Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) will seinen Kindern christliche Werte vermitteln. Im Gespräch mit Julia Emmrich und Jan Dörner im Podcast „Meine schwerste Entscheidung“ sagte Wüst, dass er daher abends mit seiner Tochter bete.
Ein sonntäglicher Kirchgang gehöre nicht zu seiner Praxis, weder in der Kindheit noch heute, erklärte Wüst und grenzte sich gegenüber Frömmelei ab. Zu Hause werde jedoch gebetet, wenn er abends da sei, „auf eine bestimmte Art und Weise“. Seine Frau bete mit der älteren Tochter auf eine andere Weise.
Zu einer bewussteren Glaubenspraxis habe er über den Tod seiner Mutter zurückgefunden. Sie sei nach einer Behandlung an der Uniklinik Essen noch einmal zum Geburtstag nach Hause gekommen und habe dort artikuliert, nicht mehr ins Krankenhaus zurück zu wollen. „Dann haben wir auch gebetet“, sagte Wüst, und weiter: „Wenn nichts mehr hilft, wenn du keine Antworten mehr kriegst aus dir selbst heraus oder von anderen, dann gehst du dahin zurück, wo du sie vielleicht glaubst zu finden. Bei mir war es der katholische Glaube.“
Persönliches „Werteset“
Wüst verstehe es als Angebot an die Kinder, nicht als Verpflichtung. Wichtig sei ihm, den Töchtern mitzugeben, dass es „eine Instanz“ und „ein Wertegerüst, das einen Ursprung hat“ gebe. Die endgültige Entscheidung darüber überlasse er ihnen selbst.
Das christliche Menschenbild bezeichnete Wüst als sein persönliches „Werteset“, das ihn mit zunehmendem Alter stärker präge. Als Beispiel nannte er eine Reise nach Taipeh, auf die er sich vorbereitet hatte. Dabei habe ihn erschüttert, dass die Suizidrate junger Menschen dort parallel zur Arbeitslosigkeit steige. Erst später sei ihm aufgefallen, dass ein tief in der Gesellschaft verankertes christliches Menschenbild einer der Gründe sein könnte, warum dieser Zusammenhang in stärker christlich geprägten Gesellschaften schwächer ausfalle – weil Menschen ihren Wert dort nicht allein aus Arbeit zögen.
Menschen jenseits ihrer Funktion und Leistung als wertvoll zu betrachten, sei für eine Gesellschaft „kein schlechtes Ding“, so Wüst. Zugleich betonte er, jeden Menschen mit anderem oder ganz ohne Glauben zu akzeptieren. Je älter er werde, desto mehr merke er, dass ihn das mit dem christlichen Menschenbild verbundene Wertegerüst „auf eine Art und Weise prägt, die ich gut finde“.