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Wüst: Glaube ist Teil meines Alltags

In einem Interview erklärt der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Wüst die Bedeutung des christlichen Glaubens für sein politisches Handeln. Auch zum Kölner Muezzinruf hat er eine klare Meinung.
Von Johannes Blöcher-Weil
Der amtierende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst (CDU)

Foto: Anja Tiwisina

Der amtierende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen Hendrik Wüst (CDU) äußert sich gegenüber dem Domradio offen zu seinem Glauben

In einem Interview mit dem katholischen Radiosender Domradio bezeichnet sich der amtierende Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Hendrik Wüst, als „überzeugter Christ und Christdemokrat“. Er treffe grundlegende Entscheidungen auf der Basis seines Glaubens. Die christliche Erziehung seiner Eltern habe ihm ein „bodenständiges Wertefundament“ vermittelt.

Als Wüst 19 Jahre alt war, sei seine Mutter gestorben. In dieser Ausnahmesituation habe ihm der Glaube Halt gegeben. Er sei Geistlichen begegnet, die ihm wirklich Trost spenden konnten: „Für mich ist der Glaube Teil meines Alltags geworden, nicht frömmelnd, aber irgendwo da.“

Gesellschaft ohne Kirche und Glaube unvorstellbar

Die Missbrauchsvorfälle hätten das Vertrauen in die Kirche massiv erschüttert. Es brauche jetzt einen langen Atem, um das Thema aufzuarbeiten. Eine „Gesellschaft ohne Glauben und ohne Kirche“ möge er sich nicht gerne vorstellen. Im INterview bricht Wüst zudem eine Lanze für das C im Parteinamen. Dieses beziehe sich auf das christliche Menschenbild und nehme damit jeden „mit seiner unteilbaren Menschenwürde“ an. Diese Grundlage sei in der gegenwärtigen Politik gerade mehr denn je gefragt.

Auch der Sonntagsschutz ist dem amtierenden Ministerpräsidenten wichtig. Dieser werde wird in seinem Verständnis auch nicht erschüttert, „wenn man in Abstimmung und planbar auch mal einen verkaufsoffenen Sonntag zulässt“. Für „gut austariert“ hält der CDU-Politiker das Verhältnis von Kirche und Staat. Einer Ablösung der Staatsleistungen würde er sich nicht verschließen. Diese müsse im Sinne des austarierten Verhältnisses jedoch partnerschaftlich erfolgen.

Muslime sind für Wüst ein „wichtiger Teil unserer Gesellschaft“. Dass Köln den Muezzinruf erlaubt habe, falle unter die Religionsfreiheit. Trotz allem sorge er sich, dass die Einführung mehr Streit auslöse und weniger der Integration diene. Gegenüber Juden habe Deutschland eine besondere Verpflichtung. Deswegen gebe es seit Anfang April einen neuen Staatsvertrag. Dieser solle das jüdische Leben intensiver fördern und jüdischen Einrichtungen Sicherheit bereitstellen. Es gehe darum, dem Antisemitismus entschieden zu begegnen und ihn zu bekämpfen.

Plädoyer für die Wiedervereinigung ebnete Weg in die CDU

Wüst erzählt in dem Interview, wie er als 14-Jähriger durch Fernsehbilder des Ceausescu-Regimes in Rumänien und dessen Umgang mit Kindern politisiert worden sei. Diese Bilder hätten seinen jugendlichen Gerechtigkeitssinn angestachelt und ihn dazu gebracht, sich politisch zu engagieren. Das klare Plädoyer der CDU für die Wiedervereinigung damals und das katholisch geprägte Münsterland hätten ihn dann zur CDU geführt.

Im einwohnerreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen wird am 15. Mai ein neuer Landtag gewählt. In einer Umfrage im Auftrag der „Bild am Sonntag“ vor einer Woche lag die SPD knapp vor der CDU. Laut der Zahlen des Meinungsforschungsinstitutes Insa kommt die SPD auf 31 und die CDU auf 29 Prozent. Die Grünen liegen demnach bei 14 Prozent, die FDP bei 10, die AfD bei 7 und die Linke bei 4 Prozent. Die Zahlen würden der aktuell schwarz-gelben Regierung nicht zur erneuten Mehrheit reichen.

Herausforderer des amtierenden Ministerpräsidenten Hendrik Wüst ist der SPD-Politiker Thomas Kutschaty. Er war bereits im Kabinett von Hannelore Kraft Justizminister. Aktuell ist er als SPD-Fraktionsvorsitzender auch Oppositionsführer. Die FDP wird vom aktuell stellvertretenden Ministerpräsidenten Joachim Stamp in die Wahl geführt. Die übrigen Spitzenkandidaten sind Mona Neubauer (Bündnis 90/Die Grünen), Markus Wagner (AfD) und Carolin Butterwegge (Linke).

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7 Antworten

  1. “Jetzt kümmern wir uns um die Ungeimpften und führen eine Impfpflicht ein…. Und wer da nicht mitzieht, der muss … damit rechnen, dass er ein Bußgeld bezahlen muß, weil er seiner Impfpflicht nicht nachkommt .”
    Hendrik Wüst
    Ministerpräsident Nordrhein-Westfalen
    ARD-Talkshow “Anne Will”, 23.01.2022

    Klar… So benimmt sich wirklich ein überzeugter Christ. Aber anscheinend verstehe ich unter “Christen” etwas anderes.

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    1. d’accord, Lydia, Deine “kleine Anfrage” ging durch, weil sie nicht so spitz formuliert war wie meine. Aber diesen Menschen auf einen “christlichen Schild” zu heben? Nun denn…

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      1. Naja… Spitz formuliert geht anscheinend manchmal eher durch als faktenbasierend.
        Meine Antwort auf Fred ist nach Stunden noch nicht freigeschaltet, obwohl der neben der bereits beschriebenen Kritik nur fachliche Informationen beinhaltete. Da ich aus einer Familie komme, wo die Mehrheit in Krankenhäusern arbeitet, habe ich zudem noch andere Einblicke. Aber das will man wohl auch lieber nicht veröffentlichen.

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        1. Mach Dir nichts draus: bei Freddy stürzt weiterhin täglich ein Flugzeug ab (350), und die Pocken dürfen auch als Vergleich herhalten. Also die Argumente für MP Wüst flutschen nur so…

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  2. Liebe Lydia, auf den ersten Blick findet man eine klare Regelung mit dem Verständnis eines Christen von persönlicher Freiheit unvereinbar. Wenn man genauer hinsieht, dann geht es bei dieser “Pflicht” aber um den Schutz von Menschen (vor allem älteren) vor dieser heimtückischen Krankheit. Bin jetzt mit 77 positiv getestet. Hätten wir gemeinsam für ein selbstverständliches Ja zur Impfung gefunden, sehe unsere ganze Situation völlig anders aus. Heute wieder: über 350 an Covid gestorbene Mitmenschen. Auch das gehört zu einem zweiten Blick. Hätte die Welt in Hinsicht auf die Pocken so ein Verweigerungsscenario aufgeführt, wäre diese furchtbare Krankheit bis heute nicht ausgerottet …

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  3. Das mit dem Muezzin Ruf sehe ich anders. Andere Länder, andere Sitten, hier gelten unsere. Man weiss ja, was dort gerufen wird. Das ist nicht in Ordnung. Das Glockenleuten hat keine religiöse Aussage, wie die Kirchenuhr auch.

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