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Wie die Kirche mit der Bibel in der Hand leiten will

Die EKD erklärt in einem Grundlagentext, welche Rolle die Bibel für die Leitung der Kirche spielt. Pfarrer Gerrit Hohage hat sich für PRO genauer angeschaut, welches Verständnis der Heiligen Schrift dahinter steht.
Von PRO
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Bibel, Neues Testament

Foto: PRO

Der Grundlagentext der EKD nimmt das Evangelium zum Maßstab. Doch was genau damit gemeint ist, scheint dem Text zufolge Auslegungssache zu sein.

Die EKD widmet sich in diesen Tagen mit einem  Grundlagentext der „Bedeutung der Bibel für kirchenleitende Entscheidungen“. Das ist durchaus als Akt der Selbstjustierung anzusehen. Denn viele kirchliche Stellungnahmen der letzten Jahre wurden für ihre mangelhaften biblisch-theologischen Begründungen kritisiert.

Durch ihre Theologische Kammer klärt die EKD nun ihr Schriftverständnis und ihren Schriftgebrauch sowie die Bedeutung der reformatorischen Bekenntnisse – nicht allgemein, sondern in Bezug auf ihr eigenes kirchenleitendes Handeln. Darunter versteht sie „alle Formen von beauftragter und organisierter Leitung in der Kirche“ (S. 15) in sämtlichen Hierarchieebenen, also vom einzelnen Kirchenvorstand über die Synoden bis zu den konfessionellen Weltbünden. Kirchenleitung sei „darauf ausgerichtet, für die Einheit der Kirche Sorge zu tragen“, wobei die „Ausrichtung am Evangelium Christi“ und die „evangeliumsgemäße Verwaltung der Sakramente“ der Maßstab sind.

Der Grundlagentext kommt dabei recht demütig daher. Von lauter möglichen und unmöglichen Erwartungen an kirchenleitendes Handeln ist die Rede, vom Problem mangelnder Kompetenz der Gremien sowohl in Sach- als auch in Bibelfragen und auch davon, dass Kirchenleitung irren kann. Woran erkennt sie also, dass sie ihre Aufgabe erfüllt hat? Wenn ihre Entscheidungen „dem Evangelium entsprechen, wie es die biblischen Schriften bezeugen und wie es in den Bekenntnisschriften (…) zum Ausdruck gebracht ist, wenn sie dabei dem Stand von wissenschaftlicher Forschung, gesellschaftlichen Debatten und kulturellen Entwicklungen Rechnung tragen“ (S. 18), wenn sie rezipiert werden und sich bewähren (S. 55, 72).

In dieser Abstufung steht „das Evangelium“ ganz oben – nicht Wissenschaft und gesellschaftlicher „Mainstream“, aber eben auch nicht die Bibel. Womit wir die Kernfrage dieser EKD-Schrift im Fokus haben: Was ist „das Evangelium“ im Unterschied zu den biblischen Schriften und wie kommt man da heran?

Die Heilige Schrift als Norm

Nun wäre es unfair, von der EKD eine Stellungnahme zu erwarten im Sinne des Bibelverständnisses zum Beispiel der Weltweiten Evangelischen Allianz. Man kann jedoch durchaus eine Stellungnahme von ihr erwarten, die dem selbst formulierten Ziel von Kirchenleitung, nämlich der Einheit der Kirche, Rechnung trägt. Meine Frage lautet deshalb: Inwieweit ist die Stellungnahme anschlussfähig für Kirchenmitglieder, die sich von ihrer Glaubensrichtung her mit der Evangelischen Allianz verbunden wissen?

Diese Schnittmenge hat in den vergangenen acht Jahren spürbar gelitten. Und zwar seit der Familien-Denkschrift „Zwischen Autonomie und Angewiesenheit“ von 2013. In deren Folge hat eine Abwanderung evangelikal geprägter Kirchenmitglieder in die Freikirchen stattgefunden – Musterbeispiel eines kirchenleitenden Handelns, das die Einheit der Kirche beschädigt hat. Das ist der Kontext, vor dem ich als jemand, der sich in dieser Schnittmenge bewegt, diesen Grundlagentext lese: Bringt er eine Wende?

