Der deutsche Schauspieler August Diehl spielt in Terrence Malicks neuem Film „A Hidden Life“, der seine Weltpremiere am Sonntag in Cannes feierte, den Österreicher Franz Jägerstätter

Der deutsche Schauspieler August Diehl spielt in Terrence Malicks neuem Film „A Hidden Life“, der seine Weltpremiere am Sonntag in Cannes feierte, den Österreicher Franz Jägerstätter

Film über christlichen Nazi-Widerständler begeistert Kritiker

Die amerikanische Regie-Legende Terrence Malick hat mit „A Hidden Life“ einen Film über den christlichen Nazi-Widerständler Franz Jägerstätter gemacht. Das Werk ist beim Festival in Cannes euphorisch aufgenommen worden – und zeigt den Regisseur als „tief religiösen Menschen“.

Der neue Film von US-Regisseur Terrence Malick, „A Hidden Life“ (Ein verborgenes Leben), erzählt vom Leben und Sterben des österreichischen Kleinbauern Franz Jägerstätter (August Diehl). Wegen seines Glaubens weigerte sich der Katholik, für die Nationalsozialisten im Zweiten Weltkrieg zu kämpfen. Am Sonntag feierte das Werk seine Weltpremiere auf dem Festival von Cannes. Laut verschiedenen Kritikerstimmen ist es eine Rückkehr zur alten Stärke des Regisseurs und ein Wettbewerbsfilm, der Malick als tiefreligiösen Menschen zeigt.

Jägerstätter lebte im österreichischen Dorf Sankt Radegund mit seiner Frau und seinen drei Töchtern. Im Jahr 1943 wurde der Katholik inhaftiert und letztlich hingerichtet, weil er sich wegen seines religiösen Gewissens weigerte, für die Nationalsozialisten in den Krieg zu ziehen. Seine Seligsprechung erfolgte durch Papst Benedikt im Jahr 2007.

Widerständler bricht mit Kirche

„Als der örtliche Bischof Franz auffordert, sich freiwillig für das Militär einzutragen, trifft er die Entscheidung, mit der Kirche zu brechen“, schreibt der amerikanische Kritiker Justin Chang in der Los Angeles Times über den Film. Aber er breche nicht mit Gott, den er während seiner Inhaftierung im Gebet herausfordere und mit ihm ringe. Der Kritiker gibt zu, selbst noch mit dem gerade erst gesehenen Film zu ringen. Aber er bezeichnet die filmische Schilderung der klaustrophobische Hafterfahrung von Jägerstätter als „körperlich und spirituell“.

Für den US-Kritiker, der den Film als „außergewöhnlich schön und herzzerreißend“ lobt, geht es um ein „intensives Porträt tatsächlicher christlicher Hingabe“ und eine „verdammende Studie, wie sich religiöse Institutionen dem Bösen unterordnen können“. Der Film biete mit seiner Naturschilderung Malicks „erstaunlichste Vision eines irdischen Paradieses“, das der Regisseur den Zuschauern bislang gegeben habe. „Es ist aber schwierig, diesen Film zu sehen und nicht auch an den Aufstieg rechter und nationalistischer Bewegungen in Europa oder an die Trump-Administration zu denken, die das evangelikale Christentum im Würgegriff hält“, schreibt Chang über das Verhältnis der Kirche zum Nationalsozialismus.

„Glaube ist anhaltender Dialog mit Gott“

Der einflussreiche US-Kritiker David Ehrlich, der für die Filmseite indiewire.com schreibt, findet: „Der Film ist ein klares und und herausforderndes Porträt über das Thema Glaubenskrise.“ Es gehe um die riesige Kraftanstrengung und den Mut, den es für Widerstand bedürfe, an den eigenen Werten in einer Glaubenskrise festzuhalten. „Der Glaube ist kein Kampf, den man gewinnt. Er ist ein anhaltender Dialog mit Gott“, schreibt der begeisterte Ehrlich, der dem Film seine zweithöchste mögliche Bewertung gab.

Auch die deutsche Presse besprach Malicks neuen Film. Verena Lueken von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung beschreibt: „Die Natur wird hier zur Kathedrale, in der Gott wohnt, jedes Bild scheint ihn anzurufen.“ Es sei ein Film darüber, was ein Gewissen und ein Glaube vermögen, aber vor allem eine lange Anrufung von Malicks Gott. Die dagegen etwas enttäuschte Susan Vahabzadeh von der Süddeutschen Zeitung findet: „Die Geschichte, wie Jägerstätter sich jeder Gruppendynamik verweigert, auf seinem Standpunkt beharrt, ist ganz aktuell und wäre es wert gewesen, vollständig erzählt zu werden.“ Sie bezeichnet Regisseur Malick anhand des Films als „tiefreligiösen Mann“.

Malick: „Was will Christus von uns?“

„A Hidden Life“ ist eine deutsche Co-Produktion, an der das Studio Babelsberg beteiligt ist. Mit Schauspielern wie August Diehl, Franz Rogowski und dem späten Bruno Ganz, der hier seine letzte Rolle spielt, ist der fast dreistündige Film überwiegend auf Deutsch gedreht. Nur die Off-Kommentare von Jägerstätter und seiner Frau sind in Englisch gehalten. Der Pandora Filmverleih bringt den Film in Deutschland heraus. Einen offiziellen Kinostart gibt es aber noch nicht.

Malick, der zurückgezogen lebt und persönliche Auftritte auf Filmfestivals meidet, hat sich öffentlich nie zu seinem Glauben geäußert. Im Zusammenhang mit der Weltpremiere von „A Hidden Life“ wurde aber ein Briefwechsel zwischen ihm und dem katholisch geprägten Filmemacher Martin Scorsese bekannt. Malicks Brief war laut des Filmkritikers Ehrlich überschrieben mit der Frage: „Was will Christus von uns?“

Von: Michael Müller

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