ZDF-Intendant Norbert Himmler sieht die öffentlich-rechtlichen Sender in der Pflicht, auf Vertrauensverluste zu reagieren. „Nicht erziehen, sondern befähigen“, sagte er der Wochenzeitung „Die Zeit“ in einem Interview vom Donnerstag. Die Sender müssten Menschen miteinander ins Gespräch bringen und ihre Medienkompetenz stärken.
Den pauschalen Vorwurf unausgewogener Berichterstattung wies Himmler zurück. Zugleich müsse der Sender prüfen, wo er die Bandbreite der Meinungen stärker berücksichtigen müsse, konstatierte Himmler. Suggestivfragen und wertende Formulierungen in Fragen bezeichnete er als Gefahr. Berechtigte Kritik sei von Versuchen zu unterscheiden, den öffentlich-rechtlichen Rundfunk insgesamt zu diskreditieren.
„ZDF Magazin Royale“ zu fanatisch
Kritik äußerte der ZDF-Intendant am „ZDF Magazin Royale“. Satire solle Verantwortliche ins Visier nehmen oder Missstände aufdecken, dabei aber fair bleiben. Das sei nicht immer der Fall gewesen. Böhmermann habe preisgekrönte Sendungen geliefert. Das Format sei „vielleicht am Ende zu fanatisch geworden“. Die Entscheidung, die Sendung zum Jahresende zu beenden, habe der Moderator selbst getroffen.
Forderungen nach Reformen begegnete der ZDF-Chef mit dem Hinweis auf den Personalabbau beim Sender seit 14 Jahren. Weitere Veränderungen benötigten gesetzliche Spielräume. Die Vielfalt öffentlich-rechtlicher Sender verteidigte er. Zum Auftrag gehörten neben Nachrichten auch Unterhaltung, Sport, Kultur und Bildung.
Vor politischen Angriffen auf den Rundfunk warnte Himmler ausdrücklich. Auf die hypothetische Frage nach einem AfD-Aufruf, den Rundfunkbeitrag nicht mehr zu zahlen, antwortete er: „Dann funktioniert unsere Demokratie nicht mehr.“ Ein solcher Aufruf wäre aus seiner Sicht ein Aufruf zum Rechtsbruch. Das ZDF werde unabhängig vom Ausgang der Ministerpräsidentenwahl in Sachsen-Anhalt weiter aus seinem dortigen Landesstudio berichten.