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Wie ein Christ versuchte, Hitler zu töten

Am Freitag jährt sich das missglückte Hitler-Attentat von Georg Elser zum 80. Mal. Bereits 1939 versuchte der gläubige Christ mit einer selbstgebauten Bombe den Diktatoren-Mord. Am Ende starb Elser selbst. Für Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ist er dennoch ein großer Held.
Von Anna Lutz
Georg Elser starb, weil er Hitler töten wollte – aus christlicher Überzeugung

Foto: gemeinfrei

Georg Elser starb, weil er Hitler töten wollte – aus christlicher Überzeugung

13 Minuten haben Georg Elser gefehlt. Wäre seine selbstgebaute Bombe nur 13 Minuten früher hochgegangen, wäre Adolf Hitler bereits 1939 gestorben, die Morde an Millionen Juden wären verhindert worden und der Zweite Weltkrieg hätte niemals richtig Fahrt aufgenommen. Vielleicht. Das ist freilich Spekulation, denn in Wahrheit scheiterte der Hitlerattentäter. Ein Held ist er für viele dennoch – etwa für den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier. Am Montag würdigte er ihn laut der Deutschen Presse-Agentur: „Georg Elser war ein besonderer Mensch, kein Durchschnittsbürger“, sagte er in Elsers Geburtsort Hermaringen. „Georg Elser ist in der Geschichte des 20. Jahrhunderts ein Großer, ein Großer, an den die Erinnerung lange, viel zu lange kleingehalten worden ist.“ Deutschland sei ihm Anerkennung, Respekt und Dank schuldig.

Vom Pazifisten zum Attentäter

Was viele nicht wissen: Für Georg Elser hat der christliche Glaube eine große Rolle gespielt. Oliver Hirschbiegel verfilmte seine Geschichte bereits 2015 mit Christian Friedel in der Hauptrolle für die große Leinwand – und zeigt dort seinen Wandel vom Pazifisten aus Überzeugung zum Attentäter. „Gewalt, das hat noch nie etwas gebracht“, lässt Hirschbiegel Elser sagen. Die Szene spielt Jahre vor seinem Attentat. Jahre, bevor, die ersten Juden in Konzentrationslagern sterben und die Nazis politisch Andersdenkende zu Zwangsarbeitern machen. Elser sagt diesen Satz zu einer Zeit, in der seine gläubige Mutter ihn noch dafür ausschimpft, dass er verheirateten Frauen nachstellt, als gäbe es keine größeren Probleme im Deutschland der 30er Jahre.

Als die Nazis einen kommunistischen Freund verhaften und eine Bekannte wegen ihrer Freundschaft zu einem Juden zum öffentlichen Gespött machen, beginnt der junge Mann, seine Meinung zu ändern. „Man muss machen, was richtig ist“, rechtfertigt er seine Tat später. Da weiß er noch nicht, dass er Hitler mit seiner Bombe nicht töten wird. Stattdessen reißt sie acht andere Menschen in den Tod. Noch bei seinem Verhör verweist Elser auf die Zehn Gebote, um die Gräuel der Nazis zu verdammen: „Du sollst nicht töten!“ Der SS-Mann kontert, das sage ausgerechnet jemand, der unschuldige Menschen auf dem Gewissen habe.

Regisseur Hirschbiegel und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer stellten damals mit ihrem Film die Frage nach der Rechtmäßigkeit von Gegengewalt, beantworteten sie aber nicht. Stattdessen konzentrierten sie sich darauf, Elser zum einen als gläubigen Christen darzustellen, zum anderen aber auch sein Hadern mit dem göttlichen Willen aufzuzeigen. So sieht der Zuschauer ihn bei einem Gottesdienstbesuch mit der Familie. Vor der Kirche verspotten Kinder den Juden Jesus. Ein Hinweis darauf, dass der Nationalsozialismus Teile der Kirchen zwar als Verbündete begrüßte, der eigentlichen Glaubenswelt des Christentums aber feindlich gesinnt war.

„Beten, das nützt nichts“

In zwei Schlüsselszenen betet Elser das Vater Unser: Vor seinem Geständnis des Mordversuchs an Hitler in seiner Zelle, kniend unter einem an die Wand gekritzelten Kreuz. Und später noch einmal kurz vor seiner eigenen Hinrichtung im Konzentrationslager Dachau im Jahr 1945. „Beten, das nützt nichts. Gott ist in Amerika oder in Moskau“, schimpft sein Bewacher da.

Auch Elser muss das so vorgekommen sein, im Elend des Hitlerreichs, von der SS gefoltert und zu einem Geständnis gezwungen. Dass er selbst seinen Glauben in Frage stellt, deutet der Film nur an. Als sein Freund Josef wegen seiner Mitgliedschaft in der KPD abgeführt wird, rennt Elser nach Hause und blickt voll Panik auf das Holzkreuz an der Zimmerwand. Kein Gebet entfährt seinem Mund, die Angst in den Augen bleibt.

Während der Berlinale 2015 forderte Breinersdorfer Christen im Filmgeschäft dazu auf, religiöse Stoffe gezielt im Fernsehen unterzubringen. In der Tat bietet besonders die Nazizeit immer wieder christlichen Heldenstoff, der die Leinwand füllen sollte: Neben Elser erschien etwa im darauffolgenden Jahr mit „Ein verborgenes Leben“ die Geschichte des frommen Österreichers Franz Jägerstätter in Deutschland, bildgewaltig verfilmt von Starregisseur Terrence Malick. Ihm gelingt, was zuvor auch Hirschbiegels Elser schaffte: Der Film zeigt authentischen Glauben – mit Zweifeln und Kämpfen – der am Ende die höchsten Opfer fordert, aber dennoch über das Böse triumphiert, indem er sich ihm nicht beugt.

Von: Anna Lutz

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