Die Schülerin Lena Elbe hat den Wettbewerb „Christentum und Kultur“ mit einer Arbeit über ein NPD-Wahlplakat gewonnen, das Martin Luther für die Zwecke der Partei einspannte

Die Schülerin Lena Elbe hat den Wettbewerb „Christentum und Kultur“ mit einer Arbeit über ein NPD-Wahlplakat gewonnen, das Martin Luther für die Zwecke der Partei einspannte

„Luther und die NPD passen nicht zusammen“

Für ihre Arbeit zum Thema „Würde Martin Luther NPD wählen?“ hat Lena Elbe den Schülerwettbewerb „Christentum und Kultur“ gewonnen. Sie untersuchte ein Wahlplakat, auf dem die NPD im Bundestagswahlkampf 2017 mit dem Konterfei und einem Spruch Luthers geworben hatte.

Die 17-jährige Lena Elbe aus dem baden-württemberigschen Öhringen hat den Wettbewerb „Christentum und Kultur“ der Evangelischen Landeskirchen in Württemberg und Baden sowie der Erzdiözese Freiburg und der Diözese Rottenburg-Stuttgart gewonnen. Sie hat sich mit der Frage beschäftigt: „Würde Luther NPD wählen?“ Die Partei hatte für den Bundestagswahlkampf mit dem Ausspruch „Hier stehe ich und kann nicht anders“ für ein Votum für die NPD geworben.

pro: Frau Elbe, wie kommt eine junge Frau auf die Idee, sich mit diesem Thema zu beschäftigen?

Lena Elbe: Forchtenberg ist eine kleine Stadt ganz in der Nähe meines Heimatorts. Hier wurde eine Person geboren, von der wohl jeder schon gehört hat: Sophie Scholl. Sie war Widerstandskämpferin im Nationalsozialismus und wurde deshalb vom NS-Regime hingerichtet. Genau dort ist mir ein Wahlplakat der NPD ins Auge gesprungen, auf dem Martin Luther abgebildet war.

Es ist mir im Gedächtnis hängengeblieben und ich habe auch im Nachhinein noch darüber nachgedacht, da mich die Verwendung Luthers als Propaganda für die NPD direkt schockiert hat. Auf der Suche nach einem geeigneten Thema für eine Seminararbeit dachte ich dann, dass sich eine Analyse dieses Plakats gut eignen würde, da ich auch selbst den Hintergründen der Verwendung Luthers genauer nachgehen wollte.

Wie sind Sie auf den Wettbewerb aufmerksam geworden und wer hat Sie inhaltlich begleitet?

Auf den Wettbewerb bin ich zufällig durch einen Flyer gestoßen, aber erst nachdem ich die Arbeit schon komplett abgeschlossen hatte. Zunächst hatte ich sie einfach als Seminararbeit für die Schule geschrieben und erst später bei dem Wettbewerb eingeschickt. Beim Schreiben war ich also nicht darauf ausgerichtet.

In der Schule hat mich beim Schreiben meine Lehrerin begleitet, die den Seminarkurs angeboten hat. Das Oberthema des Kurses war „Interkulturalität und Interreligiosität als Herausforderung des 21. Jahrhunderts“. Ich fand, dass hier die Analyse dieses Wahlplakats thematisch sehr gut hineinpasste, da sowohl die Frage nach Interkulturalität als auch die Bedeutung der Religion aufgeworfen werden.

Haben Sie selbst Bezüge zum christlichen Glauben oder zur Politik?

Ich bin mit dem christlichen Glauben aufgewachsen. Außerdem interessiere ich mich auch für die aktuelle Politik und halte es heute für besonders wichtig, dass insbesondere Themen wie Integration und ein friedliches Miteinanderleben unterschiedlicher Kulturen angesprochen werden. Das Wahlplakat steht im Zusammenhang mit einer der größten Herausforderungen unserer heutigen Zeit – das sind eben die Integration und das friedliche Miteinanderleben von Menschen unterschiedlicher Kulturen.

Solche Aktionen wie das Wahlplakat, die der Integration genau entgegenwirken, sollte man sehr kritisch hinterfragen und sich damit auseinandersetzen. Deshalb halte ich das Thema auch für äußerst relevant. Es gibt heute viele menschenverachtende Äußerungen in Politik und Gesellschaft; viele davon sind unbedacht, aber teilweise sind sie auch Absicht. Um rechtsextremen Aussagen und Handlungen möglichst wenig Raum zu geben, denke ich auch, dass es wichtig ist, sich mit Politik zu befassen und sich gesellschaftlich zu engagieren.

Was wollte die NPD mit dem Plakat bezwecken?

Durch das Plakat wollte die NPD christlich oder kirchlich gebundene Wähler, besonders die evangelischen, für sich gewinnen, indem sie das „Vorbild Luther“ beanspruchte und vereinnahmte. Die Intention der NPD ist, Leute davon zu überzeugen, NPD zu wählen, wie es angeblich auch Martin Luther tun würde. Allerdings ist die NPD nicht die Partei, die von der großen Masse gewählt wird, weshalb sie wahrscheinlich vor allem auch auf Provokation durch das Wahlplakat setzt. Durch die provokante Verwendung Luthers versucht die NPD, gezielt Aufmerksamkeit zu erregen.

Sie haben versucht, Martin Luthers Popularität zu erfassen. Zu welchem Ergebnis kommen Sie?

Ich komme zu dem Ergebnis, dass Luther nach wie vor eine sehr bekannte Person ist, mit der sich auch gerade viele evangelische Christen, insbesondere aus Deutschland, identifizieren können. Luther wird schon seit Langem nicht nur als bedeutende Person innerhalb des Christentums, sondern sogar als deutscher Nationalheld gefeiert.

Diese Art der Verehrung Luthers hat ihren Ursprung bereits im 19. Jahrhundert: 1817 wurde das 300-jährige Jubiläum des Thesenanschlags mit den Feiern der Siege über die Herrschaft Napoleons verbunden. Auch heute ist Luther eben immer noch äußerst bekannt und gilt in einigen Hinsichten für viele als Vorbild. Vermutlich hat die NPD wohl auch deshalb genau Luther auf diesem Wahlplakat für sich zu vereinnahmen versucht. Durch die Bearbeitung von antijüdischen und antiislamischen Äußerungen Luthers, die ich für sehr problematisch halte, komme ich zu dem Ergebnis, dass die Evangelische Kirche in dieser Hinsicht auch sehr kritisch mit ihrem „Vorbild Luther“ umgehen muss.

Vielen Dank für das Gespräch.

Ziel des Wettbewerbs ist es, Schüler dazu anzuregen, sich mit dem Zusammenhang von Religion und Kultur in der Gesellschaft zu beschäftigen. Außerdem soll der Wettbewerb das Interesse an religiösen und interreligiösen Fragestellungen wecken und die ökumenische Zusammenarbeit stärken. Die siebenköpfige Jury besteht aus Vertretern des kulturellen Lebens, aus Wissenschaft und Forschung, des Kultusministeriums sowie dem Bereich Schule und Kirche. In diesem Jahr wurden 55 Arbeiten eingereicht. Der erste Preis ist mit 500 Euro, der zweite Preis mit 300 Euro und der dritte Preis mit 200 Euro dotiert.

Von: Johannes Blöcher-Weil/Michael Müller

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