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Afghanistan: Frauen und Männer sitzen in Redaktionen getrennt

Seit der Machtübernahme der Taliban hat sich in Afghanistan viel verändert. Für Journalisten ist die Ausübung ihres Berufs gefährlicher geworden. Doch es gibt auch Hoffnung.
Von Martin Schlorke
Abdulhaq Omeri

Foto: Maxim Gorki Theater/Screenshot PRO

Abdulhaq Omeri floh vor den Taliban nach Deutschland

Am 15. August des vergangenen Jahres haben die Taliban die afghanische Hauptstadt Kabul eingenommen. Vorausgegangen war der Rückzug aller westlichen Truppen aus dem zentralasiatischen Land. Seitdem hat sich die Lage der Pressefreiheit in Afghanistan drastisch verschlechtert. Das sagte der afghanische Journalist Abdulhaq Omeri auf einer Podiumsdiskussion am Dienstag in Berlin.

Trotz des Versprechens der Taliban, die Pressefreiheit im Land zu achten, „haben wir Afghanen seit dem 15. August 2021 alle Errungenschaften der vergangenen Jahre verloren“. Omeri betonte jedoch auch, dass Medienschaffende bereits vor der neuerlichen Herrschaft der Taliban mit großen Herausforderungen zu kämpfen hatten. Als Beispiel nannte er Terrorgruppen wie den IS und korrupte Politiker. Dennoch habe es Pressefreiheit im Land gegeben. Für diese Errungenschaft will er gemeinsam mit seinen Kollegen weiterhin kämpfen.

In dem Podiumsgespräch berichtete Omeri von 120 seiner Kollegen, die seit der Machtübernahme gewaltsam ihr Leben verloren hätten. Omeri selbst konnte rechtzeitig Afghanistan verlassen und lebt nun in Hamburg.

Geschlechtertrennung in Redaktionen

Von ihren Erfahrungen in Afghanistan berichtete ebenfalls die freie Fotojournalistin Johanna-Maria Fritz. Sie hat vor und nach der Machtübernahme mehrmals Afghanistan besucht. Vor der Machtübernahme seien für sie als westliche Journalistin Entführungen die größte Gefahr gewesen. Diese Gefahr sei jetzt nicht mehr so stark. Zudem könne sie nun mehr Provinzen bereisen.

Vor allem für Journalistinnen gebe es aber nun mehr Einschränkungen. Redaktionen müssten baulich so verändert werden, dass Frauen und Männer getrennt voneinander arbeiten können. Konkret bedeute das Sichtschutz, getrennte Studios und verschiedene Eingänge.

Foto: PRO/Martin Schlorke
Abdulhaq Omeri (2.v.l.), Shikiba Babori (3.v.l.) und Johanna-Maria Fritz (2.v.r.)

Die aus Afghanistan stammende Journalistin Shikiba Babori kritisierte zudem die Forderung der Taliban, Journalismus nach „islamischen Regeln“ zu machen. Keiner wisse, was das eigentlich bedeute, sagte sie. In Bezug auf die Kleidung hätten sich afghanische Journalistinnen schon immer an traditionelle Sittlichkeitsregeln gehalten. Ansonsten lasse diese Formulierung viel Interpretationsspielraum.

Exilmedium gefordert

Hoffnung mache Omeri, dass er und seine Kollegen auch aus dem Exil heraus die Menschen in Afghanistan erreichen können. Vor allem mithilfe der sozialen Netzwerke sei dies möglich. Er selbst habe mit einigen Videos hunderttausende Menschen erreicht. Zudem forderte er ein Exilmedium und ein Medienzentrum, das sich zur Aufgabe macht, objektiv und in Landessprache über Afghanistan zu berichten. Das sei notwendig, da im Land selbst kein unabhängiger Journalismus mehr möglich ist. Für so ein Medienzentrum sei allerdings finanzielle Hilfe notwendig.  

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