Das christliche Medienmagazin

Laith Al-Deen: „Jesus steht für Glauben, der Berge versetzt“

Beim RTL-Live-Event „Die Passion“ spielt Musiker Laith Al-Deen den Petrus. Mit PRO sprach er darüber, wo er sich selbst in der Figur des Petrus wiedererkennt und was ihn an Jesus besonders beeindruckt.
Von Swanhild Brenneke
Share on facebook
Share on twitter
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on email
Musiker Laith Al-Deen spielt bei „Die Passion“ die Rolle des Petrus

PRO: Was bedeutet es Ihnen, mit einer Hauptrolle bei „Die Passion“ dabei zu sein? Was war Ihr erster Gedanke, als die Anfrage kam?

Laith Al-Deen: Als ich gefragt wurde, habe ich mich erstmal gewundert. Ich bin nicht als gläubig in der Öffentlichkeit bekannt. Ich bin in mich gegangen und habe mich gefragt: „Warum eigentlich nicht?“ Wie viele meiner Kollegen habe ich mich dann etwas in die Passionsgeschichte eingelesen. Ich gehöre zu den vielen Menschen, die den ganzen Kontext der Geschichte immer wieder vergessen. Ich fand die Idee, Teil einer modernen, vielleicht auch – im positiven Sinn – ziemlich weltlichen Version dieser Geschichte zu sein, total reizvoll.

Was soll inhaltlich bei den Zuschauern ankommen?

Es wäre toll, wenn rüberkommt, dass Gemeinschaft und Dialog ganz entscheidend für unsere Gesellschaft sind. In Zeiten wie diesen kann das nicht aktueller sein. Sicherlich gehört die Passionsgeschichte zu einer der aktuellsten und zeitlosesten Geschichten, die man den Menschen vorlegen kann. Es geht um das füreinander Einstehen, um Verrat und Verleumdung und es geht darum, aus Fehlern zu lernen. Wir sehen tagtäglich, dass das mit dem Lernen aus den Fehlern wahnsinnig oft verrutscht. Ich hoffe, dass wir in die Herzen der Menschen kommen.

Sie spielen den Petrus. Keine einfache Rolle, er ist immerhin derjenige, der Jesus verleugnet hat. Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?

Gar nicht. Wobei: Das stimmt nicht ganz. Ich habe mich gefragt: Wie viel davon kann ich selbst nachvollziehen? Das hat sicherlich seine Grenzen. Aber jemand zu sein, der von einer Idee wirklich begeistert ist, für diese Idee lebt und dann durch Einflüsse von außen ins Zweifeln und ins Straucheln gerät – das kann ich gut nachvollziehen. Wenn man erkennt, wofür man steht, und unter Umständen für bestimmte Dinge einstehen muss, obwohl es im ersten Moment von Vorteil zu sein scheint, diesen Dingen den Rücken zu kehren. Natürlich gab es im Vorfeld einiges an Training, weil ich ja kein Schauspieler bin. Ich hoffe, der Rolle ausreichend gerecht zu werden.

Wie charakterisieren Sie die Figur des Petrus?

Mit einer Eigenschaft, die auch auf mich zutrifft: Dass er jemand ist, der sein eigenes Potenzial nicht erkennt. Dies verbindet ihn mit vielen Menschen, denn sein Potenzial muss erst offenbart werden. Er muss sogar seinen geliebten Freund verleugnen, bevor er dann in die Rolle des Grundsteins der christlichen Kirche hineinwachsen kann.

Was finden Sie an der Petrus-Rolle besonders beeindruckend?

Als Schauspieler finde ich den Wandel sehr beeindruckend. Der hat mir natürlich auch Probleme gemacht. Das Wechselbad der Gefühle zwischen Hingabe und den Selbstzweifeln und dem Selbstschutz macht die Rolle total spannend.

„Die Passionsgeschichte gehört zu einer der aktuellsten und zeitlosesten Geschichten.“

Laith Al-Deen

Hat die Vorbereitung auf die Rolle Ihr Verständnis vom christlichen Glauben oder Ihren Zugang zur Religion verändert?

Nein, überhaupt nicht. Was mich verändert hat, ist mein Zusammentreffen mit dem Jacco (Jacco Doornbos, Produzent des niederländischen Originals der Show, Anm. d. Red.). Er ist der Begründer dieses Formats. Ich würde ihn beschreiben als das Abbild eines sehr modernen Gläubigen. Man hat nie das Gefühl, dass staubige Traditionen um ihn herumwirbeln. Als wir uns bei der ersten Besprechung trafen und er die Idee vorstellte, glaube ich zusammen mit vielen Anwesenden gespürt zu haben, dass es uns alle entzündet hat. Das fand ich sehr beeindruckend.

