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Bei Wein und Tee über Klima und Armut

Wie hängt der Klimawandel mit der Armut in der Welt zusammen? Der Meteorologe Sven Plöger und der Chef des christlichen Hilfswerks World Vision Deutschland, Christoph Waffenschmidt, haben sich darüber unterhalten und diese Gespräche in ein Buch gepackt. Ihr Fazit: Es ist nicht alles verloren, wenn man es nur richtig anpackt.
Von Jörn Schumacher
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Sven Plöger, Christoph Waffenschmidt: „Besser machen!“

Foto: adeo; Irina Iriser

Christoph Waffenschmidt, links, und Sven Plöger sprechen in rheinisch-fröhlicher Manier über ernste Themen

Wenn sich zwei schlaue Menschen zusammensetzen und ihr Gespräch aufzunehmen, haben sie sich meist gegenseitig interessante Sachen zu erzählen. Und dies ist für einen Zuhörer etwa eines Podcasts oder den Leser eines Buches ein Erkenntnisgewinn. Und oft auch unterhaltsam. So eine Art Podcast haben Sven Plöger, Diplom-Meteorologe, Spiegel-Bestsellerautor und Fernsehmoderator, und Christoph Waffenschmidt, Vorstandsvorsitzender von World Vision Deutschland, aufgenommen. Allerdings ist dieses Gespräch als Buch herausgekommen: der Autor Mirko Kussin lauschte den beiden und beschreibt die Szenerie.

Angesichts von Klimakatastrophe, Pandemie, vernichtenden Bränden, Überschwemmungen und weltweiten Fluchtbewegungen auf Rekordniveau tut es gut, auch einmal gute Nachrichten zu hören. Das war wohl die Idee hinter „Besser machen!“, dessen Titel bewusst mit der Zweideutigkeit der Worte spielt. Je nach Betonung kann es heißen: Wir können das besser, oder auch: Lieber etwas tun, als die Hände in den Schoß legen. Das Fazit der Gesprächspartner schlägt in beide Richtungen aus.

Plöger, der nach seinem Meteorologie-Studium 1996 zum Radio und 1999 zum Fernsehen ging, moderiert verschiedene Wettersendungen für die ARD. Zuletzt veröffentlichte er den Spiegel-Bestseller „Zieht euch warm an, es wird heiß!“ über den Klimawandel. Waffenschmidt wurde 1999 mit 29 Jahren zum Bürgermeister in Waldbröl im Bergischen Land gewählt, damit war er der jüngste in Nordrhein-Westfalen; seit 2008 ist er Vorstandsvorsitzender der christlichen Hilfsorganisation World Vision Deutschland. Waffenschmidt spricht wiederholt seinen Glauben und sein „christlich geprägtes, bürgerliches und politisch aktives Elternhaus“ an (sein Vater Horst Waffenschmidt war Parlamentarischer Staatssekretär und von 1988 bis 1998 Aussiedlerbeauftragter der Bundesregierung).

Für das Thema CO2 geht’s ans Lagerfeuer

Der Verlag verspricht, dass im Buch von kreativen Initiativen berichtet wird, die zumindest kleine Wege aus der Krise heraus zeigen. Es solle ermutigen, und das Resümee von Plöger und Waffenschmidt laute: „Es ist nicht alles furchtbar!“ Plöger und Waffenschmidt sind rheinische Frohnaturen und langjährige Freunde, und beide Tatsachen zelebrieren beide genüsslich. Angesichts der Schwere ihrer Themen wirkt der nette Plauderton bei Wein, Tee und alkoholfreiem Bier manchmal aber etwas unangemessen. Der Erzähler thematisiert durchgehend auch den Smalltalk, die Wahl des Getränkes, den Wechsel des Standortes, das Öffnen des Fensters (Corona!), den Sitzsack; wichtige Teilnehmer des Gesprächs sind zudem Sckoko-Bonbons, die sich die Diskutanten einander zuwerfen.

Das Konzept, das wohl die positiven Seiten des Lebens angesichts der Schrecken betonen soll, kann gut gehen; aber wenn beide Männer über Hochwasser und Dürre, Armut und Hunger sprechen und dann mit ihren Bierflaschen anstoßen, oder über die gefährliche Erhöhung des CO2 in der Atmosphäre und währenddessen ausgerechnet – „ein wenisch jemütlisch“ – ein Lagerfeuer hinterm Haus anzünden, wünscht sich mancher Leser vielleicht doch nur harte Fakten anstatt Zuprosten und kölsche Weisheiten.