Mein Eindruck: In mancher Hinsicht ja, wenn man die Erwartungen nicht zu hoch hängt. Vor allem das zweite Kapitel schreibt den kirchenleitenden Gremien der EKD eine entschlossene Hinwendung zu Grundzügen des reformatorischen Schriftverständnisses ins Stammbuch. Hier finde ich Einsichten und Formulierungen, die ich in einem EKD-Text schon sehr lange nicht mehr gelesen habe. So wird angeknüpft an die Überzeugung der Reformatoren, dass „in und durch die Worte der Schrift Gott selbst zum Menschen spricht“ (S. 30); dass es sich bei den biblischen Texten also nicht lediglich um menschliche Deutung und Interpretation handelt. Ausdrücklich wird die Heilige Schrift als „Norm“ anerkannt und dies als „Akt der Selbstrelativierung aller Kirchenleitung“ aufgefasst (S. 41).

Die EKD-Schrift stellt an mehreren Stellen die „Vorgegebenheit des Textes als Gegenüber für den Ausleger“ heraus. Damit schließt sie an Luthers Vorrangstellung des „äußeren Wortes“ vor dem „inneren Wort“ (also wie man es selber hört) an – und erteilt so einer poststrukturalistischen Textinterpretation (nach der eine vorgegebene Eigenaussage eines Textes gar nicht existieren kann) eine imposante Absage. Die war in dieser Eindeutigkeit nicht zu erwarten.

Bibellese-Offensive für den Kirchenvorstand?

Mehrfach verweist sie auf die Wirksamkeit des Heiligen Geistes im Prozess der Auslegung und Aneignung der Schrift, auf das die kirchenleitenden Organe in der Auslegung im Verstehensprozess vertrauen können und müssen – und adressiert damit ein tatsächliches Geschehen. Das Ganze gipfelt in der ausdrücklichen Aufforderung, mit der Schrift zu leben, damit sie ihre Selbstwirksamkeit entfalten kann, d.h. sie zu lesen, zu hören und zu verkündigen. In diese gemeinsame Aufgabe aller Christen sei auch eine Schriftauslegung in kirchenleitendem Interesse eingebunden (S. 52).

Wenn man dabei an die Mitglieder in Presbyterien und Synoden denken darf, die ja kirchenleitend tätig sind, und nach der Bedeutung des Bibellesens in ihrer Spiritualität fragt, dann ergeben sich daraus weiterführende Ideen wie eine Bibellese-Offensive kirchlicher Gremien, um die Qualifikation für kirchenleitende Entscheidungen sicherzustellen. Allein dies wäre schon ein sehr bedeutender Anknüpfungspunkt an eines der Grundanliegen der Evangelischen Allianz, die ja eine Bibellesebewegung war und bis heute ist.

Auf der anderen Seite folgt der EKD-Grundlagentext dem Narrativ, die Reformation hätte der historisch-kritischen Methode selbst den Weg bereitet. Sie wird ohne eine Spur von Kritik oder zumindest Hinterfragung etwa der Troeltsch’schen Prinzipien von Kritik, Analogie und Korrelation in den kirchenleitenden Schriftgebrauch integriert, weil sie den „Literalsinn“ der Texte freilege. Dabei beklagt der Text selbst, dass die „komplizierte Debattenlage der Exegese“ es Nicht-Exegeten schwer macht, angemessene Bibellauslegung zu beurteilen (S. 19). Die historisch-kritische Methode hat den Laien wirkungsgeschichtlich die Bibel, die die Reformatoren ihnen gaben, wieder aus der Hand genommen.

Der Heilige Geist wirkt wirklich

Bemerkenswert: Der Grundlagentext setzt der Tendenz historisch-kritischer Exegese, die Aussagen der Schrift durchgehend zu relativieren, eine Grenze, indem er ihr den Gebrauch der Schrift als „religiöse Texte“ in der Auslegungsgemeinschaft der Kirche gegenüberstellt (S. 44ff). Dabei kann man zum Beispiel an die Schriftlesung im Gottesdienst denken. Durch sie entsteht in der Gemeinde ja ein unmittelbarer Verstehens- und damit Auslegungsvorgang, der als Gegengewicht zu historischer Forschung anzusehen wäre. Ein solches Textverstehen einfach als „unwissenschaftlich“ abzuqualifizieren, wäre in der kirchenleitenden Debatte damit kein stichhaltiges Argument mehr.

