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Zeit-Magazin geht dem Sinn des Lebens auf den Grund

Die Zahl der Menschen, die nach dem Sinn ihres Lebens fragen und suchen, wächst. Das Zeit-Magazin hat recherchiert, warum Menschen ihr Leben einem höheren Ziel verschreiben und welche Rolle der Glaube dabei spielt.
Von Johannes Blöcher-Weil
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Gott reißt den Himmel auf und kommt auf die Erde – keine Epidemie kann dieses Weihnachtsgeschenk auslöschen

Foto: Robson Hatsukami Morgan, Unsplash

Der Blick auf Gott und den Himmel wird immer weniger, wenn Menschen nach dem Sinn des Lebens suchen

Die Zahl der Ratgeber, Coaching-Angebote und Podcasts zum Thema Sinn des Lebens steigen stetig. Nur ein knappes Fünftel der Deutschen macht sich kei­nerlei Gedanken darüber. Warum die Frage nach dem Sinn des Lebens so in der Mode ist, erläutern die Redakteure des Zeit-Magazins aus ganz unterschiedlichen Perspektiven

Zu der Psychologin Claudia Christ etwa kommen Menschen, die sich speziell mit dem Sinn ihres Lebens befassen möchten. Sie ist eine der wenigen Psychologinnen, die sich auf das Thema spezialisiert haben. Die Nachfrage nach Terminen – sie ist bis Mitte nächsten Jahres fast ausgebucht – zeige, wie wichtig das Thema den Menschen sei. Die Pandemie rüttele an Gewissheiten und vermeintlichen Sicherheiten.

Einfluss der Kirchen schwindet

„Früher fanden die Menschen Lebenssinn im Glauben, heute hat jeder seine eigene Vorstellung davon“, betont die Psychologieprofessorin Tatjana Schnell. Menschen wollten dazugehören und einen Platz in dieser Welt haben. Zudem wünschten sie sich, dass ihr Handeln Kon­sequenzen habe und auf Resonanz stoße. Dabei werde es immer schwerer, einen gemeinsamen Sinnhorizont in einer individualisierten Welt zu finden.

In den zurückliegenden Jahrhunderten habe die Kirche die Sinnfrage für die Menschen beantwortet. Die Menschen sollten dem allmächtigen Gott dienen und seinen Willen auf der Erde erfüllen, um dann mit der Hoffnung auf das Paradies zu sterben. Dadurch habe keiner für sich selbst suchen müssen, aber der Einzelne habe sich auch dem vorgefertigten Plan fügen müssen. Wer ausscherte, habe die Konsequenzen der mächtigen Kirche zu spüren bekommen. Die Aufklärung habe an diesem Weltbild gerüttelt. Mittlerweile sei die Kirche nur noch ein Anbieter von vielen bei der Frage nach dem Sinn des Lebens.

Der Gießener Wissenschaftler Eckart Voland hat erforscht, warum Menschen überhaupt nach einem Sinn des Lebens suchen. Der Mensch habe dies nicht ursprünglich in sich selbst gesucht, sondern um den anderen zu verstehen. Wenn Menschen in einer Gruppe eine gemeinsame Identität entwickelten und in dem Tun einen Sinn sähen, würden sie dafür streiten, leben und machmal sogar sterben.

Statistiker: Sinn gibt es nicht

Für David Hand, Professor für Statistik, ist alles nur Zufall und eine Sache der Wahrscheinlichkeit: „Tut mir leid, so etwas gibt es nicht. Leben ist Leben, mehr nicht.“ Auch Wunder existieren für ihn nicht. Hand betont in dem Magazin, dass er den Menschen nicht ihren Glauben nehmen wolle. Die rationale Sicht auf die Dinge sei aber nicht weniger aufregend. Hand findet es entlastend, nicht nach einem tieferen Sinn suchen zu müssen. Zufall mache keine Schuldgefühle, er lehre Demut, Menschen vom Zwang des Sinns zu befreien.

Der amerikanische Forscher und Psychiater Adam Kaplin hat herausgefunden, dass es Menschen körperlich besser gehe, die für sich einen Lebenssinn gefunden hätten. Studien des Professors aus Baltimore hätten gezeigt, dass glückliche Menschen deutlich weniger von Demenz, Schlaganfälle, Herzinfarkte betroffen seien.

Sträflich unterschätzte Medizin

Sinnerfüllung sei zwar nicht zwangsläufig der entscheidende Grund dafür, dass Menschen von schweren Krankheiten verschont blieben. Kaplin ist sich jedoch sicher, dass Lebenssinn Menschenleben retten könne. Es sei die Aufgabe der Gesellschaft, den Menschen aller Altersgruppen Hilfsangebote dafür bereitzustellen. Auch psychisch Erkrankte sollen in der Reha über solche Fragen nachdenken.

Wenn in der Bibel davon die Rede sei, dass der Glaube Berge versetzen könne, sieht Kaplin das auch als den Sinn des Lebens. Als Beispiel führt er den Wiener Neurologen und Psychiater Viktor Frankl an, für den der Wille zum Sinn den Kern des menschlichen Wesens bedeutet habe. Frankl hatte als einziger aus seiner Familie den Holocaust und den Aufenthalt in verschiedenen Konzentrationslagern überlebt. Der Mensch besitze die einzigartige Fähigkeit: „Er kann Sinn und deshalb Hoffnung spüren.“ Für Kaplin ist Glück nur ein flüchtiger Moment. Der dagegen Sinn bleibe.

Seit Oktober beschäftigt sich das Print-und-Online- Ressort ZEIT Sinn mit Lebensentscheidungen, Wende- punkten und weiteren Sinnfragen. Die Beiträge finden sich auf www.zeit.de/sinn.

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