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Rolf Zuckowski: „Musik erfinden zu können, ist ein göttlicher Funke“

Der Kinderliedermacher Rolf Zuckowski begeistert seit Jahrzehnten Millionen von Zuhörern – und feiert nun seinen 75. Geburtstag. Auch wenn der Musiker Christus als den wichtigsten moralischen Leitfaden im Leben sieht, fällt ihm der Glaube an einen persönlichen Gott schwer.
Von Martina Blatt
Rolf Zuckowski hat mehr als 20 Millionen Tonträger verkauft
Rolf Zuckowski steht dem christlichen Glauben nahe: „Ich habe immer versucht, Jesus Christus als Leitfigur in meinem Leben zu behalten.“

Lebensfreude, Spaß am Kind-Sein und Ermutigung bahnen sich durch Titel wie „Ich schaff’ das schon!“, „Die Jahresuhr“, „In der Weihnachtsbäckerei“ oder dem Geburtstagklassiker „Wie schön, dass du geboren bist“ in die Ohren der jungen – und auch älteren – Zuhörer. Die Songs stammen von Rolf Zuckowski, dem bekanntesten Kinderliederautoren Deutschlands.

Als Phänomen würde sich Zuckowski trotz seines jahrzehntelangen Erfolgs nicht bezeichnet, sondern vielmehr die Musik an sich. Sie begeistert ihn: „Egal ob kleine Lieder oder große Werke – Musik ist eine göttliche Kraft für mich, die uns durchdringt und die uns durch viele Lebensstationen helfen kann“, erklärt er im Interview mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) anlässlich seines 75. Geburtstags am 12. Mai. „Sie hilft, zu uns selbst zu finden und mit anderen zusammen zu finden.“ Dass ihm das gelungen sei, bezeichnet er als sein „ganz großes Lebensglück“, wofür er „nur dankbar“ sein könne.

Rolf Zuckowski bei einem der ersten Kindergartenkonzerte, Ende der 70 Jahre Foto: Rolf Zuckowski
Rolf Zuckowski bei einem der ersten Kindergartenkonzerte Ende der 70 Jahre

Seine Liebe zur Musik entdeckte er früh und sie war Teil des Familienlebens. Die Mutter sang viel, der Vater schenkte ihm 1961 eine Gitarre. In der Schulband The Beathovens spielte er das Instrument und sang. Als junger Vater von drei Kindern ging es so weiter – mit seiner Frau Monika ist er mittlerweile mehr als 50 Jahre verheiratet. Damals dachte sich Zuckowski kleine Musikstücke für seinen Nachwuchs aus, weil ihm die klassischen Kinderlieder wie „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ nicht lebensnah genug waren. Mit „Rolfs Vogelhochzeit“ auf LP und anschließend „Rolfs Schulweg-Hitparade“ begann seine Karriere Ende der 1970er Jahre. Bundesweite Bekanntheit erlangten „Rolf und seine Freunde“ 1982 mit ihrem Auftritt bei der Sendung „Wetten dass..?“

Er hat aber nicht nur seine eigenen Hits, sondern steckt auch bei anderen Künstlern hinter Erfolgen: Für Peter Maffay entwarf er das Konzept-Album „Tabaluga“, schrieb dafür Titel wie „Nessaja (Ich wollte nie erwachsen sein)“ und ist Autor von Nana Mouskouris Song „Guten Morgen, Sonnenschein“.

Schwerer Schicksalsschlag im Privatleben prägt Musik

Parallel zu den Erfolgen erlebte er im Privatleben einen schweren Schicksalsschlag. In der vergangenen Woche erschienenen Autobiografie „Ein bisschen Mut, ein bisschen Glück“ schildert der Komponist, dass sein Vater Seemann, häufig abwesend und alkoholkrank war – und Suizid beging. „Dass meine Lieder so oft ermutigend sind, das liegt daran, dass ich auch durch die Lebensgeschichte meines Vaters gelernt habe, wie wichtig Selbstvertrauen ist“, erklärt er dem epd. Er versuche, den großen und kleinen Menschen zu sagen: „Vertrau auf dich und deine Kräfte – und auf höhere Mächte.“ Das Lied „Ich schaff das schon“ sieht er als das vielleicht wichtigste Lied an, das er geschrieben habe.

Biblisches Leben als Richtschnur


In einem Gespräch mit idea vergangenes Jahr bejaht Zuckowski, dass er Christ ist: „Weil ich Jesus Christus und die göttliche Botschaft in ihm wichtig finde. Ich habe immer versucht, ihn als Leitfigur in meinem Leben zu behalten.“ Auf die Frage des epd, wie er selbst zu Religion stehe, antwortet er: „Diesen ganz persönlichen Gott erfahre ich nur selten, ich empfinde eher eine Art göttliche Seelengemeinschaft.“ Die Beziehung zum Glauben sei für ihn „eher psychisch. Es ist ein Gefühl, geborgen zu sein in einer Welt, in die man hineingeboren wurde, und ein Gefühl vertrauen zu können, dass es richtig ist, dass man geboren wurde“.

Dem Domradio erklärte Zuckowski vor drei Jahren: „Dass Christus in die Welt gekommen ist, ist für mich der wichtigste moralische Leitfaden im Leben. Ich habe noch keinen wichtigeren gefunden. Ich glaube, das Leben, das wir in der Bibel nachlesen können, das man uns vor allem aber auch nahe bringt, ist die Richtschnur für unser Leben.“ Er brauche immer wieder Menschen, die ihm über den Bibeltext hinaus „mit den richtigen Worten nahebringen, warum Nächstenliebe, Fürsorge, Selbstaufopferung große Werte sind“. Diese findet er nirgendwo „intensiver und nachvollziehbarer im Leben als im christlichen Glauben“.