Natürlich finden liebgewordene landeskirchliche Auslegungstraditionen ihren Platz in der „Auslegungsgemeinschaft“ – die „Offenheit biblischer Texte“ für zeitgemäße Neuinterpretationen, die Gewichtung von bedeutenden und weniger bedeutenden Schriftaussagen oder die Sachkritik an biblischen Texten. Zu den Faktoren, die dabei zu berücksichtigen sind, zählen zuallererst die Bekenntnisschriften (S. 45ff.), gefolgt von dem Erleben Betroffener, der („kritischen“) Rezeption wissenschaftlicher Erkenntnisse, der gesellschaftlichen Debattenlage und kulturellen Ausdrucksformen.

Des weiteren ist – und das ist ebenfalls neu – die Auslegungsgemeinschaft der Kirche auch auf die früheren Zeiten der Kirchengeschichte zu beziehen sowie auf die anderen Konfessionen. All diese Faktoren sollen in ein „Überlegungsgleichgewicht“ gebracht werden, indem sie nach ihrer Bedeutung und den zu erwartenden Folgen einer kirchlichen Entscheidung gewichtet werden. Ziel davon ist es, dass das Evangelium zur Geltung kommt (S. 51ff.). Womit wir bei der Eingangsfrage wären: Was ist „das Evangelium“, das oft an Stelle der Bibel als Messlatte auftaucht?

Was ist nun das Evangelium?

Hier bezieht sich der EKD-Text auf die Reformation. Dort galt das Evangelium, das lehrt, dass wir durch Christus’ Verdienst, nicht durch unser Verdienst, einen gnädigen Gott haben (CA 5) als „hermeneutischer Schlüssel“ zur Schrift. Der EKD-Text zeichnet nach, dass das Evangelium, das die Bekenntnisschriften zur Sprache bringen, eine Gewichtung biblischer Aussagen in wesentliche und weniger wesentliche Aussagen vornimmt und sich damit auf den Kerngehalt konzentriert (S. 34f). Wie diese Gewichtung aussieht, scheint aber kirchengeschichtlich offen und damit im Laufe der Zeit veränderbar zu sein. Was als „das Evangelium“ aufzufassen ist, unterliegt, wenn ich den EKD-Text richtig verstehe, letztlich der Auslegungsgemeinschaft der Kirche (vgl. S. 36 mit S. 45). Dabei kommen sämtliche Faktoren des „Überlegungsgleichgewichtes“ zum Tragen.

Dann hätten wir in der Bibel eben doch kein „äußeres Wort“ mehr, sondern nur noch in derjenigen „Schrift“, die uns „das Evangelium“ (was die jeweilige Zeit darunter versteht) als solche erscheinen lässt. Hier werden landeskirchliche Christen, die der Evangelischen Allianz zuneigen, weiterhin Bruchstellen wahrnehmen.

Hinzu kommt: Luther sagte zwar „kanonisch ist, was Christum treibet“. Aber er bezog diesen Satz auf ganze biblische Schriften. Anders als der EKD-Text auf S. 35 behauptet hatte er nie im Sinn, Passagen innerhalb einer als kanonisch anerkannten Schrift in „evangeliumsgemäß“ und „nicht evangeliumsgemäß“ zu markieren (so Clemens Hägele im Deutschen Pfarrerblatt 10/2016). Genau das führt die EKD-Schrift jedoch in ihren „Etüden“ zu kirchenleitendem Schriftgebrauch verschiedentlich vor (Kapitel 4). Die Tür zu einer Auslegung, die das biblische Wort subjektiven Bedürfnissen unterwirft, ist also trotz der teilweise erfrischend klaren Wortwahl nicht verschlossen; sie bleibt offen.

Wo bleibt die „Heiligung“?