Zum Glück sind sich beide einig: Mit einem „Et hätt noch immer jot jejange“ lacht man die Probleme des Klimawandels definitiv nicht beiseite. Und erst recht das wichtige Vorwort vom Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Gerd Müller (CSU), macht klar, wie bitter real die Probleme sind, vor denen wir stehen und die ja Anlass für das Buch sind. „Der Klimawandel ist längst Realität“, betont Müller, und Schuld daran sei nicht zuletzt „unser grenzenloses Bedürfnis nach ständigem ‚Höher, Schneller, Weiter, Mehr‘“. Er appelliert: „Wir müssen umsteuern. Das letzte Jahrzehnt war das heißeste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.“ Außerdem werden im Jahr 2050 rund 10 Milliarden Menschen auf der Erde leben, listet Müller weitere unangenehme Fakten auf. „Allein in Afrika hat die Hälfte der Bevölkerung – 600 Millionen Menschen – keinen Zugang zu Elektrizität.“ Und so geht es weiter.

Wiederbelebte Bäume in der Wüste

Plöger und Waffenschmidt plaudern – was zugleich die Stärke aber auch eine Schwäche des Buches ist. Plöger tut, was er immer tut: Er referiert sehr fachkundig und gut verständlich über das Wetter und das Klima und den Unterschied dazwischen über Jetstream, Albedo-Werte und Treibhausgase. Oder über die Ungerechtigkeit, dass der reichere Teil der Bevölkerung sich weiterhin alles leisten könne, etwa eine Vielzahl von Flugreisen, der ärmere, ohnehin weniger Treibhausgase emittierende Teil der Bevölkerung jedoch nicht. (Waffenschmidt über Plöger: „Du bist das Fleisch gewordene Bildungsfernsehen, rheinisches Telekolleg in Person.“)

Waffenschmidt wiederum weiß von zahlreichen spannenden und vorbildlichen Projekten im Kampf gegen die Armut zu berichten, die er meistens selbst vor Ort gesehen hat. Er berichtet etwa von Tony Rinaudo, einem Agrarwissenschaftler aus Australien, der eine Wiederaufforstungstechnik entwickelt hat, bei der besonders gepflegte Pflanzen mit ihren Wurzeln dabei helfen, selbst in ausgetrocknetem Boden noch Wasser zu erreichen. 2018 bekam er den alternativen Nobelpreis.

„Mehr als 200 Millionen Bäume sind auf diese Weise schon ‚wiederbelebt‘ worden“, klärt das Buch in einem Info-Kasten auf. Und schnell wird klar, wie sehr solche kleinen Erfindungen in der Landwirtschaft enorme Auswirkungen auf die sozialen Gefüge eines Landes haben kann: Mit dem Baumwuchs steigen auch die Erträge der Landwirtschaft. Es ist Plöger, der betont, dass jener Rinaudo ein gläubiger Mensch sei. „Er sagt von sich selbst, dass er schon früh sicher wusste, dass es seine gottgegebene Aufgabe sein würde, Bäume in der Wüste zu pflanzen. Jahrelang hat er dafür gebetet, dass ihm die richtige Idee kommen möge Und dann war sie auf einmal da.“

Themen-Hopping mit wichtigen Inhalten

Das Buch ist natürlich auch ein bisschen Werbung für World Vision, und Waffenschmidt selbst will das gar nicht verhehlen. Er schwärmt von seiner eigenen Patenschaft für ein Kind und berichtet, was mit den Spenden passiert. Auch Plöger hat einen vietnamesischen Jungen als World-Vision-Patenkind. Der Erzähler kommentiert überflüssigerweise: „Hier sind sich zwei Menschen sehr einig.“ Plöger wiederum darf ausführlich über einen seiner Filme sprechen, der dann auch für den Leser verlinkt wird. Leider fehlt bei dieser Plauderei unter Fachleuten der rote Faden, und – wie in einem Podcast zweier alter Männer – die Diskutanten springen zwischen den Themen, waren eben noch beim Inselstaat Tuvalu, das wegen des steigenden Wasserspiegels in Gefahr steht, und dann plötzlich bei Corona-Impfstoffen. Für viele Leser kann aber gerade das der Drive sein, der sie am Buch festhält.

Bemerkenswert ist die Kombination dieser beiden Männer allemal: Denn beide sind Experten auf ihrem Gebiet. Der eine für das Klima, der andere für Armut. Und wenn der Leser eines mitnimmt, dann die Erkenntnis: Beides gehört zusammen, der Klimawandel bringt mehr Dürre und Hochwasser und das bringt Armut. In der Form ist das Buch vielleicht etwas gewagt, im Inhalt aber sehr wichtig.

Sven Plöger, Christoph Waffenschmidt: „Besser machen!“, adeo, 272 Seiten, 22 Euro, ISBN 9783863343064, erscheint am 24. September 2021. Am Freitag, den 24. September, werden beide Autoren gemeinsam ihr Buch im Kölner Treff vorstellen.

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