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Totalitäre Regimes bedrohen Freiheit von Christen

In totalitär regierten Staaten geraten Christen immer stärker unter Druck. Auch religiöser Nationalismus gefährdet die Freiheit von Minderheiten. Laut dem aktuellen Weltverfolgungsindex des christlichen Hilfswerks Open Doors hat sich die Lage für Christen etwa in China und in der Türkei weiter zugespitzt.
Von PRO
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Die chinesische Regierung schränkt die Freiheit von Christen im Land immer stärker ein Foto: Open Doors
Die chinesische Regierung schränkt die Freiheit von Christen im Land immer stärker ein

In China hat sich die Lage von Christen im Laufe des vergangenen Jahres deutlich zugespitzt. Laut dem aktuellen Weltverfolgungsindex, den das christliche Hilfswerk Open Doors am Mittwoch veröffentlichte, ist es auf der Rangliste der Länder mit der schwersten Christenverfolgung von Rang 43 auf 27 vorgerückt. An China werde deutlich, wie totalitäre Regimes die Freiheit von Christen und religiösen Minderheiten einschränken. Moderne digitale Technik erleichtere es dabei den Behörden, Menschen zu kategorisieren und zu überwachen.

Im Februar vergangenen Jahres seien in China beispielsweise neue Vorschriften für religiöse Angelegenheiten in Kraft getreten. Da religiöse Bildung für Kinder und Jugendliche demnach verboten sei, hätten christliche Kindergärten und Sonntagsschulen schließen müssen, Kirchen seien gewzungen worden, Minderjährige vom Gottesdientsbesuch abzuhalten. Das geht aus dem Bericht von Open Doors zur aktuellen Lage der Christen hervor.

Religion müsse der Kommunistischen Partei dienen und an die chinesischen Traditionen angepasst werden. So seien Gemeinden gezwungen worden, die chinesische Flagge im Gottesdienstraum aufzuhängen, die Nationalhymne vor dem Gottesdienst zu singen oder Bilder von Jesus durch welche von Präsident Xi Jinping zu ersetzen. In der Provinz Zhejiang im Osten des Landes hätten Behörden Vorschriften erlassen, wie Kirchenkreuze auszusehen haben und wo sie angebracht werden dürfen.

Nordkorea bleibt schlimmster Christenverfolger

In Vietnam und Myanmar sind Christen laut Open Doors ebenfalls mit totalitären Regimes konfrontiert, die die Freiheit von Christen einschränken. Nach wie vor sei Nordkorea das Land, das Christen am stärksten unterdrückt. Wenn nicht der oberste Führer des Landes verehrt werde, gelte dies für das autoritäre Regime als Verbrechen. Hinsichtlich des Personenkults und der Kontrolle seiner Bürger sei Nordkorea beispiellos. „Das weltweit vielbeachtete Gipfeltreffen von Kim Jong Un mit US-Präsident Trump hat bislang zu keinen spürbaren Verbesserungen im Land geführt“, erklärt Open Doors.

Eine aus Nord- nach Südkorea geflohene Christin betet für ihre Glaubensgeschwister im Norden. Ihr Mann musste wegen seines Glaubens in Nordkorea sterben. Foto: Open Doors
Eine aus Nord- nach Südkorea geflohene Christin betet für ihre Glaubensgeschwister im Norden. Ihr Mann musste wegen seines Glaubens in Nordkorea sterben.

Auch religiös-nationalistische Tendenzen setzen laut dem Hilfswerk Christen und andere religiöse Minderheiten in den betroffenen Ländern immer stärker unter Druck. In Indien etwa sähen militante Hindus Christen als Bedrohung für die Nation an. Die hindu-nationalistische Regierungspartei BJP treibe ihre Agenda voran, derzufolge „nur ein Hindu ein wahrer Inder sein kann“. Auch die Zahl gewaltsamer Angriffe auf Gemeinden und Pastoren seitens militanter Mobs sei angestiegen, die Behörden ließen radikale Kräfte oft gewähren. Seit die BJP 2014 die Mehrheit im Parlament errang, habe sich die Situation für Christen stetig verschlechtert.

