Rezension

ARD löst die Rätsel christlicher Feiertage

Die religiöse Bedeutung der christlichen Feiertage und Bräuche ist vielen Menschen nicht mehr bewusst. Eine vierteilige Reihe in der ARD geht den Hintergründen zusammen mit Unterhaltungs-Promis nach – unterhaltsam und wertschätzend.
Von Jonathan Steinert
Guido Cantz in „Holy Days“

Was wird zu Pfingsten gefeiert? Etwas mehr als ein Drittel der deutschen Bevölkerung weiß, dass es dabei um die Sendung des Heiligen Geistes geht. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts „Insa“ im Auftrag der evangelischen Nachrichtenagentur „Idea.“ Ein weiteres Drittel hält Pfingsten für das Fest der Himmelfahrt Jesu. 17 Prozent der Befragten haben demnach keine Vorstellung von seiner Bedeutung.

Eine Sendereihe der ARD will da Abhilfe schaffen. In „Holy Days“ nimmt der Schauspieler Nicolai Tegeler alias Gabriel Engel eine prominente Persönlichkeit der Unterhaltungsbranche mit auf eine Reise zu verschiedenen Traditionen, die sich mit den christlichen Feiertagen verbinden.

Los ging es bereits zu Ostern und dem Schauspieler Oliver Mommsen als Gast. Reality-Star Evelyn Burdecki machte sich auf die Spuren von Christi Himmelfahrt. An Pfingstsonntag läuft nun die nächste Folge, dann mit dem Comedian Guido Cantz, der selbst katholisch geprägt ist. Einer seiner Vorfahren, Kaspar Cantz, war Anfang des 16. Jahrhunderts sogar Prior eines Klosters, schloss sich dann aber der Reformation und der Theologie Martin Luthers an, erzählt Cantz dem Engel, der ihn in der Sendung von einer Station zur nächsten chauffiert.

Zwischen Dreckschweinfest und Bibel

Die Feiertags-Traditionen, die Cantz und die anderen Gäste kennenlernen, haben nicht immer etwas mit dem christlichen Gehalt der Feste zu tun, sondern auch mit lokalem Brauchtum. So wird Cantz in Schmalenberg in der Pfalz als „Quack“ in ein Kostüm aus Zweigen von Buche, Birke und Ginster gekleidet. Dabei geht es darum, diese Figur – oder Gottheit, wie einer der Beteiligten erklärt – um eine gute Ernte und Fruchtbarkeit zu bitten. Beim Dreckschweinfest in Hergisdorf im Südharz wird der Winter vertrieben, indem die Dorfbewohner in eine Schlammgrube springen.

Aber auch verschiedene Bräuche mit christlicher Bedeutung kommen vor. Bei einem Picknick gibt es für Cantz etwa Brotvögel, eine Pfingstspezialität aus dem süddeutschen Raum. Dabei handelt es sich um ein Teiggebäck in Form einer Taube. Denn, so erklärt Gabriel Engel, diese steht für den Heiligen Geist, da Gott zur Taufe Jesu als Taube erschienen sei.

Evelyn Burdecki besucht in der Himmelfahrts-Folge eine Kirche, in der aus Anlass des Festes eine Jesusfigur aus dem Kirchenraum durch ein Loch in der Decke nach oben gezogen wird. Auch sie darf an der Kurbel drehen und lässt dabei den vielsagenden Satz fallen: „Jesus Christus ist wieder da.“

Charmant und wertschätzend

Genau das ist das Charmante an dieser Reihe: wie die jeweiligen Gäste auf die Bräuche und die christlichen Hintergründe reagieren, was sie darüber denken und wie sie mit ihrem „himmlischen“ Chauffer Gabriel Engel darüber sprechen. Denn der fragt dazu immer wieder nach. Oliver Mommsen etwa sagt auf die Frage, ob er an die Auferstehung glaube: „Ja. Denn dann wird die Geschichte erst richtig geil.“ Diese Perspektive gefalle ihm besser, als wenn Jesus umgebracht worden wäre „und wir hätten die einzige Chance vertan, um Hilfe von oben zu bekommen oder von woher auch immer“.

Zentrales Element in der Sendung sind mit Künstlicher Intelligenz erstellte Videosequenzen, die die biblischen Berichte, die hinter den Festen stecken, darstellen und erzählen – in einem Stil, den man aus vielen Bibelfilmen kennt. Die Gäste des Engels bekommen diese Videos auch zu sehen, mittels einer VR-Brille.

Die Sendereihe will Bräuche und Hintergründe zu den christlichen Feiertagen unterhaltsam und verständlich aufbereiten. Das gelingt sehr gut. Der Zuschauer erhält einen interessanten Eindruck von der Vielfalt an Traditionen, die sich, religiös oder nicht und zuweilen sehr lokal, hierzulande um diese Feste entwickelt haben. Zugleich erfährt man viel von deren religiöser Bedeutung und der biblischen Grundlage. Das kommt dabei nicht als etwas Weltfremdes daher, sondern wird sehr wertschätzend und respektvoll als die eigentliche Geschichte hinter den Feiertagen beleuchtet.

Die vierte und letzte Folge wird zu Weihnachten ausgestrahlt. Wer dann als Gast dabei ist, wurde noch nicht bekannt gegeben.

„Holy Days – Guido Cantz und das Rätsel Pfingsten“, am 24. Mai 2026, 14.15 Uhr in der ARD sowie ab 22. Mai in der ARD-Mediathek

Helfen Sie PRO mit einer Spende
Bei PRO sind alle Artikel frei zugänglich und kostenlos - und das soll auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden. Unterstützen Sie jetzt PRO mit Ihrer Spende.

Ihre Nachricht an die Redaktion

Sie haben Fragen, Kritik, Lob oder Anregungen? Dann schreiben Sie gerne eine Nachricht direkt an die PRO-Redaktion.

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen