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Pfarrer erfand den „Weltknuddeltag“

„Knuddeln“ kann laut Duden „zerknüllen“ bedeuten. Doch meistens ist damit „umarmen, drücken und küssen“ gemeint. Somit sollten Sie am 21. Januar, am „Weltknuddeltag“, ihre Mitmenschen herzlich drücken – und bitte nicht zerknüllen.
Von Jörn Schumacher
Umarmung, Winter
Der Weltknuddeltag liegt nicht ohne Grund im Januar: Eine Umarmung kann körperliche und emotionale Wärme spenden.

Die 2000er waren das Jahrzehnt des Kuschelns. Jedenfalls machten Aktionen mit „Free Hugs“, also „kostenfreien Umarmungen“, besonders die Runde und wurden zum Trend. Dabei stellt sich jemand mit einem entsprechenden Schild irgendwo in der Öffentlichkeit auf und bietet Umarmungen an. Nicht erst die Corona-Pandemie machte dem Trend den Garaus; schon vorher sah man die Kuschel-Spender immer seltener in der Öffentlichkeit.

Ein Tag im Jahr ist jedoch ganz dem weltweiten freundschaftlichen Umarmen gewidmet: Am 21. Januar ist Weltknuddeltag, auch bekannt als Weltkuscheltag.

Am Weltknuddeltag sind die Bewohner dieses Planeten aufgerufen, sich des Rituals der gegenseitigen Umarmung bewusst zu werden. Und es muss ja nicht unbedingt ein Mitmensch sein, auch Tiere freuen sich bekanntermaßen über ein warmherziges Drücken.

Was wenige wissen: Der „National Hugging Day“ wurde von einem amerikanischen Pastor erfunden. Kevin Zaborney rief den Tag 1986 in Caro, Michigan, ins Leben, und daher wird der Theologe auch gerne „der Botschafter der Umarmung“ genannt („Ambassador of Hugs”).

Das Datum wählte er sorgsam aus: Der Tag sollte genau zwischen Weihnachten als dem Fest der Liebe und dem Valentinstag als dem Tag der Liebenden liegen, und er sollte in die Winterzeit fallen. Denn in dieser eher kalten und manchmal meteorologisch bedingt trübseligen Zeit kann eine warme Umarmung besonders wohltuend wirken.

In einem Interview von Spiegel Online sagte Pastor Zaborney vor ein paar Jahren: „Je öfter Sie umarmen, desto besser fühlen Sie sich, und desto besser fühlen sich andere. Unsere Gesellschaft braucht mehr davon.“ Ihn habe bereits in den Achtzigern gestört, dass in vielen Familien kaum noch miteinander geredet wird, sagte Zaborney. Seine Mutter machte ihn mit den Thesen eines italienischen Psychologen vertraut, der im Umarmen eine besonders gefühlvolle Geste erkannt haben wollte.

Dem Herausgeber von „Chase‘s Calendar of Events“, einem in den USA und im Ausland beliebten Kalender, gefiel die Idee eines Weltknuddeltages. Er trug das Datum in den Kalender von 1986 ein. Zaborney: „Wir gaben dem Tag also einen Namen, ohne ein vollständiges Ritual vorzusehen. Die einfache Botschaft sollte lauten: Leute, umarmt eure Familie und Freunde!“

Knuddeln ist gesund

Ärzte geben dem Anliegen recht: Nach einer Umarmung senkt sich messbar der Level an Stress-Hormonen, Atmung und Blutdruck verbessern sich. Umarmungen führen laut medizinischen Studien zu einem langfristig verbesserten Immunsystem, zu einem verringerten Risiko für Herzkrankheiten sowie zu einem niedrigeren Spiegel des Stresshormons Cortisol bei Frauen. Wenn sich Paare 20 Sekunden lang umarmen, steigt zudem der Spiegel des „Kuschel-Hormons“ Oxytocin.

Bis vor kurzem machte die offizielle Website des Weltknuddeltages noch auf Empfehlungen des amerikanischen Gesundheitsministeriums und der WHO bezüglich Covid-19 aufmerksam. Die Initiatoren empfahlen in den vergangenen zwei Jahren ein virtuelles Knuddeln. Doch nun darf größtenteils wieder real geknuddelt werden.

Gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sagte Zaborney einmal, als Pfarrer vergebe er am Weltknuddeltag gerne auch über das Telefon Umarmungen. „Zwar bietet sich der Sonntag für Kirchen an, das Thema aufzugreifen. Aber ich möchte jeden auf der Welt ermutigen, an dem Tag seine Familie und Freunde wieder einmal richtig in den Arm zu nehmen.“

Natürlich gebe es immer auch Menschen, die das Umarmen ungesund oder einfach doof finden, weiß Zaborney. Deshalb rate er ja, nicht rumzurennen und wahllos Leute zu umarmen. Mit den „Free Hugs“-Aktionen hat der Weltknuddeltag ohnehin nichts zu tun. Genauso wenig wie mit Erotik. „Und man sollte sich auch nicht gegenseitig ins Gesicht atmen“, rät der Weltknuddeltag-Erfinder.

Die am meisten zu knuddelnde Person des Jahres

Der Knuddel-Experte unterscheidet verschiedene Formen der Umarmung. Da ist der normale „consolent hug“, die tröstende Umarmung ohne viel Kontakt. Dann gibt es den „big bear hug“ (Großer-Bär-Umarmung): Man hat Ganzkörperkontakt und umschließt den anderen mit beiden Armen etwa fünf bis zehn Sekunden lang ganz fest. Ebenso gibt es den „mutual hug“, wenn sich zwei einfach aus Freude kurz, aber intensiv umarmen. Der „pick-up hug“ ist die überschwängliche Umarmung, bei der die andere Person ein wenig in die Luft gehoben wird. Und schließlich gibt es den kameradschaftlichen „shoulder hug“, bei dem jeweils die Hand kurz auf der Schulter des anderen ruht.

Eine Umarmung dauert übrigens im Durchschnitt 3,17 Sekunden. Das jedenfalls wollen Wissenschaftler der schottischen Universität Dundee herausbekommen haben. Sie analysierten bei den Olympischen Sommerspielen 2008 die spontanen Umarmungen zwischen Athleten und ihren Trainern, Konkurrenten und Unterstützern. Die Ergebnisse waren offenbar völlig unabhängig von der Nationalität der Umarmer oder deren Geschlecht.

Die Website zum Weltknuddeltag kürt jedes Jahr die am meisten zu knuddelnde Person des Jahres. So wurde 2009 der US-Präsident Barack Obama gewählt, 2011 die chilenischen Minenarbeiter des Grubenunglücks von San José und 2017 der Fußballtrainer Jürgen Klopp. Im vergangenen Jahr kam die Ehre der Musikband „G and the Jolly Cucumbers“ zuteil, die den Song „Wrap My Arms Around You“ (zu Deutsch: Ich lege meine Arme um dich) veröffentlichte.

Außerdem wurde der siebenjährige Adam King aus Irland gekürt, der den „Adam’s Virtual Hug“ erfand. Adam wurde mit der seltenen erblichen Erkrankung Osteogenesis imperfecta geboren. Während der Corona-Pandemie malte er seine Umarmung einfach auf, um mit seinen Lehrern und Mitschülern in Kontakt zu bleiben. Es war ein großes Herz aus Papier mit dem Schriftzug: „Ich umarme dich“.

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5 Antworten

  1. Braucht es solche Artikel in PRO? Ich meine, sie sind so überflüssig wie ein Kropf. Es gibt weiß Gott Anderes, Besseres, Sinnvolles.

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      1. Nö, ganz im Gegenteil. Der Artikel über Frau Heinrichs “Aktivisten” war von größtem Interesse, das sah man auch an der Anzahl der Kommentare. Frau Heinrichs ist die EKD-Synodenpräses. Der Knuddelpastor mit seinem Knuddeltag ist so uninteressant und belanglos wie wenn in China ein Sack Reis umfällt.

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  2. …und dann dem gegenüber ins Ohr flüstern “Gott liebt dich,und möchte dass du ihm dein Leben
    gibst” Dann hätte die Umarmung auch noch eine Biblisch-evangelistische Komponente!

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Kommentare sind geschlossen.

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