen“

Latif lobt die Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus. Dort habe das Oberhaupt der Katholischen Kirche vor einigen Jahren den Zustand der Erde analysiert und gute Ansätze dargelegt. Das Thema sei dann aber wieder von der Bildfläche verschwunden. „Die Kirchen müssen an der Spitze der Bewegung stehen. Wenn die vielen Anhänger der Weltreligionen versuchen etwas zu verändern, werden wir die gewaltige Aufgaben bewältigen.“

Hier seien alle Weltreligionen gefordert, weil das Problem nicht national zu lösen sei. Latif betont die Ungerechtigkeit, dass diejenigen am schlimmsten von dem CO2-Ausstoß betroffen seien, die am wenigsten dafür könnten. Dies müssten die Weltreligionen thematisieren: egal, ob Judentum, Christentum oder Islam. Diese Neu-Orientierung müsse es von den Kirchen geben.

Die Überbevölkerung sieht der Wissenschaftler nicht als Problem an, wenn es gelinge, einen Lebensstil mit schonendem Verbrauch von Ressourcen zu pflegen. „Überbevölkerung ist gar kein Problem. Vor allem dann, wenn alle Menschen auf der Welt eine gute Lebensperspektive haben.“ Mit dem aktuellen CO2-Ausstoß werde der Planet gegen die Wand fahren.

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3 Antworten

  1. Lieber Herr Latif, menschlich betrachtet haben Sie natürlich recht. Wenn die zahlreichen “Anhänger” der Weltreligionen bemüht sind, engagiert CO2 einzusparen.
    Wenn wir dagegen davon ausgehen, dass die “Menschliche Weisheit” – immer der “Göttlichen Weisheit” entgegensteht, wird es sehr viel schwieriger.
    Ich bin der Überzeugung, dass die Bibel, Gottes Wort das wirkliche Kursbuch für das Klima, aber auch alle anderen Probleme unserer Zeit ist.
    So ist die Klimakrise auch eine Sündenkrise, wer möchte kann mal googeln “Klimakrise ist Sündenkrise”
    Lieber Gruß Martin Dobat

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  2. “Die Kirchen müssen…” ? – Ja, was denn? Das Klima retten oder die Demokratie? Gegen Rassismus sein sexualisierte Gewalt? Für die Menschenrechte und gegen den Krieg? Die Aufzählung ließe sich fortsetzen;
    alles höchst honorige Anliegen.
    Dass Herr Latif sie gern als Pressure-group einsetzte, weil die eigene Überzeugungskraft der Klima-Aktivisten anscheinend nicht ausreicht, mag verständlich sein. Aber eigentlich engagieren sich die Kirchen seit langem für all diese Anliegen. Es hat ihnen wenig oder nichts geholfen, wenn man die hochschießenden Zahlen der Austritte zur Kenntnis nimmt.
    Vermutlich wäre es besser, wenn sich die Kirchen wieder darauf besännen, was ihr eigentlicher Auftrag ist.

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    1. @thomas
      Was ist denn Ihrer Meinung nach der “eigentliche Auftrag” der Kirche?
      Soweit ich Jesus richtig verstanden habe, ist der eigentliche Auftrag seiner Jünger, ihm nachzufolgen und seine Botschaft mit ihrem Leben zu bezeugen und zu verbreiten. Und seine Botschaft ist: Lieben und Dienen. Wem sollte denn das Lieben und Dienen gelten, wenn nicht dem “kosmos”, den Gott laut Joh 3,16 so sehr geliebt hat – also die gesamte Schöpfung?

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