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Wenn Tische erzählen könnten: Scholz und Putin verhandeln in größtmöglicher Distanz

Kreml-Chef Putin empfing Kanzler Scholz diese Woche am wahrscheinlich längsten Tisch seines Hauses. Sicherheitsabstand wegen Corona? Oder wollte Putin etwas anderes damit sagen? Jürgen Mette fühlte sich an Psalm 23 erinnert.
Von Jürgen Mette
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Foto: Sven Lorenz

Tischgemeinschaft kann diplomatische Türen öffnen, meint Jürgen Mette

Haben die keinen Facility Manager im Kreml, der mal schnell mit der Handkreissäge den gefühlten Acht-Meter-Tisch auf ein dialogfreundliches Format zusammengeschnitten hätte? Dieses protzige Möbelstück hat den Abstand zwischen Moskau und Berlin symbolisch bestätigt. Das war albern und putzig zugleich. Zwei Männer mit einer kompakten und etwas untersetzten Statur sitzen verloren an den Enden eines Tisches, auf dem „Zar“ Wladimir Wladimirowitsch sonst kulinarisch auffahren lässt. Es heißt, dieses Maxi-Möbelstück sei nur pandemiebedingt zum Einsatz gekommen.

Hat Putin keine Kommunikationsberater, die ihm erklären, dass auf dieser Distanz kein Vertrauen zustande kommen kann? Für ein Vieraugengespräch auf Augenhöhe wären Ferngläser hilfreich gewesen. Nach außen wirkt Präsident Putin verlegen und scheu, ein Beistelltischchen mit zwei Sesseln hätte ihn in größte Verlegenheit gebracht. Selbst sein stets grantiger Außenminister saß mit Annalena Baerbock an diesem XXL-Möbel. Auch Macron wurde so auf Abstand gehalten. Nach der Pressekonferenz war Schluss, Putin zeigte Kanzler Scholz die Tür, wartete aber nicht auf seinen Gast, sondern haute ab und verschwand im Nichts des Palastes. Ein Gespräch ohne Gesten, eiskalte Kommunikation.

Und unser Kanzler war inhaltlich in Topform und bestens vorbereitet. Endlich kommt er aus der Deckung! Er hat es sogar geschafft, Putin ein ansatzweise erkennbares Lächeln abzuringen.

Während der TV-Übertragung des Dialogs kam mir ein Vers aus Psalm 23,3 in den Sinn: Du bereitest mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. Jetzt verstehe ich endlich dieses Bild.

Essen, versöhnen, verhandeln

Tischgemeinschaft war im alttestamentlichen Israel der Inbegriff einer versöhnten Gemeinschaft. Wer miteinander isst, der feiert das Leben, selbst wenn alle Tischtücher zerschnitten waren. Man lässt sich wieder aufeinander ein. Gott traute Mose Tischlerfähigkeiten zu und beauftragte ihn im Zuge der göttlichen Vorgaben zum Bau der Stiftshütte: „Und er machte den Tisch aus Akazienholz, zwei Ellen lang, eine Elle breit und anderthalb Ellen hoch (88 x 44 cm in der Fläche und 66 cm in der Höhe), die Miniatur des Konferenztisches im Kreml.

Der Evangelist Matthäus berichtet in Kapitel 9,10: „Und es begab sich, als er zu Tisch saß im Hause, siehe, da kamen viele Zöllner und Sünder und saßen zu Tisch mit Jesus und seinen Jüngern.“

Tischgemeinschaft – das war es, was dem Gespräch um Krieg oder Frieden gefehlt hat. Und schon lässt uns die Nato-Führung wissen, dass sie keinen wirklichen Truppenabzug erkennen kann. Helmut Kohl war dafür bekannt, dass er mit Freund und Feind im Deidesheimerhof zunächst fröhlich getafelt und dann verhandelt hat. Das wär’s doch, Scholz lädt Putin zum nächsten Gespräch nach Hamburg in ein gemütliches Fischrestaurant ein. Auf Augenhöhe und auf Tuchfühlung.

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3 Antworten

  1. Danke Herr Mette, für ihre tiefgründige Aufarbeitung der aktuellen politischen Ereignisse. Aber zu dem langen Tisch: Sollte man nicht angesichts der ansteckenden Omikron Variante so weit wie möglich Abstand halten? Da Herr Putin ein scheuer, verlegener und wahrscheinlich überaus ängstlicher Mensch, ist sollte man es ihm nachsehen. Danke auch für die Insider-Infos, unser Scholz inhaltlich in Topform und bestens vorbereitet. Nein, so einen Abgang aus dem Raum über die Hintertür, hatte er wirklich nicht verdient. Aber man muss Zar Putin zu gute halten, dass er wenigstens seine Hunde nicht in den Konferenzraum ließ, wie bei Frau Merkel. Aber alles inzwischen wieder Schnee von gestern, zumal ja Herr Scholz bei manchen Sachen, sich an nichts mehr erinnern kann.

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