Wie würde sich Martin Luther heute politisch positionieren?

Wie würde sich Martin Luther heute politisch positionieren?

NPD wirbt mit Luther

Die bevorstehende Bundestagswahl treibt seltsame Blüten. Auf einem Wahlplakat der NPD ist das Konterfei des Reformators Martin Luther zu sehen. Die Partei verkauft den Theologen als „aufrechten Patrioten“, der heute keine andere Wahl hätte als die NPD.

Von einigen Wahlplakaten der NPD in Mecklenburg-Vorpommern blickt jetzt der Reformator Martin Luther herab. Die Partei wirbt für die bevorstehende Bundestagswahl mit dem Theologen. Abgewandelt hat sie dabei einen seiner berühmtesten Sätze und notiert: „Ich würde NPD wählen. Ich könnte nicht anders.“

Auf der Internetseite der NPD begründet die Partei ausführlich, warum der Theologe sich heute für sie entscheiden würde. Es heißt, dass Luther auch heute Klartext reden würde: die Partei nennt einen kulturellen und sittlichen Verfall und eine schleichende Islamisierung als Beispiel. Luther sei ein „aufrechter Patriot”, der den Deutschen dienen wollte.

Nicht mit Rassismus und Menschenfeindlichkeit vereinbar

Die Plakataktion sorgt für Umnut bei den Kirchen. Luther werde ungerechtfertigt vereinnahmt, findet Sebastan Kühl, Sprecher des Pommerschen Evangelischen Kirchenkreises. Gegenüber dem Nordkurier betont er, dass Luther das genaue Gegenteil der Überzeugungen und Motivationen vertrat, mit denen die NPD wirbt. Der Reformator wurzelte im christlichen Glauben. Rassismus und Menschenfeindlichkeit ließen sich aber mit dem christlichen Menschenbild nicht vereinbaren.

„Luther wird hier schlicht und einfach politisch instrumentalisiert“, findet Stefan Döbler von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Seine reformatorische Grundbotschaft werde verdreht und missbraucht, sagte er dem Nordkurier: „Luthers Wahl im Zusammenhang mit seinem reformatorischen Grundanliegen war eindeutig: ,Solus Christus – allein Christus‘.“

NPD als Wiederholungstäter

Bereits bei der Kommunalwahl in Thüringen 2014 hatte die Partei mit den Gesichtern von Luther und Johann Sebastian Bach um Stimmen geworben. „Wir wählen richtig“, hieß es damals. Der Reformator hatte in Eisenach die Bibel übersetzt, Bach wurde dort geboren. Die thüringische Landeskirche bezeichnete die Werbung als „perfide, geschmacklos, respektlos und geschichtslos“. (pro)

Von: jw

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