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Zweideutiger Bibel-Post geht viral – und die Kirche schmunzelt

Der Post eines Bibelverses ließ diese Woche in den Sozialen Medien unbeabsichtigt Raum für anzügliche Interpretationen und sorgte damit für einen viralen Hit. Die Moderatoren nahmen es mit Humor – und schafften es damit in die Zeitung.
Von Jonathan Steinert
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Ohne Vokale bietet der Hashtag mehr Interpretationsspielraum als gedacht

Die Social-Media-Kanäle des „Bibleservers“, ein Angebot von ERF Medien, posten jeden Tag einen Bibelvers. Dazu einen Hashtag für das zentrale Wort dieses Verses – allerdings nur die Konsonanten davon. Die meisten dieser Posts haben auf Instagram zwischen 200 und 500 Likes und eine Handvoll Kommentare, auf Facebook sind die Reaktionen noch überschaubarer. Diese Woche jedoch ging ein Post durch die Decke: Über 1.700 Nutzer haben dafür innerhalb von vier Tagen Herzchen auf Instagram hinterlassen, mehr als 200 einen Kommentar, auf Facebook erntete der Post hunderte Reaktionen. Und nicht nur das: Auf Twitter trendete der Hashtag, der Post wurde in verschiedenen Gruppen in den Sozialen Medien geteilt und selbst die Bild-Zeitung, die Neue Osnabrücker Zeitung, die Schweriner Volkszeitung, die B.Z. und andere Medien berichteten darüber. Was war geschehen?

Eigentlich nichts Besonderes: Wie sonst auch postete das Bibleserver-Team am Montag einen Bibelvers mit Hashtag. „Es war Gott – nicht wir –, der ihn wachsen ließ.“ aus 1. Korinther 3,6. Doch der dazugehörige Hashtag #WCHSN lud viele Nutzer zu zweifelhaften Spekulationen ein. Im Vers gibt es nur ein Wort, das diese Buchstabenfolge meinen könnte. Für sich genommen ließen sich die Leerstellen aber auch anders füllen, zum Beispiel mit einem „I“ statt einem „A“ – und schon beschreibt das Wort eine sexuelle Handlung. Im Zusammenhang mit dem Vers eindeutig zweideutig.

Diese – wie ERF Medien beteuert – nicht beabsichtigte Interpretationsmöglichkeit sorgte jedenfalls für ordentlich Spott und Erheiterung im Netz und für unerwartete Reichweiten. Auf Twitter und Instagram stellten Nutzer zahlreiche Wortspiele mit dem Hashtag an wie „So lasset uns gemeinsam #wchsn“ und dergleichen mehr. Andere lobten, dass Kirche ja gar nicht mehr so prüde sei.

Antwort mit Humor

Die Moderatoren des Kanals nahmen es mit Humor und reagierten mit gewitzten Antworten auf die Kommentare. Dafür ernteten sie viel Lob von den Nutzern. „Die ganzen (gut gemeinten) Kommentare haben uns echt viel Spaß bereitet. Und Respekt vor euren Reaktionen – sehr souverän und auch wieder witzig!“, schrieben die Kollegen von der Evangelischen Kirche im Rheinland; „Selbst Atheisten gefällt das“, bemerkte ein Nutzer, „eure Antworten sind der Oberhammer!“, schrieb eine andere, und wieder jemand bezeichneten die ganze Kommentarspalte als „Teil des Gesamtkunstwerks“. Das rief dann auch die Presse auf den Plan. „Bibel-Fans gehen mit Schmuddel-Hashtag viral“, titelte die Bild-Zeitung und schob hinterher: „Da schmunzelt selbst die Kirche …“

ERF-Chef Jörg Dechert lobte die Mitarbeiter gegenüber PRO: „Ich bin stolz auf die Kolleginnen in unserem Social-Media-Team, die mit dem unerwarteten ‚Smilestorm‘ aus Likes, Retweets und Kommentaren so kreativ und professionell umgegangen sind, dass die Bibel den Weg in die ‚Bild‘ gefunden hat.“ Die „anzügliche Zweideutigkeit“ des Bibel-Posts sei keine Absicht, sein Medienhaus von der Wirkung überrascht gewesen, erklärte Dechert und resümierte: „Auch wenn wir es nicht geplant haben – wir freuen uns, wenn Menschen durch diese verrückte Geschichte einen Berührungspunkt mit dem Wort Gottes erleben und unser Angebot Bibleserver.com kennenlernen.“

Am Donnerstag gab es dann noch einen offiziellen Antwort-Post, mit dem sich das ERF-Team bei der Community bedankte: „Ihr habt #HMR bewiesen, wir auch und wir glauben, auch Gott hat Humor. Wir glauben, er ist liebevoll, humorvoll, barmherzig und geduldig. Wenn wir unsere Reichweite dafür nutzen können, um diese gute Nachricht weiterzugeben: sehr cool. Auch cool, wenn das aus Versehen passiert. Wir #WCHSN an unseren Aufgaben.“

