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„Weniger“-Konferenz macht Lust auf „Mehr“

Nach dreijähriger Pause hat das Augsburger Gebetshaus erstmals wieder eine ökumenische Konferenz in den hiesigen Messehallen veranstaltet. Das erfreut Nase und Geist – und macht Lust auf mehr. Ein Erfahrungsbericht.
Von Martin Schlorke
Weniger-Konferenz-2023

Foto: PRO/Martin Schlorke

Insgesamt kamen rund 4.000 Teilnehmer an den vier Veranstaltungstagen

Viele nationale und internationale Messen lassen sich allein durch das Sinnesorgan Nase erkennen. Riecht eine Messehalle nach Stroh oder Tieren, handelt es sich vermutlich um eine Landwirtschaftsmesse a là „Grüne Woche“. Liegt der Geruch von Benzin oder Motoröl in der Luft, sind Automobile sicherlich nicht weit. Und wenn Weihrauchschwaden durch die Halle ziehen, findet ziemlich wahrscheinlich eine Konferenz des Augsburger Gebetshauses statt.

Es dürfte das erste Mal nach dreijähriger Corona-Pause sein, dass die Besucher der Augsburger Messe in den Hallen Weihrauch riechen. 2021 komplett ausgefallen und 2022 nur im Online-Stream, fand von Donnerstag bis Freitag und Samstag bis Sonntag wieder die „Weniger“-Konferenz des Gebetshauses Augsburg statt – mit insgesamt 4.000 Teilnehmern und Weihrauchschwaden während der Euchariestiefeier.

Das sind zwar deutlich weniger Menschen als zur „Mehr“-Konferenz 2020, entspricht aber genau dem Grundgedanken der „Weniger“: Weniger Teilnehmer, weniger Veranstaltungstage und keine Messestände.

Präsenz schlägt Online

Das Weniger tut dem Wert der Konferenz allerdings keinen Abbruch. Im Vergleich zur Online-Veranstaltung vom Vorjahr bietet die diesjährige Ausgabe sogar mehr. Und das liegt nicht an der inhaltlichen Ausgestaltung. Die befindet sich auf dem gewohnt hohen Niveau.

Aber Lobpreis mit tausenden Christen macht einfach mehr Spaß, als allein vorm Bildschirm zu sitzen oder zu stehen. Die Reflexions-Übungen von Gebetshausgründer Johannes Hartl am Ende seiner Vorträge fallen leichter, weil es weniger Ablenkung als in den eigenen vier Wänden gibt. Und sie fühlen sich unter und mit anderen Menschen schlicht weniger komisch an. (Hier lesen sie einen Erfahrungsbericht von 2021).

Hartl mit Witz und Botschaft

Hartl war, ob gewollt oder nicht, auch bei der diesjährigen Konferenz das prägende Gesicht. Das lag allerdings nicht nur an seinen typisch bunten Sakkos und Blumenhemden. Vielmehr stand er mit seinen drei Vorträgen und den anschließenden rund 20-minütigen Übungen am häufigsten auf der Bühne.  

Thema seiner Vorträge war unter anderem der Aufbruch hin zu etwas Neuem. Anhand des Auszugs der Israeliten aus Ägypten leitete der Theologe Schritte in die Freiheit ab, an deren Beginn die Erkenntnis stehen müsse, unfrei zu sein. Es gelte dann, für seine Überzeugungen einzustehen. Wer aus einem unfreien System ausbrechen will, könne nicht erwarten, dass alle applaudieren. Alle Dinge, die in der Welt geleistet wurden, hätten mit einem Menschen begonnen, der bereit war, für seine Überzeugungen einzustehen – unabhängig von den Konsequenzen, erklärte Hartl. Als Beispiel nannte er Kriegsdienstverweigerer im Nationalsozialismus.

Häufig beginne ein Weg der Veränderung mit einer Gottesbegegnung. Gott sei Mose in Form des brennenden Dornbusches begegnet. Allerdings müsse eine Begegnung mit Gott nicht immer so spektakulär daherkommen. In den Augsburger Messehallen sei Gott auch präsent, „auch wenn hier kein Dornbusch brennt“, sagte der Theologe. Als Mose vor dem Dornbusch stand, forderte Gott Mose auf seine Schuhe auszuziehen, weil dieser Boden durch Gottes Anwesenheit heilig sei. Das sollten die Teilnehmer in der Messe aber lieber nicht machen, sagte Hartl mit einem Lächeln.

Was bleibt von der „Weniger“?

Weitere Vorträge auf der „Weniger“ hielten Gebetshausmissionar Sebastian Lohmer, Gebetshausmitarbeiter Elias Glaeser und die Gründerin des Sozialwerkes „A.i.R. – kitepride“, Tabea Oppliger.

Manchmal ist weniger mehr. Manchmal ist weniger aber auch einfach weniger. Und im Falle der „Weniger“-Konferenz ist weniger genau richtig. Die diesjährige Konferenz war keine dieser knalligen Schickimicki-Veranstaltungen, die vor Selbtsinszenierung triefen und bei denen Beobachter sich nicht sicher sein können, ob es tatsächlich um die Sache (Vorträge und Lobpreis) oder vielmehr um Selbstinszenierung oder Vermarktung geht.

Zudem machte das diesjährige Dreigestirn aus Messehallen, Präsenz und Weihrauch vor allem eines: Lust auf „Mehr“.

Die nächste „Mehr“-Konferenz des Gebetshauses Augsburg findet vom 4. bis. 7. Januar 2024 statt.

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2 Antworten

  1. Der Bericht über Hartls Predigt hört sich wie ein Motivationsrede an mit Bibelversen und Gotteserwähnung.
    Ist nicht Gottesfurcht der Anfang aller Erkenntnisse (Spr. 1,7)?
    Und sollen wir nicht auf den Herrn vertrauen von ganzem Herzen (Spr. 3,5)?

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  2. Hallo Nathan,
    Meiner Meinung nach lebt Herr Hartl genau nach diesen beiden Versen, das Gebetshaus und die Konferenz wäre sonst kaum so erfolgreich. Was bitte spricht dagegen, Menschen für Jesus zu begeistern?
    Freuen wir uns, dass Gott ihm diese Gabe geschenkt hat 🙏
    Dir persönlich wünsche ich, dass diese Verse weiterhin die Grundlage all deines Handelns sind.
    Ein Vers der mir in dem Zusammenhang einfällt ist: „An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“.
    Gott segne Dich

    Margit G.

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Kommentare sind geschlossen.

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