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Starker Anstieg bei Suizidversuchen unter Kindern und Jugendlichen

Im zweiten Corona-Lockdown sind Suizidversuche bei Kindern und Jugendlichen stark gestiegen. Das zeigt eine aktuelle Studie.
Von Norbert Schäfer
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Wenn Kinder Opfer von Verbrechen werden, muss sich die Presse zurückhalten (Symbolbild)

Foto: Myriams-Fotos, Pixabay

Einschränkung sozialer Kontakte wegen Corona, Einsamkeit und Ungewissheit über die Zukunft sind Stressfaktoren, die Auswirkungen auf das psychische Wohlbefinden bei Kindern und Jugendlichen haben können

Unter Kindern und Jugendlichen ist die Zahl der Suizidversuche im zweiten Corona-Lockdown stark gestiegen. Das zeigt eine Studie von Christian Dohna-Schwake, Leitender Oberarzt der Kinderintensivstation an der Universitätsklinik Essen.

Dohna-Schwake und sein Team sammelten dazu Daten über zwölf bis unter 18-Jährige, die wegen eines Suizidversuchs bei einer von insgesamt 27 Kinder-Intensivstationen stationär aufgenommen worden waren. Dabei stellte sich heraus, dass sich die Aufnahmen zum Ende des zweiten Lockdowns verglichen mit der Zeit vor Corona fast verdreifacht haben.

Im Vergleich zum ersten Lockdown hat sich die Zahl beim zweiten Lockdown vervierfacht. 2019, also vor Corona, waren von März bis Mai 37 Suizidversuche auf den Stationen verzeichnet worden. 2020, während des ersten Lockdowns, sank dann die Zahl auf 22 berichtete Fälle in dem Zeitraum. 2021, beim zweiten Lockdown, schnellte die Zahl der Suizidversuche bei Jugendlichen dann auf 93 Fälle hoch. Unter den 93 Fällen waren 78 Mädchen.

Die Corona-Beschränkungen waren der Studie zufolge „eine Herausforderung für das psychische Wohlbefinden“ der Jugendlichen. Begrenzte soziale Kontakte, Einsamkeit und Ungewissheit über die Zukunft gehörten demnach zu den coronabedingten Stressfaktoren, die das psychische Wohlbefinden insbesondere bei Jugendlichen beeinträchtigen können.

Hochgerechnet rund 500 Fälle

Der erste Lockdown in Deutschland trat am 16. März 2020 in Kraft. Schulen, Kindertagesstätten und Freizeiteinrichtungen wurden geschlossen und die Bürger dazu aufgefordert, ihre Kontakte zu reduzieren und zu Hause zu bleiben. Ab Anfang Mai wurden die Maßnahmen schrittweise bis zum Ende des Monats gelockert. Der zweite Lockdow begann zunächst mit leichteren Einschränkungen als zuvor am 2. November 2020. Allerdings wurden die Maßnahmen dann schrittweise bis zum 19. Januar 2021 verschärft. Der zweite Lockdown endete Ende Mai 2021.

Die nun im medizinischen Fachmagazin Pediatrics veröffentlichte Studie deckt nach Angaben von Dohna-Schwake etwa 18 bis 20 Prozent der Kinderintensivbetten in Deutschland ab. Hochgerechnet bedeutet das, dass von Mitte März bis Ende Mai 2021 ungefähr 450 bis 500 stationäre Aufnahmen wegen eines Suizidversuches auf Kinderintensivstationen in Deutschland erfolgten. Über den massiven Anstieg hatte sich der Mediziner noch vor der Veröffentlichung der Studie in einem Interview auf YouTube „überrascht“ gezeigt.

Die Wissenschaftler schlagen nun vor, weitere Forschungen durchzuführen, um den Zusammenhang zwischen Coronamaßnahmen und Suizidgedanken besser zu verstehen. Die Erkenntnisse sollen dabei helfen, die psychische Gesundheit von Jugendlichen künftig besser zu unterstützen.

Sollten Sie selbst von Suizidgedanken betroffen sein, suchen Sie sich umgehend Hilfe. Bei der anonymen Telefonseelsorge finden Sie rund um die Uhr Ansprechpartner unter: 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222.

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3 Antworten

  1. Merkwürdig, wie widersprüchlich doch die Zahlen erscheinen, wo liegt denn nun die Wahrheit? s.u.

    Der eigentliche Skandal ist aber doch, dass das BVerfG sich anmaßt, kommerzielle Unterstützung von Selbsttötungen als “Selbstbestimmung” im Rahmen der “Menschenwürde” interpretieren zu wollen.
    Wenn die menschlichen Maßstäbe so umfassend verloren gegangen sind, dann schützt offensichtlich selbst das Grundgesetz unsere Mitmenschlichkeit nicht mehr.

    Hier nun die widersprüchlichen Aussagen/Studien:
    “Unter Kindern und Jugendlichen ist die Zahl der Suizidversuche im zweiten Corona-Lockdown stark gestiegen” in diesem Artikel,

    aber:
    „Krisenzeiten können die Suizidraten beeinflussen. Bislang hat sich dies jedoch für die Corona-Pandemie laut internationaler und nationaler Studien ganz überwiegend nicht(!) bestätigt.
    Auch unsere aktuelle Studie zeigt keine signifikante Zunahme der Suizide in Deutschland“, sagt Christian Bachmann, Professor für Kinder- und Jugendpsychiatrie, der am Universitätsklinikum Ulm forscht.”
    https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/gesundheit/welche-auswirkung-hat-die-pandemie-auf-die-suizidrate-18007394.html

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  2. “Über den massiven Anstieg hatte sich der Mediziner noch vor der Veröffentlichung der Studie in einem Interview auf YouTube „überrascht“ gezeigt.”

    Das überrascht micht auch. Warum sollte Einsperren und das Verbot sozialer Kontakte auch irgendwelche negativen Auswirkungen auf die Psyche von Kindern haben? Gut dass das jetzt mal untersucht wird…

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  3. Danke für den Bericht. Es ist dringend nötig. So ganz aktuell ist die Studie allerdings nicht mehr. Das Ärzteblatt hatte schon am 31. März darüber berichtet. Wäre gut, bei einem Besprechen der Studie auch das Datum der Studie zu erwähnen. https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/132970/Zweiter-COVID-19-Lockdown-Zahl-der-Suizidversuche-bei-Jugendlichen-in-Deutschland-nahm-zu?rt=7cd8255d566cfb992c0d5697a0796a2e
    Ich bin gespannt ob die Studienergebnisse Eingang in den Evaluationsbericht des Bundesgesundheitsministeriums finden.

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