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Pfarrer ohne Konventionen: Schießler-Buch wird verfilmt 

Rainer Maria Schießler ist wohl der bekannteste katholische Pfarrer Bayerns, seine Thesen ecken in Rom an, doch seine Kirchen sind gefüllt. Eines seiner Bücher wird nun als Serie verfilmt.
Von Jörn Schumacher
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Pfarrer Rainer Maria Schießler macht seine Arbeit gerne mitten im Leben: bei Menschen und Tieren

Foto: Bayerischer Rundfunk

Pfarrer Rainer Maria Schießler (rechts) segnet Tiere, Motorräder und homosexuelle Partnerschaften – trotz Kritik aus Rom. Der Bayerische Rundfunk hat ihn 2020 porträtiert (Foto), jetzt macht der Sender aus Schießlers Buch eine Serie.

Der katholische Pfarrer Rainer Maria Schießler ist in Bayern bekannt wie ein bunter Hund. Denn nicht nur sein Lebensstil ist ungewöhnlich. Der leidenschaftliche Motorradfahrer segnet in seiner Gemeinde die Maschinen der Väter und die Bobby-Cars der Kinder, an Heiligabend feiert er den Geburtstag Jesu mit einer Party mit DJ und schenkt Sekt aus. Er segnet Tiere und homosexuelle Paare, und er lebt seit 25 Jahren mit einer Frau zusammen.

Der 61-Jährige gilt wegen seiner unkonventionellen und medienwirksamen Aktionen als einer der bekanntesten Kirchenmänner in Bayern. Seit 1993 ist Schießler Pfarrer in St. Maximilian in München. In den Jahren 2006 bis 2012 und 2015 arbeitete der Geistliche in einem Bierzelt auf dem Münchener Oktoberfestes und spendete das verdiente Geld an wohltätigen Zwecke.

Seine eigene Talkshow „Pfarrer Schießler“ wurde von Dezember 2012 bis 2015 im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt. In der Fernsehserie „München Grill“ von Franz Xaver Bogner spielte Schießler sich selbst. Seit 2020 produziert das Münchner Kirchenradio mit ihm einen Podcast namens „Schießlers Woche – Hier spricht der Pfarrer“.

„Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“

Pfarrer Rainer Maria Schießler

Mit seinen teilweise provokanten Äußerungen zur katholischen Kirche wurde Schießler auch über die Grenzen Bayerns hinaus bekannt. In einem Interview mit der Münchener Abendzeitung sagte er einmal über seine Motivation: „Ohne Leidenschaft ist die Verkündigung wertlos.“ Und die Probleme mit seiner Kirche in Rom? Die seien ihm „wurscht“.

Mit „erhobenem Zeigefinger, mit Kettenrasseln“ erreiche man nichts. „Jesus spricht von einem liebenden Vater und nicht von einem strafenden Gott.“ Über die große Zahl an Kirchenaustritten sagte er schon vor zehn Jahren, ihm seien viele kleine Zellen wie bei einem Mosaik lieber als der „Zentralismus“ der Kirche von Rom – und spricht von einer „Einheit in Vielfalt“.

Bei einer Trauerfeier für die Münchener Sängerin und Wirtin Gisela Dialer-Jonas sagte Schießler: „Ich habe den lieben Gott in manchen Kneipen besser kennengelernt als in manchem Bibelkreis.“ Sein Motto für seine Arbeit als Pfarrer: „Wir müssen zu den Menschen. Dafür sind wir da.“

Sachbuch wird verfilmt

Vor einem Jahr erschien „Die Schießler-Bibel“, die auf der Spiegel-Bestseller-Liste stand, und in diesem Jahr folgte das Buch „Seid ihr noch zu retten?!“, in dem der Pfarrer und der Kirchenpfleger Stephan Alof über ihre Überzeugungen sprechen, von neuen Formen im Gottesdienst bis hin zu Sexualität und Zölibat. Der Bund Bairische Sprache bezeichnete Pfarrer Schießler als „dialektalen Menschenfischer“ und verlieh ihm 2016 die Bairische Sprachwurzel.