Bedeuten Ihnen christliche Feste wie Ostern persönlich etwas?

Jein. Meine Mutter war in der Katholischen Kirche. Mein Vater ist nicht praktizierender Moslem. Ich war früher zeitweise beim katholischen Religionsunterricht, dann mal wieder nicht, dann habe ich evangelische Religion als drittes Prüfungsfach im Abitur belegt. Man weiß gar nicht genau, wieso (lacht). Religion war immer ein bisschen Thema. Übrig geblieben sind diese speziellen Zeitpunkte im Jahr. Ostern wurde bei uns zu Hause gar nicht richtig wahrgenommen, Weihnachten natürlich schon. Mir war schnell klar, dass ich kein klassischer „Gelegenheitskirchgänger“ sein werde und daher beschränke ich mich darauf, mir ab und an Besinnlichkeit zu verfügen. Und ob man es mag oder nicht, es funktioniert.

Hat Jesus eine besondere Bedeutung für Sie oder haben Sie durch „Die Passion“ eine neue Sicht auf ihn gewonnen?

Ich kenne ihn jetzt ja persönlich, er sieht ein bisschen aus wie Alexander Klaws (Alexander Klaws spielt in „Die Passion“ die Rolle von Jesus; Anm. d. Red.). Nein, im Ernst: Das Entscheidende ist: Wenn man die Erzählung drum herum und den Kontext ausblendet, bleibt eine charismatische Person übrig, die im Glauben an etwas versucht, möglichst viele Menschen zu überzeugen und zu begeistern.

Für mich ist Jesus im weltlichen Sinne stellvertretend für die Idee, dass Glauben die sprichwörtlichen Berge versetzen kann und damit unerlässlich für jeden, der sich ein Ziel gesetzt hat.

Sie sind auch Pate bei dem christlichen Hilfswerk World Vision und haben Ihr Patenkind vor einigen Jahren auch schon in Vietnam besucht. Was bedeutet Ihnen Ihr Engagement?

Anfangs war ich am Zweifeln, ob das Geld wirklich ankommt und hilft. Ich habe mich bei meinem Projekt in Vietnam aber davon überzeugen können, dass dort etwas geschieht. Ich habe Menschen getroffen, die seit 30 Jahren ehrenamtlich dort arbeiten und viel Zeit investieren. Das bringt uns zum Thema unseres Gesprächs: Ich habe so viel Nächstenliebe erfahren durch diese Woche Vietnam. Und das Gefühl: Selbst, wenn mein Zutun nur an kleinsten Stellen hilft, ist eine kleine Spur gelegt, die wieder etwas Größeres entstehen lässt.

Mitten in der Corona-Pandemie haben Sie Ihr Album „Kein Tag umsonst“ veröffentlicht. Die Songs darauf vermitteln eine sehr positive Botschaft inmitten einer Krise. Was gibt Ihnen Halt und Kraft in Krisen?

Ganz klar mein familiäres Umfeld. Es passieren immer Dinge, die einen fordern, Prioritäten, die sich verschoben haben. Das erdet mich sehr. Ich bin ja inmitten meines Lebens von null auf drei Kinder gekommen (durch seine neue Partnerin, Anm. d. Red.). Ich musste mich erstmal mit der ganzen Situation zurechtfinden und bekomme inzwischen so viel zurück. Es puffert den fehlenden sozialen Austausch mit einem Publikum bei einem Konzert auch ganz gut. Ich möchte es nicht mehr missen.

Es gibt Dinge, die über das künstlerische, musikalische Dasein hinausgehen und ihre Zeit einfordern.

In der Corona-Zeit habe ich mich auch um mich selbst gekümmert, Zeit draußen verbracht und wenig Musik gemacht. Das bereue ich ein kleines bisschen, aber ich lege gerade nach.

Vielen Dank für das Gespräch!

Ihr Beitrag für christliche Werte in den Medien
Bei PRO sind alle Beiträge frei zugänglich und kostenlos - und das wird auch so bleiben. PRO finanziert sich durch freiwillige Spenden.

Wir arbeiten in der PRO-Redaktion jeden Tag dafür, Ihnen solide Informationen zu liefern über Themen, die Sie interessieren.

Nur mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin den christlichen Journalismus bieten, den Sie von PRO kennen.

Viele PRO-Leser helfen schon mit. Sind Sie dabei?

Schreiben Sie einen Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien. Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden.

Offline, Inhalt evtl. nicht aktuell

PRO-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen