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Stadtmission senkt mit Google CO2-Ausstoß

Der Ingenieur Helmut Diedrichs setzt sein Fachwissen und Google zur Heizungsoptimierung in seiner Gemeinde ein. Das spart ihr bares Geld und dem Klima tonnenweise CO2.
Von Norbert Schäfer
Stadtmission Arheilgen

Foto: Helmut W. Diedrichs

Die Stadtmission Arheilgen spart durch die Optimierung der Heizungsanlage Geld und CO2

Helmut Diedrichs hat als Maschinenbauingenieur mit eigener Firma für die Autoindustrie Isolations- und Wärmeschutzsysteme entwickelt. Fragen über Wärme und Isolation begleiten den Ruheständler eigentlich schon immer. Energiesparen und Umweltbewusstsein habe sein Vater ihm mit in die Wiege gelegt, sagt Diedrichs.

Im Beruf sei zudem die Optimierung von Prozessen und Verfahren immer wichtig gewesen. Sein Fachwissen und das Streben nach Optimierung hat er schließlich in der Stadtmission Arheilgen bei Darmstadt eingesetzt. Als ehrenamtlicher Hausmeister der Gemeinde ist er über den Gasverbrauch der Heizung erschrocken. Deshalb wollte der heute 75-Jährige den Energieverbrauch der Heizung optimieren. Dazu hat er einen Google-Kalender mit der Steuerung der Heizung gekoppelt. Das senkte neben den Heizkosten auch den Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre.

Einsparung: 1.500 Euro und zwei Tonnen CO2 pro Jahr

Die Gemeinde pflegte schon seit einigen Jahren einen Belegungsplan für die Räume des Gemeindehauses im Internet. Ursprünglich war der Google-Kalender dafür gedacht, Überschneidungen bei der Raum-Nutzung zu verhindern. Den Kalender hat Diedrichs zusammen mit Simon Sander, einem IT-Fachmann und Gemeindemitglied, mit der Steuerung der Heizung verbunden.

So wird nun die Heizung der Gemeinde mittelbar über den Kalender, angereichert mit lokalen Wetterdaten aus dem Internet, gesteuert. Dazu haben die Tüftler in Eigenleistung eine Schnittstelle zum Kalender auf einem Computer im Gemeindehaus programmiert, Kabel verlegt und die handbetriebenen Heizungsventile der Gaszentralheizung durch eine ausgeklügelte Steuerungstechnik ersetzt.

Ein Eintrag im Kalender der Gemeinde sorgt nun dafür, dass rechtzeitig die Heizung damit beginnt, die Temperatur in dem entsprechenden Raum zu steigern, so dass zum Beginn einer Veranstaltung dieser 21 Grad warm ist. Zum Ende der Veranstaltung senkt dann die Heizung die Temperatur wieder ab auf die voreingestellte Basistemperatur von 18 Grad. „Das ist eine Temperatur, die viel Energie spart, aber gleichzeitig noch ausreichend ist, um eine spontane Nutzung bei angenehmer Temperatur erreichen zu können“, erklärt Diedrichs.

Die Gemeindemitglieder können jederzeit im Internet nachschauen, ob „ihr“ Raum richtig beheizt wird. Zudem erlauben Bedienfelder, dass ein Raum auch ohne den Kalender geheizt werden kann.

Mit der Tüftelei konnte die Gemeinde die Heizkosten um rund 20 Prozent senken. „Das schont die Umwelt und vermindert den Ausstoß von CO2 um rund 2.000 Kilogramm pro Jahr“, hat Diedrichs ausgerechnet. Nach einem Jahr konnten die Einsparungen bereits die Ausgaben von rund 1.500 Euro für die Technik aufwiegen.

Noch vor Kurzem war Diedrichs kein Freund von Photovoltaik-Anlagen zur Gewinnung von Strom aus Sonnenenergie auf Dächern von Gemeindehäusern und Kirchengebäuden. „Ich war der Meinung, dass sich das nicht rechnet. In den Gemeindehäusern und Kirchen wird keine Waschmaschine betrieben, oder ein Trockner, der Strom verbraucht.“ In Gemeinden werde Strom überwiegend für die Beleuchtung benötigt. Auch war er der Meinung, dass das Kapital lieber in der Mission eingesetzt werden sollte.