Die Verbindung zwischen Religion und Nationalismus sei auch in der Türkei weiterhin ein Problem für Christen verschiedener Ethnien, vor allem für Konvertiten. „Es herrscht generell die Meinung, dass ein wahrer Türke ein sunnitischer Muslim sein muss“, heißt es im Bericht von Open Doors. Das spiele vor allem auf lokaler Ebene und in Familien eine wichtige Rolle, wo es oft großen Widerstand gegen Übertritte zum Christentum gebe. Denn eine Konversion bedeute gleichzeitig einen Verrat an der türkischen Identität und der Familie. Problematisch für Christen sei zudem das Bestreben des Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, die Türkei von einer säkularen Demokratie zu einem sunnitisch-muslimischen Staat umzubauen.

Erstmals seit 2011 steht Russland wieder auf dem Weltverfolgungsindex Foto: Open Doors
Erstmals seit 2011 steht Russland wieder auf dem Weltverfolgungsindex

Christen auch in Russland von Muslimen unterdrückt

Nach wie vor gehe von islamistischem Extremismus große Gefahr für Christen aus. Ehemalige Kämpfer der Terrororganisation Islamischer Staat breiteten sich zunehmend in Asien wie auch im Afrika südlich der Sahara aus und inspirierten militante islamistische Splittergruppen. In Ägypten, Somalia und im Jemen hätten solche Gruppen an Stärke gewonnen. Libyen sei als gescheiterter Staat vor allem für durchreisende Migranten ein gefährlicher Ort. Die Länder südlich der Sahara stellten „eines der größten Sicherheitsprobleme der Welt dar. In der Region treffen eine schwache Regierungsführung, Armut und der islamische Extremismus zunehmend aufeinander.“ Im islamisch bestimmten Norden Nigerias seien im vergangenen Jahr über 3.700 Christen wegen ihres Glaubens ermordet worden – das sind nach der Zählung von Open Doors mehr als in allen anderen Ländern zusammen.

Erstmals seit 2011 ist Russland wieder auf dem Weltverfolgungsindex gelandet (Rang 41). Christen werden demnach vor allem in muslimischen Regionen in ihrem sozialen Umfeld unterdrückt, etwa im Nordkaukasus. Auch von der Regierung gehe durch einschränkende Gesetze Druck auf Christen aus. Die russisch-orthodoxe Kirche genieße weitgehend die Gunst der Regierung. „Nichtregistrierte Kirchen, die das Evangelium aktiv weitergeben, können mit Hindernissen wie Überwachung und Verhören rechnen.“

Jesus Christus und seine Anhänger sind in vielen Ländern der Erde Zielscheibe von Hass, Gewalt und Unterdrückung Foto: Open Doors
Jesus Christus und seine Anhänger sind in vielen Ländern der Erde Zielscheibe von Hass, Gewalt und Unterdrückung

Markus Rode, Leiter von Open Doors Deutschland, resümierte: „Die gegenwärtige Situation der verfolgten Christen und anderer Minderheiten ist katastrophal und alarmierend.“ Er forderte von Politikern wie auch von Christen, „deutlich mehr“ für Religionsfreiheit zu tun als bisher. Für den Weltverfolgungsindex analysiert Open Doors, welche Freiheit Christen in verschiedenen Lebensbereichen haben, ihren Glauben zu leben – im Privaten, in der Familie, im gesellschaftlichen Umfeld. Zudem wird untersucht, wie der Staat Einfluss nimmt auf die Religionsausübung und inwiefern kirchliches Leben möglich ist. Schließlich fließt in die Analyse auch ein, in welchem Ausmaß Christen in den verschiedenen Lebensbereichen physischer Gewalt ausgesetzt sind. Open Doors versteht den Weltverfolgungsindex jedoch nicht als statistische Aussage über den Grad der Christenverfolgung in den jeweiligen Ländern.

Von: Jonathan Steinert

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