Ein drittes Problem: Der Gegenpol zum „Evangelium“ ist nach reformatorischem Sprachgebrauch „das Gesetz“, also Gottes Gebote. Einen Verweis auf diese sucht man jedoch außerhalb der Fallbeispiele im EKD-Text vergebens, obwohl der die Sünde aufdeckende Gebrauch des Gesetzes sowie die Bedeutung etwa der paulinischen Mahnungen in der Reformation ein zentrales Thema war (beispielsweise im zweiten Teil von Luthers Freiheitsschrift). In den Fallbeispielen sind Gebote grundsätzlich das, was mit Verweis auf das Evangelium heruntergewichtet wird. Der Umgang mit dem Willen Gottes hat eine Gesamttendenz, die sich sicher nicht aus der Schrift ergibt (S. 67, vgl. mit Röm. 6): Der Themenzusammenhang der „Heiligung“ als Frucht „des Evangeliums“ ist ausgeblendet. Ein einzelner Verweis auf das Gebot der Nächstenliebe kann das nicht kaschieren. Dabei häufen sich im Gottesdienst gerade jetzt in der Trinitatiszeit die paränetischen Texte, die den Leser zu einem geheiligten Leben auffordern.

Dieser blinde Fleck rächt sich spätestens in Kapitel 3.2, wo es um ethische Entscheidungen geht. Das kommt ohne einen einzigen Verweis auf Gottes Gebote aus! Damit gerät dieses Kapitel eher zu einem Versuch, bestehende Praxis zu legitimieren, statt Orientierung für die Zukunft zu geben. Überhaupt macht der Text den Eindruck, ab diesem Kapitel vor seiner eigenen Courage zurückzuschrecken. Den in Kapitel 2 formulierten Anspruch findet der Leser nicht wirklich eingelöst und die zum Teil höchst intelligenten Fragen nach dem konkreten Schriftgebrauch im Prozess kirchenleitenden Handelns werden da, wo es konkret wird, mit dem Hinweis erledigt, dass sich das nicht formalisieren lässt.

Hoffnung für die Einheit der Kirche

Diese Schwächen sollen aber nicht den Eindruck schmälern, dass die EKD Teile des reformatorischen Schriftverständnisses so in ihre Gegenwart eingeholt hat, dass sie sich darauf wieder ansprechen und auch behaften lassen möchte. Wenn diese Teile umgesetzt werden, darf man erwarten, dass sich die Qualität kirchenleitender Entscheidungen im Sinne der Einheit der Kirche spürbar verbessert. In diesem Sinne ist dem Text eine breite Rezeption von den Ältestenkreisen bis zu den Synoden zu wünschen.

Von: Dr. Gerrit Hohage, Pfarrer in der Evangelischen Bonhoeffergemeinde Hemsbach und Mitglied der Christlichen Medieninitiative pro

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7 Antworten

  1. Die Bibel kann und darf nicht im Zentrum stehen, sondern allein der auferstandene Christus! Steht die Bibel in der Mitte, haben wir einen Buchglaube, und dann ist das, was gesagt wird – auch wenn es “biblisch” ist – nichts anderes als Schriftgelehrsamkeit. Die Zeugen Jehovas sind dafür ein krasses Beispiel.
    Ohne Heiligung kann das Evangelium auch nicht recht gelehrt werden. Denn ohne Heiligung bestimmt das “Fleisch” die Bibelinterpretation. Erst indem das “Fleisch” zurückgedrängt, bzw. überwunden wird, kann der Hl. Geist, der Geist der Wahrheit wirken.
    Christen müssen lernen, die Wahrheit zu lieben und zu suchen. Dann kann es auch eine Erkenntnis der Wahrheit geben. Aber die Wahrheit wird auch unter Christen nicht geschätzt. Denn der natürliche Mensch sucht nur Bedürfnisbefriedigung und einen bequemen Weg in den Himmel!
    Wegweisendes für eine Erneuerung findet man auf meinem Blog:
    manfredreichelt.wordpress.com/inhaltsverzeichnis/

  2. vielen Dank für diese informative Erläuterung zu diesem Thema.

    Der Schlüssel ist die Bibel selbst, diese regelmäßig zu lesen und in Teilen auch auswendig zu lernen, das schafft erst die Grundlage, um Gottes Reden heute zu hören und zu verstehen.

    Ein Beispiel ist Jesus selbst, wenn er in seinen Reden aus dem Alten Testament zitiert – und davon ausgehen konnte, dass seine Hörer nicht nur das Zitat wiedererkannten, sondern viele den gesamten Quellentext auswendig beherrschten und so verstanden, wovon er sprach, wer er ist, was sein Leben, Sterben und seine Auferstehung bedeuten.