Rolf Zuckowski Biographie Foto: Edel Books
In seiner neu erschienenen Biographie “Ein bisschen Mut, ein bisschen Glück” teilt Rolf Zuckowski persönliche Erlebnisse und Beweggründe seiner Arbeit

Zweifeln gehört für ihn auch dazu: „Schwer fällt mir der Glaube an den ganz persönlichen Gott, dazu passieren zu viele Dinge auf der Welt, wo ich mich frage, was dieser Mensch getan hat, dass Gott ihn so fallen lassen kann. Aber die Grundglaubensfrage ist für mich eindeutig: Es ist etwas Göttliches in der Welt. Sonst würden wir nicht da sein. Sonst würden wir vieles nicht spüren.“

Sein Lied „Einmal Leben“ sieht er für sich „wie ein Glaubensbekenntnis“: „Darin geht es darum, dass wir alle mit Talenten geboren werden, die wir an andere weitergeben.“ Weiter erklärt der Komponist im Interview des epd: „Die Schöpfung ist ja nicht abgeschlossen, sie geht jeden Tag weiter und wir haben einen kleinen Teil daran, dass es gut wird – zumindest soweit wir es mit unseren beschränkten Kräften fördern können.“

Trotz höherem Medienkonsum erreicht Musik Kinder


Musik zu erschaffen, sieht Zuckowski auch als Schöpfen an. Musik sei „eine Art Universum, von dem man wirklich nicht weiß, wo es aufhört“. Sie verbinde die Herzen so stark durch gemeinsam spürbare Schwingungen. „Wenn man tiefer eindringt, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man Musik selbst erfinden kann. Woher kommt die dann? Das ist Inspiration, das ist göttlicher Funke.“ Wenn Kinder hier dranbleiben, tue sich für sie eine Welt mit ganz anderen Dimensionen auf. „Da kann der Mensch letztlich zum Schöpfer werden.“

Trotz des deutlich höheren Medienkonsums im Vergleich zu früher könnten Kinder auch heute noch mit der richtigen Musik erreicht werden. Singen die Kinder gern, habe sich diesbezüglich nichts verändert: „Sie stehen da und haben den Blickkontakt, der sehr wichtig ist. Aber sie müssen auch das Repertoire angeboten bekommen, das sie wirklich gernhaben“, sagte er im Mai der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Es bestehe die Möglichkeit, dass die Kinder förmlich in die Musik hineinwachsen: „Und sich vielleicht stärker fühlen, weil sie etwas leisten, das sie sich im ersten Moment gar nicht zugetraut haben.“

Foto: Michael Philipp Bader
Rolf Zuckowski begeistert seit Jahrzehnten Kinder mit seiner Musik. Für zahlreiche Projekte hat er mit ihnen zusammengearbeitet.

Der Liedermacher beobachtet eine Veränderung der Kinder über die Jahre. Sie hätten sich mit den Eltern verändert. Die Mädchen und Jungen spiegelten letztlich die Entwicklungen in der Erwachsenenwelt. Kinder aus Familien mit vielen Unterhaltungs-, Bildungs-, Reise- und Abenteuermöglichkeiten seien abenteuerhungrig, erklärt Zuckowski der dpa: „Die wollen dann auch möglichst viel erleben – und das kann zur Rastlosigkeit führen.“

Musik ist für Kinder Entfaltungsmöglichkeit

Elektronische Medien sieht der 75-Jährige als problematisch an, viele Kinder kämen nicht davon weg: „Ich finde, bei den Spielen, die heute zur Verfügung stehen, ist es teilweise schon eine hohe Verantwortung, was man da in die Kinderhände gibt. Denn die Spiele können ja auch süchtig machen.“

Trotz alledem gelänge es auch heute noch, Kinder für Musik zu begeistern. Letztlich müsse von den Eltern der entscheidende Impuls ausgehen, sagt er dem epd. „Wenn die Kinder merken, dass die Eltern Musik schön und wichtigfinden, dann dringt das auch in die Kinder hinein. (…) Wenn Kinder Musik nicht entdecken können, verpassen sie viele Möglichkeiten sich zu entfalten – auch gemeinsam mit anderen.“ Er bedauert es, wenn Eltern nicht gern singen. So sollte sie externe Angebote suchen.

Zuckowski ist nun auch unter die YouTuber gegangen. Seit 2020 veröffentlicht er auf seinem Kanal „Rolf Zuckowski – Musik für Dich“ regelmäßig Videos. Darin singt und berichtet er mit seiner Gitarre seinen mehr als 300.000 Abonnenten, wie seine Lieder entstanden sind und was er mit ihnen erlebt hat.

Dass Kinder Zuckowski am Herzen liegen, wird durch sein Engagement deutlich. Seit 2010 ist er Pate von Kinderhospizen wie dem Kinderhospiz Bethel für unheilbar erkrankte Mädchen und Jungen. Seit 2017 ist er zudem ehrenamtlicher Botschafter der Von Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Im September 2018 zeichnete der Bundespräsident ihn „für sein langjähriges, herausragendes Engagement für die Stellung von Kindern in unserer Gesellschaft“ mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse aus. Im Rahmen seiner Karriere erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem 2008 den Musikpreis Echo für sein Lebenswerk.

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2 Antworten

  1. Wünderschön sind diese Lieder, daran kann ich mich immer wieder begeistern. Danke dafür.

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