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„Pushback“ ist das Unwort des Jahres 2021

Die Suche nach dem Unwort des Jahres 2021 wurde zwar von der Corona-Debatte dominiert. Gewählt wurde mit „Pushback“ jedoch ein Begriff aus dem Migrations-Diskurs. Er beschönige einen menschenfeindlichen Prozess, kritisierte die Jury.
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Foto: Julie Ricard on Unsplash

Ein Flüchtlingslager in Griechenland (Symbolbild). Das Unwort des Jahres 2021 bezieht sich auf die Situation von Flüchtlingen.

Das Unwort des Jahres 2021 lautet „Pushback“. Mit dem englischen Begriff für „zurückdrängen, zurückschieben“ werde die Praxis von Europas Grenztruppen beschrieben, Flüchtende an der Grenze zurückzuweisen, sagte die Jury-Sprecherin Constanze Spieß am Mittwoch in Marburg. Damit werde ein menschenfeindlicher Prozess beschönigt, der Flüchtenden die Möglichkeit nehme, ihr Grundrecht auf Asyl wahrzunehmen.

Nach Ansicht der Jury trägt der Gebrauch des Fremdworts zur Verschleierung des Verstoßes gegen die Menschenrechte bei und verschweigt zudem, dass der Akt des Zurückdrängens mit Gewalt verbunden ist und tödlich enden kann. Die Jury kritisierte zudem die in den Medien „unreflektierte Nutzung“ dieses Wortes auch bei
Kritikern.

Auf den Plätzen zwei und drei landeten der Begriff „Sprachpolizei“ und mehrere Ausdrücke wie „Impfnazi“ oder „Ermächtigungsgesetz“, die im Zuge der Corona-Demonstrationen von Impfgegnern verwendet würden und eine Ähnlichkeit zwischen Maßnahmen gegen die Covid-19-Pandemie und der nationalsozialistischen Diktatur nahelegten.

Mit dem Ausdruck „Sprachpolizei“ werden nach Ansicht der Jury Personen diffamiert, die sich für eine geschlechtergerechte Sprache einsetzen. Er sei irreführend, weil er suggeriere, dass es eine Instanz gebe, die über die Einhaltung von Sprachregeln wache und bei Nichteinhaltung Bestrafungen vorsehe.

 Zu Vergleichen mit dem Nationalsozialismus wie „Ermächtigungsgesetz“ (für Infektionsschutzgesetz) oder dem gelben Stern mit dem Aufdruck „ungeimpft“, merkte die Jury an, dass deren Verwendung zur Verharmlosung des Nationalsozialismus, zur Verhöhnung der Opfer der NS-Diktatur und in manchen Fällen zu einer Opfer-Täter-Umkehr führe.

Insgesamt 1.308 Einsendungen

Das persönliche Unwort 2021 des Gast-Jurors Harald Schumann lautet „Militärschlag“. Der Begriff sei eine zutiefst euphemistische Bezeichnung für einen aggressiven kriegerischen Akt, kritisierte der Journalist.

Für das Jahr 2021 erhielt die Jury insgesamt 1.308 Einsendungen. Es wurden 454 verschiedene Ausdrücke vorgeschlagen, von denen knapp 45 den Unwort-Kriterien der Jury entsprachen. Unter den häufigsten Einsendungen waren „Tyrannei der Ungeimpften“ (287 Mal), „illegaler Kindergeburtstag“ (71), „Querdenker“ (47), „systemrelevant“ (24), „boostern“ (22) und „Covidiot“ (20).

Die Aktion Unwort des Jahres rügt Wörter und Formulierungen, die gegen die Prinzipien der Menschenwürde oder Demokratie verstoßen, gesellschaftliche Gruppen diskriminieren, stigmatisieren und diffamieren oder die euphemistisch, verschleiernd oder irreführend sind.

2020 hatte die Jury mit „Corona-Diktatur“ und „Rückführungspatenschaften“ erstmals zwei Begriffe ausgewählt. Die Unwörter der Vorjahre lauteten „Klimahysterie“ (2019), „Anti-Abschiebe-Industrie“ (2018), „alternative Fakten“ (2017), „Volksverräter“ (2016), „Gutmensch“ (2015) und „Lügenpresse“ (2014). Anfang Dezember hatte die Jury der Gesellschaft für deutsche Sprache in Wiesbaden „Wellenbrecher“ zum „Wort des Jahres“ gekürt.

Die Sprecherin der Unwort-Jury, Constanze Spieß, ist Professorin für Pragmalinguistik an der Marburger Philipps-Universität. Weitere ständige Mitglieder die Sprachwissenschaftler Kristin Kuck (Universität Magdeburg), Martin Reisigl (Universität Wien) und David Römer (Universität Trier) sowie die Journalistin und Dozentin Alexandra-Katharina Kütemeyer. Hinzu kam Gast-Juror Harald Schumann.

Der Begründer der sprachkritischen Aktion, der Frankfurter Germanistikprofessor, Horst Dieter Schlosser, war von 1991 bis 2010 Vorsitzender und Sprecher der Jury. Von 2011 bis 2020 bekleidete die Darmstädter Sprachwissenschaftlerin Nina Janich diese beiden Ämter.

epd

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3 Antworten

  1. Es hätte wahrscheinlich bessere Kandidaten für das “Unwort” gegeben.

    Als “Unwort” muss ja ein Wort bezeichnet werden, dass Menschlichkeit in Frage stellt, eine implizite Abwertung von Menschen bedeutet,
    oder – noch schlimmer – einen bösen Zustand mit einem Euphemismus beschönigen und akzeptabel machen will.

    Hier deshalb meine Kandidaten für das “Unwort”:

    – “Schwangerschaftsgewebe” – Entmenschlichung des ungeborenen Kindes

    – “Sterbe-Hilfe” – Welche Art Hilfe ist das wohl, durch die dem Geholfenen der Tod gebracht wird?

    – “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” – Wenn die Kinder möglichst schnell in Fremdbetreuung outgesourct werden sollen, damit die Eltern wieder vollzeitlich Kommerz und Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Was genau wird denn hier eigentlich “vereinbar” gemacht?

    – “Verantwortungsgemeinschaft”, “Ehe für Alle”, etc. – wenn die spezifischen Beziehungsvorstellungen der Erwachsenen dem Wohl des Kindes übergeordnet werden.

  2. Sehr interessant, dass das “Unwort des Jahres nichts mit dem zutun hat, was wohl alle am meisten betrifft: Mit Abstand kamen die meisten Einsendungen zur Corona-Krise.
    Mein Vorschlag war an die Jury war übrigens das Wort “Impfvordrängler”, das das Redaktionsnetzwerk Deutschland gegen den OB von Halle verwendet hatte, weil er Impfstoff, der übrig geblieben war, an Mitarbeiter verimpfen ließ, die noch nicht dran waren. Anstatt froh zu sein über jeden, der schon geimpft ist, wurde er des Amtes enthoben. Das zeigt die Absurdität der Corona-Politik und der -Berichterstattung.

  3. Noch selten hat sich der Unsinn an dieser “Wahl” so sehr gezeigt wie dieses Mal. Was ist mit den Millionen, die jedes Jahr verhungern, die seit Jahrzehnten in Flüchtlingslager irgendwo auf der Welt leben? Nein, uns interessieren nur die Pushbacks an der EU Aussengrenze, aber nicht das viel viel größere Elend in anderen Teilen der Welt.

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