  3. Erst mal ein Dankeschön an Herrn Hohage für die gute Arbeit, den Text gut zusammenzufassen und dabei gleichzeitig die Schwachstellen aufzuzeigen, während gleichzeitig die positive Entwicklung deutlich wird. Von der gegenwärtigen Ausgangslage aus betrachtet, ist es nämlich erst einmal ein Fortschritt.
    Die großen Problembereiche haben Sie sehr gut herauskristallisiert.
    1. Was ist das Evangelium – das ist viel zu uneindeutig in diesem Zusammenhang.
    2. “Die historisch-kritische Methode hat den Laien wirkungsgeschichtlich die Bibel, die die Reformatoren ihnen gaben, wieder aus der Hand genommen.” Das ist DAS große Manko, das seit Spener (Pietismus) bis heute anprangert werden muss. Wenigstens wird die wichtige Rolle des heiligen Geistes hervorgehoben.
    3. Das Problem der Heiligung: Hier zeigt sich ja konkret, ob die Bibel wirklich noch etwas zu sagen hat. Auf Seiten der konservativen Gläubigen (u. a. Evangelische Allianz) besteht das Problem, dass Heiligung zu sehr auf das rein persönliche Leben bezogen wird. Hier bildet die EKD einen guten Gegenpol, und die Entwicklung der letzten Jahre zeigt, dass voneinander gelernt hat. Heiligung ganzheitlich zu verstehen, zu verkündigen und aktiv zu leben, ist hier das A und O.
    Insgesamt strotzt dieser Artikel leider zu sehr mit Fachbegriffen, die nicht (genügend) erklärt werden. Das ist ein journalistisches Manko, das man für einen Beitrag auf der PRO beseitigen sollte.

  4. Wenn gesagt wird: “Die Bibel darf nicht im Zentrum stehen”, dann möchte ich das nicht unkommentiert lassen. Es ist richtig, dass Christus als Gott und Herr und als der Auferstandene im Mittelpunkt steht. Aber mit ihm steht sein Wort, die Bibel, im Mittelpunkt, denn Christus definiert sich selbst als “das Wort” (Joh1,1: “und das Wort war Gott”). Jesus Christus ist also nicht von der Bibel, seinem Wort, zu trennen und demzufolge haben wir auch keinen Buchglauben, sondern einen Glauben an eine Person, die sich im Wort offenbart.

    1. Nein, Ihre Interpretation des Johannesprologs geht so nicht. Die Logos-Vorstellung hat nichts mit der Bibel als Buch zu tun.

  5. Woher weiß ich von dem Gekreuzigten Jesus Christus, der leibhaftig von den Toten auferstanden ist? Ganz große Überraschung gewiss nicht: Aus der Bibel. Solche pauschalen Aussagen, wie: Ich glaube nicht an die Bibel sondern an den Auferstandenen, mögen heute vermehrt viele Smileys hervorrufen. Ich weiß schon, dass unser Glaube eine personale Beziehung zu Jesus Christus ist. Aber solche Statements bringen kein Licht in den Dschungel der Verunsicherung über die Bibel als Gottes Wort. Dass die Rede vom Auferstandenen überall gleich verstanden wird, wäre nur wünschenswert. Der Auferstandene ist nach Bultmann nur derjenige, der im Grab verwest ist und nun im Wort aufersteht. Mit seiner Rede von der Auferstehung hat er manche Evangelikale damals verwirrt. Nach wie vor kommt seit 2.000 Jahren und schon im AT der Glaube aus dem Hören, das Hören aber auf das Wort Gottes (Röm 10,17).
    Ich habe auf meiner Homepage, http://www.helmutblatt.de eine Zusammenstellung über “Gottes Wort, was es ist uns was es bewirkt”. Dieses Wort der Bibel hat mir ein starkes Fundament gegeben in meinem knapp 50jährigen Predigtdienst im In- und Ausland. Wie kostbar und tröstend ist mir Gottes Wort, die Bibel, immer wieder geworden. Kein Wunder, dass sie in kommunistischen und islamischen Staaten als so gefährlich eingestuft wurde und wird.