Auch Schießlers Buch „Himmel, Herrgott, Sakrament. Auftreten statt austreten“ aus dem Jahr 2016 stand auf der Spiegel-Bestseller-Liste. Darin legt der Pfarrer dar, wie es ihm in einer Zeit der zunehmenden Kirchenaustritte gelingt, seine Kirche immer mehr zu füllen. Sein Rezept: Klartext reden. Oft werden seine Predigten zu Ökumene und Zölibat beklatscht. Sein Buch stehe unter dem Motto seiner Osterbotschaft von 2015, sagt Schießler: „Mut zur Veränderung“. Es benennt die heiklen Themen innerhalb der katholischen Kirche, die seiner Meinung nach zu einem Glaubwürdigkeitsverlust geführt haben.

Gemeinde wieder mit Leben füllen

Das Buch wird nun als Serie verfilmt. Seit dem 9. Mai 2022 noch bis 21. Juli laufen dafür in München die Dreharbeiten unter der Regie von Franz Xaver Bogner („München 7“, „Café Meineid“). In den Hauptrollen sind Stephan Zinner, Anne Schäfer und Erwin Steinhauer zu sehen. Das teilte der Bayerische Rundfunk (BR) mit.

Die sechs Teile mit je 45 Minuten Länge lehnen an das gleichnamige Sachbuch Schießlers an. Es geht darin um den Pfarrer Hans Reiser (Zinner), der nach glücklichen Jahren in einer Gemeinde auf dem Land eine Problem-Gemeinde in München übernimmt. In seiner neuen Kirche herrscht gähnende Leere, Kirchenaustritte sind an der Tagesordnung. Doch Reiser will das ändern und mit seiner weltoffenen, den Menschen zugewandten Art seine Gemeinde wieder mit Leben füllen.

Dabei setzt der Pfarrer – ähnlich wie Schießler im echten Leben – auf unkonventionelle Methoden. Pfarrer Reiser verzeichnet in seiner Gemeinde alsbald erste Erfolge. Dem Kardinal (Erwin Steinhauer), der gemeinsam mit ihm das Vertrauen der Menschen in die Kirche wieder zurückgewinnen möchte, geht der Reformeifer seines Schützlings aber immer wieder eindeutig zu weit.

Pfarrer Reiser zweifelt mehrfach selbst an seinem Weg und sogar an seinem Glauben, behält aber seinen Kurs bei. Reiser macht unter anderem Bekanntschaft mit der alleinerziehenden, in Trennung lebenden jungen Mutter Lisa Kirchberger (Anne Schäfer), die mit Kirche eigentlich wenig am Hut hat. Die Serie soll 2023 im BR-Fernsehen laufen.

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2 Antworten

  1. Selbst wenn der Angriff auf die Kirche von innen aus dem Klerikertum kommt, so wird es nicht gelingen die Bastion Glaube und Frömmigkeit niederzureißen! <3 Auch mit Hilfe dieses manipulativen Magazins nicht…

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  2. Pfr. Schießler ist für mich ein gläubiger Mensch der mit vielen Aussagen recht hat.
    So dass man nicht warten darf, dass die Leute in die Kirche kommen, man muss das Evangelium dort verkündigen, wo die Leute sind. Zu seiner Haushälterin sagt er dass sie wichtig für ihn ist, als Gesprächspartnerin, von einer sexuellen Beziehung, wie sie manche unterstellen ist nicht die Rede.
    Manche seiner Konzepte könnten auch Impulse für evangelische Gemeinden sein. Seine Bücher lesen sich leicht und geben Christen Impulse. Man muss nicht römisch-katholisch sein um seine Bücher und seine Anliegen zu verstehen. Die hier angesprochene Bibel habe ich nicht gelesen, aber Jessas Maria und Josef.

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