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Meinung

Visueller Dreiklang: Glaube, Nächstenliebe, Einheit

Anlässlich der 125. Allianzkonferenz hat die Schauspielerin Mirjana Angelina das Leben der Konferenz-Initiatorin, Anna von Weling, auf die Bühne gebracht. In dem Schauspiel verkörpert Angelina eindrücklich die adlige Dame, die sich zum Ziel gesetzt hatte, das Miteinander von Christen zu stärken.
Von Norbert Schäfer
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Foto: pro/Norbert Schäfer

Mirjana Angelina spielt in dem Theaterstück „Eine Frau mit Vision – Anna von Weling“ die Gründerin der Allianzkonferenz in Bad Blankenburg

In dem Soloprogramm „Eine Frau mit Vision – Anna von Weling“ schlüpft die Autorin des Stücks Mirjana Angelina in die Rolle der resoluten, tiefgläubigen und von Nächstenliebe erfüllten Anna Thekla von Weling (1837–1900). In dem circa 80-minütigen Theaterstück spielt Angelina die Gründerin der Allianzkonferenz als alte, hochgebildete und mittlerweile kränkliche Dame, die an ihrem Lebensabend zurückblickt auf ihr bewegtes und ereignisreiches Leben.

Anna von Weling hatte als Kind eine streng calvinistisch-puritanische Erziehung erfahren. Der Vater war früh gestorben. Die enge Bindung zur Mutter, einer Schottin und gläubigen Christin, prägt das Mädchen. Noch in Schottland lebend entwickelt sich aus der kindlichen Zuneigung zu einem Spielkameraden über die Jahre die Liebe ihres Lebens. Ihr Tom wird sich später aufgrund einer Intrige für eine andere entscheiden. Für Anna wird er es die einzige Liebe ihres Lebens bleiben, sie heiratet nie. Der Umstand, dass Anna als Vierjährige aus eigenem Antrieb heraus Schreiben und Lesen lernen will, um „ihrem Tom“ zu schreiben, belegt ihre Zielstrebigkeit bereits in jungen Jahren.

Wunsch: Einheit des Glaubens

Mutter und Tochter verschlägt es nach Neuwied. Dort wird das Mädchen, weil die Mutter am Hofe dient, gemeinsam mit Elisabeth zu Wied, der späteren Königin von Rumänien, erzogen. Im Theaterstück lässt Schauspielerin Angelina die Hauptperson immer wieder in Briefwechseln mit der Mutter in Kontakt treten. Gut situiert kann sich die junge und hochgebildete Dame – sie spricht fünf Sprachen – Reisen erlauben. In Schottland besucht sie Erweckungspredigten von Reginald Radcliff und erlebt eine Bekehrung. Angelina vermag im Stück den „geistlichen Hunger“ und den „Wunsch nach Einheit des Glaubens“ der jungen Frau eindrücklich darzustellen. Fortan widmet die Adelige „ohne Mutterglück“ ihre Kraft den Kindern, sozial Benachteiligten und Kranken. Im Deutsch-Französischen Krieg arbeitet sie freiwillig in einem Lazarett in Bonn, sie nimmt sich verwaister Zwillingsbrüder an und sorgt für deren Ausbildung. Angelina gelingt, das selbstlose Engagement der jungen Frau glaubhaft, vielschichtig und emotional darzustellen, ohne dabei schwülstig zu wirken.

Als Schriftstellerin verdient Anna von Weling später den Lebensunterhalt für sich und die Mutter. Sie veröffentlicht unter dem Pseudonym Hans Tharau. In die belletristischen Werke lässt sie ihre Vorstellungen von Moral und Sittlichkeit, die geprägt sind vom christlichen Glauben, einfließen. Etwa 20 Romane und Erzählungen entstehen so. Nach einem Italienaufenthalt, dort hat sie in einem Kinderheim mitgearbeitet, gründet und arbeitet sie als Lehrerin einer Kleinkinderschule in Branderoda in Thürnigen. Später kommt eine Kinderbewahranstalt hinzu. Anna von Weling weckt mit ihrer Schaffenskraft und dem freimütigen Bekenntnis zum Evangelium auch Argwohn, besonders bei den Männern. Auf Betreiben eines Pfarrers hin darf sie nicht mehr unterrichten. Kraft schöpft sie aus der Bibel und ihrem Glauben an Jesus Christus. Angelina gelingt, den tiefen, überzeugten Glauben der Frau zu vermitteln und ihrer tätigen Nächstenliebe Ausdruck zu verleihen. 1886 zieht Anna von Weling nach Bad Blankenburg, dort hat sie die Villa Greifenstein erworben. Noch im selben Jahr lädt sie überkonfessionell gesinnte Christen zu einem Treffen in ihr Haus. Das Treffen anno 1886 gilt als Initialzündung der Allianzkonferenz, die seitdem mit Ausnahme von Kriegs- und Katastrophenjahren jährlich stattfindet.

Eindrückliches Kammerspiel

Hochkonzentriert, aber nie angestrengt, spielt Angelina die resolute Dame, die sich im 19. Jahrhundert in einer von Männern dominierten Welt zurechtzufinden und durchzusetzen wusste. Die einzelnen Lebensabschnitte der Anna von Wehling deutet die Schauspielerin fließend in Kleidungswechseln während der Aufführung an. Markante Punkte im Leben der Frau werden vereinzelt und dezent musikalisch untermalt. Das spartanische Bühnenbild beschränkt sich auf wenige Requisiten: einen Sessel, einen Beistelltisch, ein Pult, ein Garderobenständer, Bücher, eine Kerze. Angelina gelingt, facettenreich und emotional das Leben der Anna von Weling und damit ein Stück Geschichte der Deutschen Evangelischen Allianz zu inszenieren und den Allianzgedanken zum Leben zu erwecken. Die Fülle des Stoffs – als Grundlage diente eine Biografie aus der Feder der Journalistin Margitta Rosenbaum – verdichtet die Künstlerin zu einem eindrücklichen und emotionalen Kammerspiel.

Wegen der Corona-Maßnahmen waren bei der Uraufführung in Stadthalle von Bad Blankenburg nur rund 200 Zuschauer dabei. Der Schauspielerin konnte eindrucksvoll am Leben der Anna von Weling zeigen, dass christlicher Glaube, tätige Nächstenliebe und das Streben nach Einheit unter Christen als Dreiklang harmonieren und zusammengehören. Trotz der verordneten Distanz zwischen den Gästen aufgrund der Corona-Hygienemaßnahmen hat die Schauspielerin das Publikum für sich gewonnen – und damit auch für die Lebensleistung und das Wirken der Anna von Weling. Die Künstlerin und die Evangelische Allianz, die das Stück produziert hat, wollen nun Aufführungen den Ortsallianzen anbieten.

„Ein Frau mit Vision – Anna von Weling“, Mirjana Angelina/Deutsche Evangelische Allianz

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