  6. Mit der EKD ist es wie mit einem alteingesessenen Familienunternehmen, das lange Zeit gut funktioniert hat. Aber nun ist es in die Jahre gekommen und nach vielen Versuchen es wieder flott zu machen merkt man, daß die Zeit des Unternehmens in seiner jetzigen Form abgelaufen ist. Man hatte immer wieder versucht durch Wechsel des Führungspersonals und durch Verzicht auf die althergebrachten Erzeugnisse und deren Austausch gegen neue Erzeugnisse den Niedergang abzuwenden.
    Man begann zu experimentieren: Heute “Kirche auf gutem Grund” und morgen “Wie die Kirche mit der Bibel in der Hand leiten will”. Es nützen alle selbstgebastelten Programme nichts, wenn sie nicht dem wahren Glauben entsprechen.
    Der Gründer der Heilsarmee William Booth (1829-1912) formulierte am Anfang des 20.Jahrhunderts seine Meinung über des kommende Jahrhundert folgendermaßen:
    Ich bin der Überzeugung, die größten Gefahren, die dem neuen Jahrhundert bevorstehen, werden sein:
    Eine Religion ohne den Heiligen Geist – Eine Christenheit ohne Christus – Eine Vergebung ohne Buße – Eine Erlösung ohne Wiedergeburt – Eine Politik ohne Gott – Einen Himmel ohne Hölle.
    Man muß nicht unbedingt Angehöriger der Heilsarmee sein, nur ein ganz normaler gläubiger Christ, um diese eingetroffene Vorausschau zu bestätigen.
    Eine Religion ohne den Heiligen Geist: Was wird von den obersten Religionsführern gelehrt: Z.B: Alles entstand durch Evolution (Bedford-Strohm). Maria war eine junge Frau, keine Jungfrau (Frau Käßmann).
    Segnung gleichgeschlechtlicher Paare, es gibt nur einen Gott für Christen, Juden und Moslems. Die Beispiele ließen sich noch beliebig fortsetzen.
    Christus starb am Kreuz, ist aber nie von den Toten auferstanden: Der Theologe Rudolf Bultmann behauptete, die Auferstehung wäre kein historisches Ereignis.
    Eine Vergebung ohne Buße: Alle Vergehen werden entschuldigt und für normal empfunden.
    Eine Erlösung ohne Wiedergeburt: Alle Menschen werden am Ende der Welt selig werden.
    Eine Politik ohne Gott: Der Mensch steht im Mittelpunkt. Der Humanismus macht den Menschen zum Maßstab aller Dinge. Das Christentum wird nicht mehr als lebendiger Glaube angesehen, sondern den anderen Religionen gleichgesetzt.
    Ein Himmel ohne Hölle: Wenn alle Menschen doch selig werden, brauchen wir keine Hölle.
    Dazu kommt noch die völlige Negierung des Prophetischen Wortes: Entrückung der Gemeinde, Höhepunkt der Endzeit mit siebenjähriger Herrschaft des Antichristen, Tausendjähriges Friedensreich unter der Herrschaft Jesu Christi, danach Neuer Himmel und Neue Erde, alles Tabuthemen für die Amtskirche.
    Es würde den Rahmen dieses Kommentars sprengen, wenn ich auf alle Gründe des immer rasanter werdenden Abfalls der EKD vom wahren Christlichen Glauben aufführte. Warum immer mehr gläubige Kirchenmitglieder ihre Amtskirche verlassen und sich anderen Gruppierungen zuwenden.
    Ich möchte meine Ausführungen beschließen mit der 4.Strophe des Liedes “Ein Schiff das sich Gemeinde nennt” von Martin Gotthard Schneider:
    Im Schiff, das sich Gemeinde nennt, fragt man sich hin und her:
    Wie finden wir den rechten Kurs zur Fahrt im weiten Meer?
    Der rät wohl dies , der andre das, man redet lang und viel
    und kommt – kurzsichtig wie man ist – nur weiter weg vom Ziel.
    Doch da, wo man das Laute flieht und lieber horcht und schweigt,
    bekommt von Gott man ganz gewiß den rechten Weg gezeigt.

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