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6 Antworten

  1. Wenn nur „Kolleginnen“ im Social Media Team sind, erklärt das für mich einiges.
    Aber solange Menschen damit mit Gottes Wort in Verbindung kommen. Der Vers allein kann dann allerdings auch anzüglich sein.
    Was mich wirklich stört ist, dass Gott „nur“ als „ liebevoll, humorvoll, barmherzig und geduldig“ beschrieben wird. Wie würden Christen reagieren, wenn Gott nur als heilig, gerecht, rechtschaffen und eifersüchtig dargestellt würde? Da würde doch den Meisten die Einseitigkeit auffallen.
    Lasst uns Gott so sehen, wie er sich beschreibt. Jesus redet auch viel öfter von der Hölle als vom Himmel(sic)!

  2. Schon interessant, dass auch hier nicht davon berichtet wird, dass beileibe nicht jeder diesen Post und vor allem die “humorvollen Kommentare” vonseiten des ERF wirklich lustig fand!
    War schon diese Beschneidung des eigentlichen Bibelverses und die Auswahl der Übersetzung eher sprachlich inkompetent, so war der Hashtag mehr als ein Unfall – wenn auch nicht beabsichtigt.
    Die Reaktionen vonseiten des ERF auf offensichtlich perverse Kommentare schürten diese Perversität auch noch an.
    Passieren kann sowas, dafür habe ich jedes Verständnis. Sich im Nachhinein darüber auch noch zu freuen und gar damit angeben zu wollen, empfinde ich als untere Schublade.
    Mal ganz davon abgesehen, dass man nicht tiefer sinken kann, als für einen Fehler auch noch von der BLÖD-Zeitung gelobt zu werden.

  3. Nun, ich finde das Ganze sehr interessant. Das, was man in dem Hashtag liest, sagt doch einiges darüber aus, was das eigene Denken bestimmt. Wer nun den umgangssprachlichen Ausdruck darin sieht, sollte einmal überlegen, mit was er sich täglich umgibt, daß ihn dieses Wort in den Sinn kommt. Wovon das Herz voll ist, davon geht der Mund über. Der Hashtag hat etwas sehr gutes bewirkt, mag es auch unbeabsichtigt gewesen sein.

    1. Er hat auch diejenigen auf den ERF aufmerksam gemacht, die ansonsten nichts damit anfangen können.
    2. Sie hat zu einem Dialog geführt.
    3. Sie hat die Möglichkeit eröffnet, das Evangelium bekannt zu machen.
    4. Es kann jeden zum Nachdenken über seine Wortwahl und über sein Denken anregen.

    Es ist im Grunde genau das, was man sagt, daß Gott auch auf krummen Linien gerade schreiben kann. Da kommen Leute an, um sich zu empören und werden mit der Liebe Gottes konfrontiert. Hier war es unbeabsichtigt, aber so arbeitet gute Werbung, teilweise auch graphisch, da nennt man es einen “optischen Zwischenfall”, auch akustisch ist es denkbar, mit einem Ton oder Akkord, der nicht zur Tonart eines Liedes paßt. In jedem Fall passiert etwas, was man nicht erwartet, was die Routine durchbricht. Hat nicht Jesus genau das gemacht, wenn er immer wieder Anlaß zum Anstoß genommen hat, wenn man ihm und den Jüngern vorwarf, vermeintlich nicht die mosaischen Gesetze zu beachten? Dadurch konnte er ins Gespräch kommen und die Botschaft vom Reich Gottes verbreiten.

  4. Gott trennt klar zwischen richtigem und sündhaften Verhalten. Auf krummen Linien kann Gott dann gerade schreiben, wenn Sünde erkannt und bereinigt wird. Die Befürworter eines solchen Verhalten incl. dem ERF müssen sich fragen lassen ob sie noch auf dem Grund des biblischen Evangeliums stehen. Ich bin gern für ein Spässle zu haben, aber bei Schlüpfigkeit im Zusammenhang mit der Schrift hört der Spaß auf

  5. Herr, himmlischer Vater, wir danken Dir, dass Du Menschen erreichst wo wir es nicht erwarten.
    Danke, dass Du Wege wählst, die wir uns nicht vorstellen können.
    Danke, dass Du jede Möglichkeit und jedes Medium nutzt, Menschen anzusprechen und Dich finden zu lassen.
    Du öffnest Türen, die wir nicht sehen. Danke für Deine Weisheit und Gnade an der wir teilhaben und uns erfreuen dürfen.

    Nehemia 8/10 Und seid nicht bekümmert; denn die Freude am HERRN ist eure Stärke.
    Römer 11/33 Wie unbegreiflich sind seine Gerichte und unerforschlich seine Wege!

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