„Mittlerweile denke ich anders“, sagt er. Wenn eine Gemeinde in eine Photovoltaik- oder Wärmepumpenanlage investiere, sei das ein Beitrag zur Generationengerechtigkeit und der CO2-Minderung. Die Dächer von Kirchen und Gemeindehäusern eigneten sich oft für Photovoltaik. Die Anlagen seien auch deshalb interessant, weil der Staat die Errichtung fördere. Das gleiche die niedrige Einspeisevergütung zum Teil aus.

Diedrichs empfiehlt, sich Kosten und Nutzen von einem Energieberater ausrechnen zu lassen. Allerdings würden die Statik der Dächer oder Denkmalschutz- und Bauvorschriften der Planung solcher Anlagen oft im Weg stehen.

Umweltschutz und Gerechtigkeit aus Überzeugung

Der umweltbewusste Senior gehört in Darmstadt einer Micha-Initiativgruppe an. Die „Micha Initiative Deutschland“ will Christen aus christlicher Überzeugung und Schöpfungsverantwortung heraus für Themen globaler Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit sensibilisieren. In seiner Gemeinde wirbt Diedrichs nun dafür, sich dafür einzusetzen. „Man muss was tun und darf nicht nur auf die anderen warten“, sagt der engagierte Christ über den Umweltschutz. Dass vielen Glaubensgeschwistern das Thema Gerechtigkeit gleichgültig ist, stört ihn. „Gerechtigkeit wird in der Bibel wieder und wieder thematisiert, sogar öfter als Vergebung“, sagt er, und weiter: „Da kann ich als Christ nicht freudig ‚Halleluja‘ singen und dann die billigste Kleidung kaufen, bei deren Produktion irgendwo auf der Welt Menschen ausgebeutet wurden.“

Weil er selber Unternehmer war, weiß Diedrichs, wie ein Unternehmer kalkulieren muss – und wann die Kalkulation zur Ausbeutung wird. „Wer Jeans für zehn Euro kauft, duldet und fördert die Ausbeutung von Menschen“, sagt er. Kosten für Material und Transport der Kleidung ließen sich kaum mehr mindern. Die Mini-Löhne der Näherinnen in Pakistan oder Indien aber schon. Die Frauen würden dort schamlos ausgebeutet. Diedrichs ist deshalb wichtig, dass bei Christen Reden und Handeln nach biblischen Maßstäben zusammenpassen.

Mitchristen in seinem Alter für Umweltthemen zu begeistern, sei schwierig. Der Jugend überlasse man das Thema gern, aber aktiv würden insgesamt nur wenige. Diedrichs spürt aber auch eine Veränderung zum Guten. „Wenn in der Gemeinde Pappteller benutzt werden, sagen die Geschwister schon mal: ‚Lass das bloß Helmut nicht sehen!‘“. Diedrichs wertet das als gutes Zeichen. Die Wahrnehmung, dass ein Missstand vorhanden ist, sei der erste Schritt zu dessen Beseitigung. „Ich möchte gern erreichen, dass noch mehr Geschwister in den Gemeinden so eine Art schlechtes Gewissen, oder ‚Regulativ‘ sind.“

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2 Antworten

  1. “Stadtmission senkt mit Google CO2-Ausstoß”

    Hmm – mit “Google” (=Datenkrake). Ob das nicht doch auch ohne Google geht?

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  2. Es geht natürlich auch ohne Google.
    Es sollte ein Internet-Kalender sein, damit jeder “seinen” Raum (seine Raumbuchung / Heizung) beobachten kann.
    Der Kalender der Stadtmission Arheilgen ist nur für angemeldete Besucher zugänglich. Also, er ist bedingt öffentlich und nicht für jeden zugänglich.

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